Voltaires Romane und Erzählungen

Die Romane und Erzählungen Voltaires erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Voltaire hat mit ihnen die ihm eigene Gattung der philosophischen Erzählung geschaffen. Er verfolgte mit ihnen jedoch keine unmittelbar didaktische Absicht. Wenn er dem Leser etwas zeigen wollte, so am ehesten eine aufgeklärte Sicht auf die Welt, humorvoll, nachdenklich – auf alle Fälle aber distanziert. Zweifellos zählen sie zu den Meisterwerken der Weltliteratur, sind vielschichtig und auch ohne große historische Kenntnisse verständlich.

Inhaltsverzeichnis

Einzelausgaben

Zadig ou la déstinée, histoire orientale 1748; zuerst Memnon, histoire orientale 1747

„Zadig oder das Schicksal“ ist die Geschichte eines babylonischen Adligen, der durch seine überragenden geistigen Fähigkeiten und seine Herzensgüte in höchste Gesellschaftsschichten aufsteigt, jedoch nicht gegen die Bösartigkeiten seiner Umgebung gewappnet ist, die ihn in Elend und Sklaverei stürzen.  Den negativen Leidenschaften seiner Zeitgenossen wie Neid, Eifersucht, Habgier, Sucht nach öffentlicher Anerkennung, aber eben auch der Gesellschaftsordnung mit ihrer unumschränkten Macht für – seien sie noch so dumm – Kirchenleute und Adlige hat er bei seiner Suche nach Glück nichts entgegenzusetzen. Erst am Schluss der Erzählung bringen ihn sein Mut, die Liebe des Volkes und die einer Frau, sowie die beständige Unterstützung seines Freundes Cador auf den ihm gebührenden Königsthron Babylons. Einerseits zeigt die Erzählung, welche Vorteile ein klarer Verstand in einer mittelalterlichen Umgebung bietet, aber auch welche Gefahren (Umberto Eco hat hier sicher manche Vorlage gefunden). Voltaire kritisiert Missstände wie Witwenverbrennung, religiösen Hass, korrupte Richter und verlogene Kirchenfürsten. Ganz am Ende der Erzählung: Theaterdonner, sogar ein Engel tritt auf. Eine wunderbare Geschichte: spannend, phantasievoll, lehrreich. …Einleitung zur Veranstaltung der Voltaire-Stiftung zu Zadig am 23.3.2014 lesen

dt. Zadig, oder das Schicksal

Zadig ist nach Candide die meistgelesene, kurz nach dem Erscheinungsjahr 1748 übersetzte Erzählung Voltaires.

