Schriften zur Geschichte

Veröffentlichungen auf Deutsch

La Henriade (frz 1723)

Die deutschen Übersetzungen fallen ins 18. und 19. Jahrhundert. Danach wurde die Henriade nie wieder übersetzt oder veröffentlicht. Dies ist sicher einerseits dem nachlassenden Einfluss Frankreichs auf die deutsche Kultur zuzuschreiben, andererseits aber auch auf den ungeliebten, religionskritischen Inhalt der Henriade zurückzuführen. Man lese nur einmal einen kleinen Ausschnitt aus Voltaires Darstellung des Fanatismus, um dies nachvollziehen zu können. 

Textbeispiel:
Voltaire, La Henriade
über den Fanatismus  (V. Gesang, Verse 100f):
Aber als endlich Rom dem Gottessohn sich ergeben,
fuhr er vom Schutte des Kapitols herab in die Kirche;
Und mit seinem Gewüthe die Herzen der Christen entflammend,
Macht er aus Märtyrern bald erbitterte Glaubensverfolger.

In Lissabon, in Madrid, entzündete er jene
Flammen, die Scheiterhaufen, die festlichen, denen die Priester
Jedes Jahr zuführen unglückliche Juden, 
Weil abtrünnig sie nicht dem Glauben der Väter geworden. 

über die Staatsverfassung (II. Gesang, Verse 316 f):
Glücklich der Staat, wenn das Volk in seiner Pflichten Erkenntnis,
So wie es soll, der höchsten Gewalt Verehrung beweiset!
Glücklicher noch, wenn ein milder, gerechter, verständiger König,
So wie er soll, der Volksfreiheit Hochachtung bezeiget.

Erste Übertragung ins Deutsche (in Auszügen):

o  Voltaire, Der Tod des Cäsars
– enthält „eine Probe von einer Poetischen Übersetzung der Henriade, ans Licht gestellet von Magister Julius Friedrich Scharffenstein“. Nürnberg 1727, Felsenecker, 143 S. (Fromm 27090)

Erste vollständige Übersetzung:

o  Voltaire, Der Heldengesang auf Heinrich dem Vierdten, König in Frankreich.
Übersetzt von Friedrich Heinrich von Schönberg, auf Zschaiten. Dresden 1751, Krause, 184 S. (Fromm 27005)

o  Des Herrn von Voltaire Henriade.
Übersetzt von Johann Christoph Schwartz. Daran: Heinrich der Vierte. Aus dem Französischen des Herrn von Voltär. Wien 1782/1783, Churfürstliche Hof – Buchdruckerei, Joseph Edler von Kurzbeck (vielmehr Breslau, Korn).1782 (235 S.) und 1783 (174 S.). Zweisprachig: Französisch und Deutsch, übersetzt durch “den Churpfälzischen wirklichen Konsistorial- und Ehegerichtsrat Johann Christoph Schwarz”, der 1783 in Mannheim gestorben ist, (Fromm 27008)

o Die Henriade von Voltaire
In deutschen Hexametern mit geschichtlichen Anmerkungen von Karl Kleinschmidt. Frankfurt am Main bei Franz Varrentraapp Mannheim 1817, Schwan u. Götz, 420 S. (Fromm 27010)


Charles XII , Roi de Suède (frz. 1731)

Karl XII ist eines der am öftesten übersetzten und veröffentlichten Werke Voltaires, bis um 1900 auch als Lektüre im Französischunterricht benutzt . Diesen Umstand verdankt das Werk seinem Gegenstand, eines draufgängerischen Alleinherrschers und der bei diesem Thema weitgehend fehlenden Religionskritik. Später wurde es zusammen mit den anderen Werken Voltaires und der Aufklärung weitgehend ins Abseits, das heißt ins sterile Reich der 18.Jahrhundert-Spezialisten, verdrängt. Das Werk ist sehr gut antiquarisch erhältlich. 

erste Übersetzung:

o Voltaire Leben Karls XII., Königs von Schweden
Nach der dritten und lezten [sic] Auflage versehen, aus dem Französischen übersetzt, mit nöthigen Anmerckungen, Nachrichten und Urkunden versehen. Stockholm (vielmehr Danzig: Schuster) 1733, 456 S. (Fromm 27019)

o Geschichte Carls des Zwölften durch den Herrn Voltaire.
Nach den neuesten Verbesserungen und Zusätzen der französischen Urschrift eingerichtet auch mit einigen Anmerkungen. Frankfurt am Main 1756 bey Johann Gottlieb Garbe, 479 S. (Fromm 27021) Diese frühe deutsche Ausgabe wurde zuletzt bei ebay versteigert.

o Voltaire, Geschichte Karls XII. Königs von Schweden – nach der Ausgabe von Beuchot 1829 ins Deutsche übertragen von Adolf Seubert
Leipzig 1907. Verlag Philipp Reclam jun.  (Fromm 27038).

o Voltaire, Geschichte Karls XII Königs von Schweden übersetzt von Paul Althaus, Vorwort von Professor Dr. Peter Stadler, Stuttgart 1963
Die Übersetzung folgt einer früheren von Paul Althaus aus dem Jahr 1924, enthält interessante Angaben über die Varianten der verschiedenen Ausgaben, einen praktischen Personenindex und ist noch recht gut antiquarisch verfügbar. Das Vorwort von Prof. Stadler kann man vergessen, er hat nicht erfasst, was Voltaire an Karl XII schätzte, versäumt eine brauchbare bibliographische Einführung und lobt stattdessen die “große Biographie Karl XII” von Otto Haintz.

o Voltaire, Geschichte Karls XII.
Frankfurt am Main 1978. Insel Verlag 282 S.

