Politische und satirische Werke

Veröffentlichungen auf Deutsch

L’Antimachiavell oder Versuch einer Kritik über Nic. Machiavells Regierungskunst eines Fürsten, Hannover und Leipzig: Johann Wilhelm Schmidt, 1756

vorgebunden Nic. Machiavell Regierung eines Fürsten,    387 S, 3, angebunden: Historie des Antimachiavells, Nebst denen darüber gefällten Urtheilen, ebd., 136 S. mehr zur Editionsgeschichte 

La pucelle d`Orléans 1755

Die Jungfrau von Orleans ist vielfach ins Deutsche übersetzt worden, was wegen ihres religionskritischen Inhalts erstaunen mag. Der Titel einer zuletzt im Playboyverlag erschienen Ausgabe weist jedoch die Richtung – es sind die sexuellen Anspielungen, die hier dem Publikationseifer glücklicherweise nachgeholfen haben.
    
erste Übersetzung:

Das Mägden von Orleans 1763.  

Ein Heldengedicht in 18 Gesängen – London 1763 (Elzevir) = Leipzig 1763 (Linke), 238 S., (Fromm 27126)

Voltaire, kritische und satirische Schriften,hrsg. v. Karl August Horst, München 1970, Winkler.

Voltaire,Abhandlung über die Religionsduldung

aus dem Französischen des Herrn von Voltaire übersetzt und mit einigen Anmerkungen begleitet, Leipzig, Caspar Fritsch, 1764, 230 S. (2007 antiquarisch für 750.- € angeboten)

Voltaire, Recht und Politik

herausgegeben und mit einem Nachwort von Günther Mensching, Frankfurt am Main 1978, Syndikat. Enthält die Übersetzung der wichtigen Schrift “Über die Toleranz”, Über Gewissensfreiheit und über den Prozess gegen Montbailli und (übersetzt von Angelika Oppenheimer): Bericht vom Tode des Chevalier de la Barre, Metaphysische Abhandlung. Der Herausgeber ist Philosophieprofessor in Hannover. Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Authentische Briefe

welche das traurige Schicksal der reformierten Familie Calas zu Toulouse nach der Wahrheit vor Augen legen, aus dem Französischen übersetzt, 1762, enthält die Übersetzung von 1. Extrait d’une lettre de la veuve Dame Calas 2. Lettre de Donat Calas à la Dame calas, sa mère,.

Voltaire, Republikanische Ideen

herausgegeben von Günther Mensching, Frankfurt am Main 1979, Syndikat. Enthält Übersetzungen von Artikeln aus der Ferneyzeit, unter anderem (übersetzt von Angelika Oppenheimer): Republikanische Ideen, Kommentar zu dem Buch Über Strafen und Verbrechen, Denkschrift für die vollständige Abschaffung der Leibeigenschaft; Das Gewohnheitsrecht der Franche-Comté, sowie: die Rechte der Menschen und die Anmaßungen der Päpste, L’A.B.C. – das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.

Voltaire, Erzählungen, Dialoge, Streitschriften

herausgegeben von Martin Fontius, Berlin (DDR) 1981, Rütten & Loening. Ist die derzeit beste, antiquarisch noch gut erhältliche, sehr sorgfältig gemachte und kommentierte Sammlung der wichtigsten Werke Voltaires in deutscher Sprache. Mit einer sehr lesenswerten Einleitung von Martin Fontius. Übersetzungen von Christel Gersch, Stefan Hermlin (Candide), Bernhard Wildenhahn, Rosemarie Heise, Anna Mudry, Paul Thiel (Lettres Philosophiques), Renate Petermann, Lessing, Bernhard Henschel, Heidi Kirmsse.