-> Liste der Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Zadig, eine gantz neue morgenländische Geschichte, Göttingen: Vandenhöck 1748 (BV-200365)
o Zadig oder das Verhängnis, eine morgenländische Geschichte, in: Zwei morgenländische Geschichten und eine portugiesische Erzählung. Aus dem Französischen von V. u.d.v. Vergier. Stuttgart: Cotta 1792, S.1-121 (BV-200367)
o Zadig, oder das Verhängniß und der Hurone, zwei der interessantesten Romane v. V', frey bearbeitet von [August Heinrich] Müller, Hamburg: Vollmer, 1808 (BV-200368)
o Zadig oder das Schicksal, eine morgenländische Geschichte, übersetzt von F.Sigismund, Zwickau: Schumann, 1830 (BV-200369)
o Zadig. Eine Geschichte aus der großen Welt. Nach V' übersetzt von Carl Schwartze, in: Carl Schwartze, Seltsame Geschichten aus der Welt und aus Berlin, Berlin, 1832, S. 1 - 156 (BV-200370)
o Zadig oder das Geschick. Morgenländische Geschichte, übersetzt von A.Elissen, Teil 1,2 Leipzig 1844 (BV-200371)
o Zadig oder das Geschick. Eine morgenländische Geschichte, übersetzt von Ernst Hardt, mit 40 Radierungen von Markus Behmer, Berlin: Cassirer, 1912 , 77 S. (BV-200374)
o Zadig oder Die Bestimmung. Eine morgenländische Geschichte. Illustriert von Fennecker [=Josef Fenneker], Leipzig: Wilh. Borngräber, 1922, 95 S., Mit einem Frontispiz und 8 Tafeln (BV-200375)
o Zadig oder das Schicksal. Übertragen von Ernst Hardt. Leipzig: Insel, 1925, 1.Aufl 1. - 10 Tsnd., Insel-Bücherei Nr. 171, 79 S. (BV-200376)
o Zadig oder Das Schicksal. Eine morgenländische Geschichte, übertragen von Johannes Hammann. Mit Textillustrationen von W. Homilius. Wuppertal: Abendland Verlag, 1947, 126 S (BV-200380)
o Zadig oder das Geschick. Eine morgenländische Geschichte, Saarbrücken: Saar Verlag, 1946, 110 S. (BV-200381)
o Zadig oder das Verhängnis. Eine morgenländische Geschichte, Aus dem Französischen übertragen von Martin H. Richter Saarbrücken: Reclam, 1949 118 S. (BV-200382)
o Zadig oder das Schicksal, Eine orientalische Erzählung. Franfurt/M.: Insel, 1975, 124 S, it 121 (BV-200383)
o Zadig oder das Schicksal, Eine orientalische Erzählung. Aus dem Französischen übersetzt von Ilse Lehmann, mit 40 Radierungen von Marcus Behmer. Franfurt/M.: Suhrkamp, 1975, 134 S. (BV-200384)
o Zadig oder das Schicksal, eine orientalische Erzählung. Aus dem Französischen übersetzt von Ilse Lehmann, mit Illustrationen von Andreas Brylka. Dassel: Hahnemühle, 1976, 92 S., Sonderdruck der Büttenfabrik Hahnemühle für die Freunde des Hauses. (BV-200385)
o Zadig oder das Schicksal, eine orientalische Erzählung. München: Goldmann Verlag, 1988, 126 S. (BV-200386)

Micromégas, Londres, 1752

Eine erste Version hatte Voltaire bereits 1739 verfasst („eine philosophische Albernheit“), gedruckt erschien Micromégas zuerst 1752, zusammen mit einer Geschichte der Kreuzzüge, als Druckort war London angegeben. Mikromegas stößt als Bewohner des Sirius auf die für ihn sehr kleine Erde, deren Bewohner er nur durch ein Vergrößerungsglas sehen kann. Es kommt zu einer Unterhaltung zwischen Mikromégas und den Menschen über erkenntnistheoretische Fragen, wobei Mikromégas sich über die verwirrenden Ansichten der Erdbewohner zur Natur der Seele und der Vernunft wundert. Indem er Erde und Menschen vor die Kulisse des riesigen Weltalls stellt, relativiert Voltaire menschlich-christlichen Größenwahn und amüsiert sich mit dem Kniff, die Erde, ihre Bewohner und deren Ansichten aus möglichst großer Entfernung zu beobachten über einzelne erkenntnistheoretische Positionen – und mit ihm der Leser.

dt. Mikromegas

-> Liste der Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Mikromegas [übersetzt von Gottfried Friedrich Freiesleben] Dresden 1752 {Walther] (BV-200702)
o Mikromegas, Eine philosophische Historie, Herßfeld: Mohr, 1768, 56 S (BV-0)
o Micromegas, in: Werner Krauss, Der verliebte Teufel, Französische Erzählungen des 18.Jahrhunderts, S. 50 - 74, Berlin 1980 (Rütten & Loening), 8.Auflage (BV-200582)

Candide ou l`optimisme 1759.

