Dictionnaire portatif oder Dictionnaire philosophique 1764

Das philosophische Wörterbuch ist die zentrale antiklerikale Kampfschrift der Aufklärung und stellt an sehr unterschiedlichen Gegenständen vor, wie man der Welt als Philosoph, als Aufklärer begegnen soll. 

Philosophisches Taschenwörterbuch -Dictionnaire portatif  oder Dictionnaire philosophique, Genève 1764, 334 p. 

Phil Wörterbuch

Angeblich entstand anlässlich einer der Tafelrunden Friedrichs II. die Idee, der christlichen Religion ein Werk entgegenzusetzen, das zu den wichtigsten Themen des kirchlichen und wirklichen Lebens die Positionen der Aufklärung in kurzer und allgemeinverständlicher Form darstellt. Wenn diese Tafelrunde je stattgefunden haben sollte, so war jedenfalls Voltaire der einzige, der den gefassten Vorsatz in die Tat umgesetzt hat. Das philosophische Wörterbuch ist Voltaires Kampfansage an die christliche Religion und ihre Kirche, es ist die Schrift, in der man Voltaires lebendige Art zu denken am direktesten erleben kann. Stets die Fragestellung auf Beobachtung und unmittelbare Erfahrung beziehend, daraus zu erfrischend moralinfreien Schlussfolgerungen kommend und wo es geht, die herrschende Ideologie demaskierend, sind viele Artikel des philosophischen Wörterbuches noch so aktuell wie vor 300 Jahren: über die Liebe, den Krieg, das Beichten, den Ehebruch, die Eigenliebe und zahlreiche andere Themen. Das Buch wurde noch im Erscheinungsjahr in Genf und am 19.3.1765 in Paris verbrannt, obwohl Voltaire den Glauben  an einen Gott (nicht den christlichen und darin bestand eben sein Verbrechen)  als Bedingung menschlicher Moral rechtfertigt. Ohne diesen, befürchtet er  nicht zu Unrecht, ohne Religion, würde das Volk alle Hemmungen und Ängste  verlieren und zu gewalttätigen Mitteln gegen die herrschende Ordnung greifen. Gerade diese Begründung wird der ‚herrschenden Ordnung‘ seiner Zeit genauso wenig gefallen haben wie den Kirchensteuereintreibern unserer heutigen Zeit. Als Einführung in das philosophische Wörterbuch und in die sehr interessante Werkgeschichte eignet sich die hervorragende Einleitung von Moland (hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung). Das Werk ist viele Male, auch mit abgewandelten Titeln, erschienen und hat – ganz und gar nicht im Sinne Voltaires – immer mehr an Umfang zugenommen, zuletzt waren es in der von Moland 1878-79 besorgten Gesamtausgabe 4 Bände mit über 2000 Seiten!

Inhalt des Dictionnaire portatif von 1764 (alle mit einem Stern * gekennzeichneten Artikel sind erst in den späteren von Voltaire redigierten Ausgaben von 1765, 1767 und 1769 erschienen. Bei verlinkten Begriffen kann man sich den jeweiligen Text in deutscher Übersetzung anzeigen lassen):

Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Handbuch der Vernunft, Zusammengestellt von Laurenz Wiedner, Nachwort von Prof. J.R. von Salis, Zürich : Pegasus Verlag Gregor Müller, 1945, 166 S. (BV-200589)
o Abbé, Beichtkind Cartesianer, Philosophisches Wörterbuch, herausgegeben von Rudolf Noack, übersetzt von Erich Salewski, Leipzig 1964 (Philipp Reclam junior). (BV-200523)
o 16 Artikel aus dem phil. Taschenwörterbuch, zweisprachig, Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Ulrich Friedrich Müller, München: dtv 1973,111 S. (BV-200800)
o 20 Artikel aus dem phil. Taschenwörterbuch, zweisprachig, Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Ulrich Friedrich Müller, München: dtv 1985 (BV-201016)


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