Siècle de Louis XIV. (frz. 1751)

Einmaliges Geschichtswerk, an dem Voltaire 20 Jahre lang gearbeitet hat. Es ist bis heute als Gesamtdarstellung der Zeit Ludwig XIV. ein Klassiker geblieben, denn Voltaire verliert sich nicht in Details, sondern behält bei aller Komplexität den Überblick. Ein außerordentlicher Genuss für historisch interessierte Leser. 

o Voltaire, Die Zeiten Ludwig des XIV., Königs in Franckreich
Berlin 1752, (Fromm 27155). Schon ein Jahr nach der Erstveröffentlichung erschien diese deutsche Übersetzung.

o Voltaire, Das Zeitalter Ludwigs des XIV.
München o.J. (70er Jahre) Verlag Lothar Borowsky. Nachdruck der  1887 bei Reclam erschienen Ausgabe mit dem Nachwort von Robert Habs, das Buch wird ab und zu bei ebay oder zvab angeboten.

Essai sur les moeurs (frz 1756)

erste Übersetzung:

Voltaire, Versuch einer allgemeinen Weltgeschichte
worin zugleich die Sitten und das Eigene der Völkerschaften von Carln dem Großen an bis auf unsere Zeiten beschrieben werden. Übersetzt von K.F.Romanus Dresden, Leipzig 1760-1762 (Walther), Fromm 26995.

Voltaire, Die Sämmtliche Schriften 1786-1794 Bände 4 – 10
übersetzt von W.C.S.Mylius, enthalten eine hervorragende Übertragung ins Deutsche, derjenigen von Romanus vorzuziehen. 

Voltaire,Geschichte der Völker
Neu übersetzt durch K.A.F.Schnitzer Leipzig 1827 Hartlebens Verlags-Expedition in 22 Teilen (Fromm 26996), selbständig erscheinen,  aber auch integriert als Band 1-22 der 47 Bände umfassenden Werkausgabe Schnitzers ‚Voltaire’s auserlesene Werke‘.

Voltaire, Über den Geist und die Sitten der Nationen
Leipzig 1867 Verlag Otto Wigand, Deutsch von K.F. Wachsmuth, 6 Bände (Fromm 26997).

Histoire de l`Empire Russe sous Pierre le Grand (frz. 1759)

erste Übersetzung:

Voltaire, Geschichte des russischen Reichs unter Peter dem Großen,
übersetzt von J.M.Hube – Leipzig 1761 (Junius), Fromm 27043. 

als Schulbuch im 19.Jhdt:

Voltaire, Histoire de l`Empire Russe sous Pierre le Grand par Voltaire.
Mit grammatischen Erläuterung und einer Erklärung der Wörter und Redensarten zur Erleichterung der Übersetzung ins Deutsche für den Schul- und Privatgebrauch von Johann Friedrich Sanguin Leipzig 1825 (Gerhard Fleischer), 416 Seiten.


Veröffentlichungen auf Französisch

La Ligue ou Henri le Grand, poème épique par M. de Voltaire, Genève 1723, Jean Mokpap, 231 p.

Diese erste Ausgabe, mit zahlreichen Auslassungen, auf schlechtem Papier, wurde geheim in Rouen bei A.Viret gedruckt und in Paris heimlich unter die Leute gebracht. Erst 1726 erschein eine von Voltaire besorgte Ausgabe, die der Königin von England gewidmet war. Voltaires Heldengesang auf Heinrich IV, König von Frankreich,  demmit dem Edikt von Nantes die Beendigung der Hugenottenkriege zu verdanken war. Die Henriade enthält eine Schilderung der Bartholomäusnacht und ist eine vehemente Kritik an der Politik der katholischen Kirche und deren Kreatur Katharina di Medici. Als eines der ersten und bedeutendsten Werke Voltaires zeugt dieses Epos davon, dass die religions- und kirchenkritische Haltung nicht erst die 3. Schaffensperiode Voltaires bestimmt, sondern von Anfang an eine entscheidende Grundlinie war, ohne die man sein Werk nicht versteht.

Histoire de Charles XII.