Traduit de l’allemand de Mr. le Docteur Ralph. Sans lieu, (Paris ? ) erschien anonym 1759. Voltaires bis heute viel gelesener und immer wieder publizierter Roman Candide zeigt, dass keine Rede davon sein kann, dass die Welt oder gar die menschliche Gesellschaft zweckmäßig eingerichtet, die beste aller möglichen Welten (Leibniz) sei: die Welt ist schlecht, der Mensch des Menschen Feind, die Gesellschaftsordnung ungerecht, die Herrscher bösartig, die Religion in den Händen raffgieriger und mordbrennender Kirchenleute. …mehr auf unserer Candide-Seite

dt. Candide oder der Optimismus

Hervorgehoben sei vorab die Arbeit von Dieter Hildebrand zu Candide, einer Monographie, die der Aktualität Candides für unsere Zeit gerecht wird:
Dieter Hildebrandt, Voltaire, Candide, Dichtung und Wirklichkeit, Frankfurt a.M.: Ullstein, 1963

-> Liste der Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Candide, oder die beste Welt, Eine Theologische, Philosophische, Praktische Abhandlung aus dem Spanischen Grund=Text des Don Ranudo..de Collibradoz, übersetzet von D. Ralph [d.i. Johann Albrecht Philippi], Riga,Leipzig: Hartknoch, 1761, 14 Bl., 231 S. (BV-200616)
o Kandide, Oder: die beste Welt, übersetzt von W[ilhelm] C[hristhelf] S[igmund] Mylius, Berlin: Himburg, 1778 (BV-200387)
o Candide oder die beste Welt, neuverdeutscht von Fr.Sigismund, Zwickau und Leipzig, :Schumann 1821, 2 Bd, 138 S.,124 S. (BV-200395)
o Candide, Satirischer Roman, in deutscher Bearbeitung von Oskar Linke, Großenhain 1897, (Baumert und Ronge), 192 S. (BV-200396)
o Candide oder die beste der Welten, Philosophischer Roman, Übersetzt und eingeleitet von Paul Seliger, Berlin-Leipzig 1904 (Rothbart) , 220 S. (BV-200398)
o Candid oder der Optimismus,. Eine Erzählung, Mit 12 Holzschnitten und Initialen von Max Unold, Leipzig: Insel, 1913, 179 S. (BV-200399)
o Voltaire Kandide oder: Es ist doch die beste Welt!, bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Peter Hamecher, mit vielen Zeichnungen von Joseph von Divéky, Berlin: Morawe & Scheffelt, 1920, 153 S. (BV-200400)
o Kandide, oder die beste der Welt. Eine Erzählung, mit Federzeichnungen von Paul Klee, München: Wolff, 1920, 90 S. (BV-200401)
o Candide. Eine Erzählung, Mit 28 Federzeichnungen von Alfred Kubin, deutsch. von Johann Frerking, Hannover: Paul Steegemann 1922, 146 S. (BV-200402)
o Kandide, Mit 20 Radierungen von C.Sturtzkopf, München: G.Müller 1924, 210 S. (BV-200792)
o Candide als Soldat, Übersetzt von H[einrich] Werneke, in: La Revue Rhénane (Rheinische Blätter ) 6, 1925-1926, S. 33-35 (BV-200594)
o Voltaire Candide oder der Optimismus, übersetzt von Ernst Sander, Leipzig 1925 (Reclam junior), RUB 6549/50, 144 S. (BV-200403)
o Candide oder der Optimismus, mit 34 Steinzeichnungen von Richard Dreher, Hellerau: Avalun, 1925, 212 S. (BV-200405)
o Forster, Friedrich, Die beste aller Welten, Ein Spiel, München 40er Jahre (Desch) - Manuskript, 110 S. (BV-200584)
o Candide, mit einem Vorwort und Anmerkungen versehen von Carlheinz Schellenberg, illustriert von R. Hunger, München 1946 (Limes), 160 S. (BV-200406)
o Voltaire Candide oder die beste der Welten, Übersetzung von Ilse Linden, Bearbeitung und Nachwort von Jürgen Schüddekopf, mit 22 Federzeichnungen von Hermann Schardt, Hamburg 1946 (Hauswedell), 154 S. (BV-200408)
o Candide im Lande Dorado, Übertragen von Anne Elisabeth Schönewolf, in: Gerd Hatje Almanach auf das Jahr 1947, Stuttgart Calw, 1946 (Hatje), S.26-31 (BV-200595)
o Candide oder Der Glaube an die Beste der Welten von Voltaire, Übertragen von Walter Widmer, Illustrationen von Karl Staudinge, in: Himmlische, irdische und höllische Liebe, Drei Liebesromane aus dem 18. Jahrhundert, Stuttgart 1848 (Janus), 371 S. (BV-200593)
o Candide oder der Glaube an die beste der Welten, in: Himmlische, irdische und höllische Liebe, Drei Liebesromane aus dem 18. Jahrhundert, Übertragen von Walter Widmer, Illustriert von Karl Staudinger, Stuttgart, Wien St.Gallen 1948 (Janus Bibliothek) (BV-200411)