Albert Gier/Chris E. Paschold, Voltaire, Die Toleranz-Affäre,

Bremen: manholt 1993,166 S., eingeleitet von den Autoren enthält der Band die Überstzungen der Schriften “Über die Toleranz”, den Bericht vom Tode des Chevalier de la Barre und den Bericht über den Fall Lally (Fragments historiques sur l’Inde et sur le général Lally, 1773). Die Autoren glänzen in ihrem Vorwort durch neudeutsche Verwirrung: zwar hat man Calas durch völlig fadenscheinige Aussagen verurteilt – aber trotzdem kann man, meinen sie, nicht wissen, ob er seinen Sohn nicht doch getötet hat.

Voltaire Die Affäre Calas,

herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ingrid Gilcher-Holtey, Berlin: Insel, 2010, 295 S.zwiespältiges, eilig zusammengezimmertes Werk, das den Ansprüchen einer Seminararbeit, aber nicht einer Veröffentlichung zum Thema genügt. mehr auf unserer Rezensionsseite


Veröffentlichungen auf Französisch

Voltaires spitze Feder war gefürchtet, er konnte durch brilliante Wortspiele und treffende Bilder einen Gegner der allgemeinen Lächerlichkeit preisgeben und vernichten. Besonders aus der Emigration in Ferney kämpft Voltaire mit beeindruckender Energie gegen religiöse Verfolgung und eine Rechtsprechung, die jeder Gerechtigkeit Hohn sprach. Hier entstanden seine Schriften zu Staat und Gesellschaft, die ihn zwar als Anhänger einer konstitutionellen Monarchie ausweisen, jedoch auf der Basis einer für alle Staatsbürger gleichen Gesetzeslage. Die nachfolgend genannten Schriften wurden zuletzt in deutscher Sprache  vor 30 Jahren in den Textsammlungen von Mensching, von Fontius und von Horst (siehe Werkausgaben) veröffentlicht.

L’Antimachiavel ou Examen du Prince de Machiavel  avec des notes historiques & politiques, à la Haye chez Jean Van Duren-1741 [=1740], XXXII, 364 p.

Diese erste Ausgabe enthält das Widmungsgedicht  des Übersetzers d’Amelot de la Houssaye an den Grafen von Toskana und einen Antwortbrief Machiavels, aber nicht das Vorwort von Voltaire.. Von Friedrich vor seiner Thronbesteigung als eine Art Bekenntnis zur Staatsführung (‚Katechismus der Tugend‘) im Sinne der Maxime der Aufklärung ‚Größtmögliches Glück für die größmögliche Zahl‘ verfasst, war ihm sein Antimachiavel nach dem 31. Juni 1740 nicht mehr opportun. Voltaire hat sich sehr viel von dem Werk versprochen, hatte viel darangearbeitet, sollt dann aber im Auftrag Friedrichs den Verleger van Düren in Den Haag überzeugen, von einer Veröffentlichung abzusehen, es kam aber ganz anders. mehr zur Editionsgeschichte

Diatribe du Docteur Akakia Leyden: Luzac, 1753,32 pp.

Dies ist die berühmte Satire gegen den Mathematiker Maupertuis, Präsident der preußischen Akademie der Wissenschaften unter Friedrich II.  Maupertuis war seit seinen unschönen Intrigen gegen den Mathematiker König bei Voltaire schlecht angeschrieben und nachdem er leider auf einige seltsame Ideen gekommen war, z.B. dass man ein großes Loch bohren solle, um zum Erdmittelpunkt und darüber hinaus zu gelangen und dies auch noch öffentlich ernsthaft kund tat, wurde er zur Zielscheibe des voltaireschen Spottes. Die Schrift ist zugleich seine vernichtende Antwort auf die ‚Lettres d’un academicien‘, die Friedrich II anonym als Verteidigung seines Akademiepräsidenten Maupertuis‘ hatte erscheinen lassen.

La pucelle d`Orléans Bern: Louvain 1755, 161 pp.