o Candide oder die beste Welt, Deutsch von Rudolf Schneider-Schelde, Mit Illustrationen von Rudolf Kriesch München: Kurt Desch, 1949, 185 S. (BV-200413)
o Candide, neu übertragen von Hanns Studniczka, mit einem Essay 'zum Verständnis des Werks' und einer Bibliographie von Hugo Firedrichs Reinbek 1957 (Rowohlt), 148 S. (BV-200414)
o Candide oder die beste der Welten, Aus dem Französischen übertragen von Ernst Sander, Stuttgart : Reclam 1957, 152 S. (BV-200415)
o Candide, oder Die Beste aller Welten, Neu bearbeitet von Hans Hartmann, Illustriert v. Karl Stratil, Rudolstadt 1957 (Greifenverlag), 203 S. (BV-200422)
o Candide oder die Beste aller Welten, übers. v. Anne-Elisabet Schönewolf, Illustrationen von Günter Schöllkopf, Stuttgart: Riederer 1960, 132 S. (BV-200419)
o Candide, oder der Optimismus, mit 27 Zeichnungen von Paul Klee, Düsseldorf 1962 (Droste ), 120 S., 4° (BV-200424)
o Candide oder der Optimismus, aus dem Französischen von Ilse Lehmann, mit Zeichnungen von Paul Klee, Frankfurt a.M.: Insel, 1972, it 11, 191 S. (BV-200428)
o Candide, oder der Optimismus, übertragen von Stefan Hermlin, illustriert von Gabriele Mucchi, Leipzig: Reclam, 1972, 265 S. (BV-200433)
o Candide oder Die beste aller Welten, mit Zeichnungen von Fritz Fischer, Memmingen:M. Dietrich, 1978, 172 S. (BV-200437)
o Candide oder der Glaube an die beste der Welten.. Aus dem Französischen. v. Walter Widmer. Mit 28 Zeichn. v. A. Kubin,München: dtb, 1980, 175 S. (BV-200420)
o Candid oder Die Beste der Welten, übersetzt von Ernst Sander, mit 35 Illustrationen von Richard Ziegler, Gütersloh. o.J. [ca 1980] (Bertelsmann), 191 S. (BV-200443)
o Candid [übersetzt von Ernst Sander],Mit Zeichnungen von Donatello Losito, Berlin: Rainer Hindersmann 1981, ohne Paginierung [68 S.] (BV-200590)
o Candide oder Die beste aller Welten, mit Zeichnungen von Fritz Fischer, Memmingen:M. Dietrich, 1978, 172 S. (BV-200438)
o Candide oder Es ist doch die beste Welt, Mit einem Beitrag von Lotte Ingrisch: Arnulf Neuwirth oder Der sanfte Mut, Wien 1981 (Edition Tusch), 95 S. (BV-200439)
o Candide oder der Optimismus, mit den Zeichnungen von Gabriele Mucchi, Frankfurt a.M. 1981 (Röderberg), 265 S. (BV-200440)
o Candide oder der Optimismus, zweisprachige Ausgabe, übersetzt und herausgegeben von Jürgen von Stackelberg München 1987 (Goldmann), 348 S. (BV-200444)
o Candide oder die beste der Welten, philosophischer Roman, gesprochen auf 3 Casetten, ungekürzte Lesung, Sprecher: Jan Koester, Vaduz, Liechtenstein 1988 (Ascolta), 3 MC, 190 Min. (BV-200442)
o Candide oder der Optimismus, mit 18 Bildern von Michael Matthias Prechtl, Nachwort von Hans Mayer Franfurt a. M. 1989 (Büchergilde Gutenberg), 171 S. (BV-200445)
o Candide oder der Optimismus, übersetzt von Stefan Hermlin, mit einem Nachwort von Ingrid Peter, Zürich 1991 (Diogenes), 213 S. (BV-200447)
o Candide, gelesen von Wiglaf Droste, Hörbuch, München 2002 (Kunstmann ) (BV-200450)
o Candide oder der Optimismus, Augsburg 2004 (Weltbild), 143 S. (BV-200451)
o Candide oder der Optimismus, Mit einem Nachwort von Harald Weinrich, München: DTV 2005, 120 S. dtv Taschenbücher Bd.34252 (BV-200927)
o Candide oder der Optimismus, übersetzt von Johann Frerking, Zürich 2005 (Diogenes), 213 S. (BV-200452)
o Kandide oder die beste aller Welten. gesprochen von Andreas Dietrich, Grünwald: Komplett-Media 2005, 4 CDs, 280 min (BV-200979)
o Candide oder die bester aller Welten, Gelesen und neu bearbeitet v. Heiner Heusinger, 3 CD, pablos media 2005 (BV-201203)
o Candide oder der Optimismus, übersetzt von Stefan Hermlin , Nachwort von Alexander Reck, Ditzingen 2007 (Reclam) (BV-200454)
o Candide oder der Optimismus, übers. v. Jürgen von Stackelberg , Frankfurt a.M. 2007 (Insel), it 3510, 126 S. (BV-200455)
o Candide oder die beste Welt, Deutsch von Rudolf Schneider-Schelde, Mit Illustrationen von Rudolf Kriesch München: Kurt Desch, 1949, 185 S. (BV-201138)
o Candide oder der Optimismus, Neu Übersetzt von Tobias Roth und illustriert von Klaus Ensikat, Großhansdorf: Officina Ludi, 2018, 127 S. (BV-201204)

L`Ingénu, histoire veritable, tirée des manuscrits du père Quesnel, Londres, 1767, 89 S..

Das im Deutschen unter „Der Hurone“, „Das Naturkind“ oder „Der Freimütige“ bekannte Werk erzählt, wie ein Fremder huronischer Abstammung, der europäisch-christlichen Kultur nur teilweise vertraut, mit den Widersprüchen zwischen Katholizismus und seiner angeblichen Quelle, der Bibel, konfrontiert wird und dabei die seltsamsten Abenteuer zu bestehen hat. So findet er nirgends einen Beleg für die Forderung, dass zur Liebe die Genehmigung der Kirche, ein Vertrag und die Zustimmung diverser Dritter nötig sei. Er kennt die Stimme der Natur, die zur Liebe nur die Zustimmung des Gegenübers verlangt. Die  ihm angeborene Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bringen ihn bald in Konflikt mit den Zuständen der französischen Adelsgesellschaft, wo Wenige alle Macht in den Händen halten und sie nach Lust und Laune ausnutzen. Er landet in der Bastille. Seiner Geliebten gelingt es, ihn zu befreien, jedoch um den Preis ihrer Selbstachtung, sie wird Opfer der durch kein Gesetz gezügelten Gier allmächtiger Beamter. Der Ekel, den Voltaire vor solchen Zuständen empfindet, tritt einem auf nahezu jeder Seite entgegen. Voltaire ist Verteidiger der Opfer und Ankläger der Täter einer Gesellschaft, in der sich tugendhafte Ziele nur durch Verlust der eigenen Tugend erreichen lassen. Bittere Erfahrung spricht aus den Zeilen: „Man findet genug Hände, die auf die Masse der Unglücklichen einschlagen, aber selten eine helfende.“ (S.161) L`Ingénu ist eine beißende Kritik der Gesellschaft seiner Zeit mit tiefgreifenden und erfrischenden Gedanken zum Verhältnis von Körper, Geist und Gefühl, zur Liebe und ist eine Antwort Voltaires auf Zivilisationspessimisten à la Rousseau, die Zivilisation nur als Verlust des ursprünglich idealen Naturzustandes begreifen.