Die Jungfrau von Orléans ist Voltaires Satire gegen den herrschenden Wunderglauben und Heiligenkult seiner Zeit. Als größte Leistung der Jungfrau sieht er es an, ein volles Jahr unter Soldaten eine solche geblieben zu sein. 1734-35 geschrieben, danach ständig neu bearbeitet und ergänzt, wurde La Pucelle 1755 zum ersten Mal gedruckt veröffentlicht. Grasset, Buchhändler aus Lausanne, hatte Voltaire ein  Manuskript abgekauft und mit dem Druck begonnen. Kurz danach verhaftet, belastete Grasset den ehemaligen Mönch Maubert, der ebenfalls verhört wurde. Die Genfer Behörden verwiesen Grasset der Stadt und bedrohten Maubert im Falle der Drucklegung mit Gefängnis. Trotzdem erschien das Buch im Oktober des gleichen Jahres, angeblich in Frankfurt, tatsächlich bei Louvain in Bern.

Traité sur la tolérance à l`occasion de la mort de Jean Calas, Genève, 1763, 211 pp

Voltaires bedeutende Schrift gegen religiöse Intoleranz und gegen die Verbrechen der katholischen Kirche …mehr

Pièces originales concernant la mort des Sieurs Calas et le jugement rendu à Toulouse, Genève,1762, 22 pp.

die Schrift enthielt ursprünglich auf 22 Seiten den Brief der Witwe Calas und die Denkschrift ihres Sohnes Donat Calas  und wurde später erweitert um Voltaires Anlageschriften an den Kanzler, an den König,  und um eine Erklärung von Pierre Calas, dem zweiten Bruder von Marc Antoine..

Commentaire sur le livre des délits et des peines, Genève, 1766, 120 pp.

Voltaire rechnet hier mit den Rechtsprechungs- und Strafverfolgungspraktiken seiner Zeit ab. Er greift Kirche, Religion, Adel und die Richter wegen ihrer barbarischen Urteile und Todesstrafen gegen vollkommen Unschuldige an. Er geißelt Ketzerverfolgungen und Hexenverbrennungen: “fügt man diesen gerichtlichen Massenmorden (ca 100.000 Hexenverbrennungen) noch die unendlich höhere Zahl der hingeschlachteten Ketzer hinzu, so erscheint dieser Teil der Welt nur als ein gewaltiges Blutgerüst, bedeckt von Henkern und Opfern, umgeben von Richtern, Schergen und Zuschauern”. Voltaire fordert die Abschaffung von Folter, Todesstrafe und Strafverfolgung aus religiösen Gründen. Seine Schrift ist von einem tiefen Unrechtsempfinden durchdrungen, eine klare Vorbotin der französischen Revolution.

L`A.B.C. ou dialogues entre A.B.C., Genève, 1768, 160 pp.

Ein noch heute hochinteressantes Gespräch über die Themen: Von der Seele, Ob ein Mensch böse geboren wird, Vom Naturgesetz und der Neugier, Von der Theokratie, Von den Regierungsarten, Ob das heutige Europa besser ist als das ehemalige, Von Leibeigenen, Von den Geistessklaven, Über die Religion, Vom Kriegsrecht, Vom Recht der Treulosigkeit, Von der besten Gesetzgebung.Zitat

L`Homme au Quarante Ecus 1768

Jeder Landwirt soll theoretisch einen Reingewinn von 40 Thalern erwirtschaften. Voltaire, zeigt, wieviel ihm davon angesichts eines höchst ungerechten Steuersystems übrigbleibt und wieviel dagegen Aktienbesitzer, kirchliche Würdenträger und Nichtstuer zum Steueraufkommen beitragen: nämlich gar nichts. Noch heute hochaktuell.

Fragment sur  le procès criminel de Monbailli roué et brulé vif à Saint-Omer en 1770, , Genève, 1773

Dies ist der gar nicht unparteiische Bericht über den Prozess gegen den vollkommen unschuldigen Monbailli, der aus bloßer Willkür zum Tod des Räderns verurteilt wurde. Seine Frau sollte als Mittäterin auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, konnte jedoch durch das beherzte Eingreifen Voltaires gerettet werden. Voltaire zeigt an diesem Beispiel, auf welch niedrigem Niveau eine Rechtsprechung steht, die sich jenseits der Fakten am bloßen Hörensagen orientiert.