dt. Der Hurone/Der Freimütige/Das Naturkind/Der Unbefangene

-> Liste der Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Das Gesicht des Babuck, Leipzig 1756 (BV-200957)
o Der Freymüthige, Eine wahrhafte Geschichte, Aus dem Französischen des Herrn Voltaire übersetzt, Frankfurt,Leipzig, 1768, 140 S. mit Titelvignette (BV-200617)
o Der Freimüthige, Eine wahrhafte Geschichte, Frankfurt und Leipzig, 1768 (BV-200963)
o Der Freymüthige, Eine wahrhafte Geschichte, Neue verbesserte Auflage, Helmstädt und Leipzig, 1770 (BV-200964)
o Der Huron, Lustspiel in 2 Akten mit Gesang, Prag 1777 (Wittmann) (BV-200668)
o Der Hurone, Eine wahre Geschichte, Berlin, Leipzig, 1784, 159 S. (BV-200669)
o Der Harmlose, Vollständige Ausgabe, Übertragen von Walter Heiden, Berlin 1948 (Weichert), 126 S. (BV-200670)
o Das Naturkind, Eine wahre, den hinterlassenen Papieren des Paters Quesnel entnommene Geschichte, Aus dem Französischen von Ilse Lehmann, mit einem Nachwort von Werner Bahner, Leipzig: Philipp Reclam jun., 1960, 106 S., 1.-5.Tausend, 106 S. (BV-200938)
o L'Ingenu = Der Freimütige, Französisch-deutsch, Übersetzt u. herausgegeben von Peter Brockmeier, Stuttgart: Reclam 1982,256 S. (BV-200942)

La Princesse de Babylone, Londres [Genf: Cramer] 1768

Die Erzählung „Die Prinzessin von Babylon“ erschien 1768 in Genf. Eine Prinzessin, schön wie Tag und Nacht zugleich, reist, von ihrer Liebe zu Amazan, dem Schäfer, getrieben, rund um die ganze Welt, um ihn wiederzufinden. Ihre märchenhafte Reise führt durch Länder aller politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse, von Tyranneien bis zur konstitutionellen Monarchie, von entwickelten Zivilisationen mit Handel, Kunst und Wissenschaft bis zu Gesellschaften mit nicht viel anderem als Ackerbau und Viehzucht. Es ist äußerst interessant, wie Voltaire die einzelnen Systeme bewertet und alle, die ihn der Sympathie zum Absolutismus verdächtigen, werden hier eines besseren belehrt. Es ist immer wieder überraschend, dass Voltaires Charakterisierungen der einzelnen Völker  auch nach 300 Jahren Ihre Gültigkeit nicht verloren haben („Die Deutschen  sind die Greise Europas…(S.248)“).Die Reise der Prinzessin endet in Spanien fast mit ihrem Tod auf dem Scheiterhaufen, denn sie fällt der Inquisition in die Hände. Erst das beherzte Auftreten Amazans und besonders seines scharfen Schwertes „Fulminante“, das mit einem einzigen Hieb „Bäume, Felsen und Priester zerspalten konnte“(S.250), rettet sie vor dem qualvollen Feuertod. Die katholischen Priester, bei Voltaire heißen sie „Schnüffler und Anthropokäer*“ werden besiegt und die Herren Inquisitoren landen auf dem für ihre Opfer vorgesehenen Scheiterhaufen. Rundum also ein glückliches Ende.
* das heißt Menschenverbrenner

dt. Die Prinzessin von Babylon

-> Liste der Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Die Prinzessin von Babylon, Göttingen: Bossigel [Vandenhoeck], 1769 (BV-200733)
o Die Prinzessin von Babylon. Ins Deutsche übertragen von Ernst Rönau. Mit zehn Radierungen und Buchschmuck von Rolf Schott, Wien, Wolf, 1920,92 S. (BV-200736)
o Die Prinzessin von Babylon, Übertragen von J[ohannes] Schlaf, (mit 10 handkolorierten Original Radierungen von W.Klemm), Weimar 1924 (Reiher), 118 S. 4° (BV-200737)
o Die Prinzessin von Babylon, Novellen, Übersetzt von A[lfons] Freiherr von Czibulka, München: Drei Eulenverlag, 1925, 321 S. (BV-200738)
o Die Prinzessin von Babylon, Deutsche Übersetzung von Ilse Linden Mit sechs Illustrationen von Rolf Schott, Nachwort von Felix M. Wiesner, Zürich: Die Waage 1953, 131 S. (BV-200968)
o Die Prinzessin von Babylon,Aus dem Französischen von Johannes Schlaf, Mit einem Nachwort von Hans Pleschinski, München 2007 (Süddeutsche Zeitung), Bibliotheka Anna Amalia Bibliothek,149 S. (BV-200585)

L‘ homme aux quarante écus, Londres [genf: Cramer], 1768

Jeder Landwirt soll theoretisch einen Reingewinn von 40 Thalern erwirtschaften. In Wirklichkeit bleibt so gut wie nichts von den Früchten seiner Arbeit für ihn übrig und Spekulanten, Nichtstuern, Großgrundbesitzern und dem Klerus* der Löwenanteil des Volkseigentums fällt davon der Löwenanteil zu und diese, im Unterschied zu jenen, zahlen dafür nicht einmal Steuern. Das schreiende Unrecht wird noch dadurch vermehrt, dass durch die Art der Verwendung dieser Steuern (Kriege, Verschwendungssucht..) die Lebensgrundlagen der Steuer zahlenden Bevölkerung geradewegs zerstört werden. Außerdem geht es in der Erzählung um die wichtigsten naturwissenschaftlichen Hypothesen (die Entstehung der Gebirge, des Lebens, der Menschen, der Kinder) der Zeit, zu denen Voltaire hier Stellung nimmt. Die Erzählung ermöglicht einen interessanten Blick in die Entstehungsgeschichte der Wissenschaft.  
*“Um aber ein Reich in Blüte zu bringen, bedarf es einer möglichst geringen Zahl von Priestern und möglichst vieler Handwerker“(S.141).

dt. Der Mann mit den vierzig Talern

-> Liste der Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Der Mann von vierzig Thalern, [Leipzig 1768 (Schwickert) (BV-200666)
o Der Mann mit vierzig Thalern, Aus dem Französischen d es Herrn von Voltaire übersetzt, Frankfurt a. M., Leipzig 1769, 135 S. (BV-200667)

Sammlungen (dt.)

Romane wie Candide und Zadig wurden meist schon kurz nach der französischen Erstveröffentlichung übersetzt, und bis heute gehören sie zum Standardrepertoire eines ’normalen‘ Verlages. Allerdings tat man sich im Westen Deutschlands mit dem Übersetzen schwer, man zog es meist vor, die hervorragenden Übersetzungen aus der DDR aufzukaufen und heute, wo alles, was der offiziell erwünschten Sprachregelung (DDR=Unrechtsstaat) zuwiderläuft, aus den Gehirnen verbannt werden soll, scheinen die Meinungsmacher ihre Lizenzen zum großen Teil vergessen zu haben: teils graben sie alte Übersetzungen des 18. Jahrhunderts wieder aus (Fischer: Mylius), teils lassen sie Neuübersetzungen anfertigen. Die (antiquarisch) noch recht gut zugänglichen Sammlungen stammen trotzdem meist aus der DDR (die berühmte zweibändige Ausgabe von Ilse Lehmann erlebte, Lizenzausgaben eingerechnet, mindestens ein Dutzend Auflagen). Die Dünndruckausgabe des Winkler Verlages, die zuletzt 1995 erschien, gut übersetzt ist, jedoch ohne nennenswerte Erläuterungen auskommen muss, ist derzeit nicht mehr verfügbar.

Voltaire, Ausgesuchte Romane, Erzählungen und Dialogen, Wien: Wallishauser 1790, 2 Bd. 266 S., 267 S.

Erste, auf Vollständigkeit bedachte Sammlung der Romane und Erzählungen und Dialoge.

Inhalt Band 1 :Zadig, Die Prinzessin von Babylon; Der wahre Brahmine; Die Blinden; Wie gefährlich es ist, recht zu haben; Reise nach dem Himmel; Eine arabische und eine indische Erzählung; Der Uhu und die Vögel;
und 7 Dialoge
Inhalt Band 2:Der Mann von vierzig Talern; Mikromegas; Sacramentos Reisen; Memnon oder die menschliche Weisheit; Der Weiße und der Schwarze; Wie’s in der Welt geht; Bababek oder die Fakire; Andere Zeiten, andere Meinungen; Der König von Baton oder: Wie weit muss man das Volk betrügen; Die beiden Getrösteten
und 8 Dialoge

Voltaire, Moralische Erzählungen, Freie Übersetzung von J.C.Hagen [das ist Gottfried Basse] Quedlinburg: Basse 1810, 128 S.

Voltaire, Die Romane und Erzählungen, 2 Bände m. 14 Kupferstichen. Vollständige Ausgabe mit Kupferstichen von Moreau le Jeune Hrsg. und eingeleitet von Ludwig Rubiner, Potsdam: Kiepenheuer, 1919

Voltaire, Erzählungen, Leipzig: Insel, 1924



Inhalt:
1. Der Schwarze und der Weiße, 2. Hans und Klaas, 3. Die Prinzessin von Babylon, 4. Die beiden Getrösteten, 5. Candid, 6. Scarmentado, 7. Zadig, 8. Mikromegas, 9. Der Harmlose

Voltaire, Sämtliche Romane und Erzählungen, übertragen von Ilse Lehmann. Leipzig: Dietrich’sche Verlagsbuchhandlung, o.J.

Ausgabe in zwei Bänden; mit einer Einleitung v. Victor Klemperer, zuletzt noch im Inselverlag für 18 € erhältlich

Inhalt Band 1:Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Herrn Voltaire. Aufgezeichnet von ihm selbst; Zadig, Die Welt, wie sie ist; Memnon; Bababek und die Fakire; Mikromegas; Die beiden Getrösteten; Geschichte der Reisen Sacramentos; Platons Traum; Candide; Geschichte eines guten Brahmanen; Der Weiße und der Schwarze; Jeannot und Colin; Potpourri
Inhalt Band 2:Wenn Blinde von der Farbe reden; Indische Abenteuer; Das Naturkind; Der Mann mit den vierzig Talern; Die Prinzessin von Babylon; Amabeds Briefe; Der einäugige Lastträger; Der weiße Stier; Was das Gedächtnis einst erlebte; Lobrede auf die Vernunft; Jennis Geschichte; Die Ohren des Grafen von Chesterfield

Sehr sorgfältig von Rudolf Noack und Rolf Müller kommentierte Ausgabe.

Romane und Erzählungen, Aus dem Französischen übertragen von Ernst Sander München: Wilhelm Goldmann 1961, 2 Bd. 157 S.,414 S., Goldmanns gelbe Taschenbücher, Band 800

Sämtliche Romane und Erzählungen, aus dem Französischen übertragen von Liselotte Ronte und Walter Widmer, München 1989 (Winkler) 789 S.,

Letzte Auflage 1995 als paperback (nicht mehr lieferbar) Um die fehlenden Erzählungen ergänzte Neuauflage der schon in: Romane und Erzählungen, Aus dem Französischen übertragen von Liselotte Ronte und Walter Widmer, München 1971 (Winkler) 437 S. erschienenen Übersetzungen.