Roi de Suède,  Rouen 1731Jore. Karl XII, der durch seine furchtlose und entschlossene Kriegsführung ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt hatte, beeindruckte Voltaire durch seine damals (und heute) bei Herrschern sehr seltenen Charaktereigenschaften: Bescheidenheit, Mut, Gerechtigkeit und Freigiebigkeit. Karl XII ließ nicht seine Soldaten kämpfen, während er sich selbst in Palästen vergnügte, sondern teilte das Los seiner Leute in jeder Hinsicht. Nur dadurch war er als unfehlbare Führungspersönlichkeit anerkannt. Vor diesem Hintergrund und durch kluge Kriegsführung gelang es dem schwedischen Heer, selbst übermächtige Gegner vernichtend zu schlagen. Voltaire gibt mit der Geschichte Karls XII. ein Bild der Zeit um 1700, das aufgrund seiner erstklassigen und gewissenhaft ausgewerteten  Quellen, so denen des Ex-Polenkönigs Stanislas, eines Parteigängers Karl XII., den Voltaire  öfter in Lunéville (Lothringen) besucht hat, bis heute Gültigkeit besitzt und nie langweilig ist. Die Spannung resultiert aus der mitreissenden Bewunderung für einen Menschen, der seinen Leidenschaften voll und ganz, ohne jeden Kompromiss folgt und gerade durch diese extreme Konsequenz auf seinen unvermeidlichen,  tragischen Untergang zusteuert.  Von der ersten Ausgabe, die heimlich erscheinen musste und alsbald verboten wurde, ist kein Exemplar erhalten. …Zitate


Roi de Suède,  Rouen 1731Jore. Karl XII, der durch seine furchtlose und entschlossene Kriegsführung ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt hatte, beeindruckte Voltaire durch seine damals (und heute) bei Herrschern sehr seltenen Charaktereigenschaften: Bescheidenheit, Mut, Gerechtigkeit und Freigiebigkeit. Karl XII ließ nicht seine Soldaten kämpfen, während er sich selbst in Palästen vergnügte, sondern teilte das Los seiner Leute in jeder Hinsicht. Nur dadurch war er als unfehlbare Führungspersönlichkeit anerkannt. Vor diesem Hintergrund und durch kluge Kriegsführung gelang es dem schwedischen Heer, selbst übermächtige Gegner vernichtend zu schlagen. Voltaire gibt mit der Geschichte Karls XII. ein Bild der Zeit um 1700, das aufgrund seiner erstklassigen und gewissenhaft ausgewerteten  Quellen, so denen des Ex-Polenkönigs Stanislas, eines Parteigängers Karl XII., den Voltaire  öfter in Lunéville (Lothringen) besucht hat, bis heute Gültigkeit besitzt und nie langweilig ist. Die Spannung resultiert aus der mitreissenden Bewunderung für einen Menschen, der seinen Leidenschaften voll und ganz, ohne jeden Kompromiss folgt und gerade durch diese extreme Konsequenz auf seinen unvermeidlichen,  tragischen Untergang zusteuert.  Von der ersten Ausgabe, die heimlich erscheinen musste und alsbald verboten wurde, ist kein Exemplar erhalten. …Zitate

Le siècle de Louis XIV 

(de M.de Francheville) Berlin 1751 C.F.Henning “Wenn irgendein Fürst oder Minister in diesem Werk unbequeme Wahrheiten finden sollte, dann soll er sich daran erinnern, dass sie, die öffentliche Persönlichkeiten sind, der Öffentlichkeit Rechenschaft über ihre Handlungen schulden; dass sie um diesen Preis ihre Größe erwerben; dass die Geschichte eine Zeugin ist, keine Schmeichlerin, und dass das einzige Mittel, die Menschen zu bewegen, Gutes von uns zu sagen, darin besteht, Gutes zu tun.”  Einmaliges Geschichtswerk, an dem Voltaire 20 Jahre lang gearbeitet hat. Es ist bis heute als Gesamtdarstellung der Zeit Ludwig XIV. ein Klassiker geblieben, denn Voltaire verliert sich nicht in Details, sondern behält bei aller Komplexität den Überblick. Ein außerordentlicher Genuss für historisch interessierte Leser. Das Werk erscheint – erstmals im Französichen – mit konsequenter Kleinschreibeung.
Gleich zu Beginn nennt Voltaire seine beiden zentralen Kriterien zur Beurteilung einer Epoche: die Entwicklung der Kunst und die  Bedeutung der Wissenschaft. Kriterien, die heute, angesichts der restlosen Vernichtung der zentralen Einrichtungen irakischer Kultur: der Nationalbibliothek und des Nationalmuseums durch Plünderung und Brandschatzung, während zur gleichen Zeit die irakischen Ministerien für Öl und innere Angelegenheiten durch US-Soldaten geschützt wurden, nichts an Bedeutung verloren haben.

Histoire de la guerre de MDCCXLI.

2 Tle in 1 Bd. Den Haag, 1755. Als offizieller Historiograph des Königs hatte Voltaire den Auftrag erhalten, die für Frankreich ruhmreiche erste Phase des österreichischen Erbfolgekrieges zu schildern. Trotz seiner Stellung verstand Voltaire seine Aufgabe nicht im Sinne geschichtsklitternder Schmeichelei, sondern als Beitrag zur objektiven Geschichtsschreibung. „Mon histoire sera l’ouvrage de l’historiographe d’un honnete homme, plutot que le travail de l’historigraphe d’un roi. Je crois qu’on peut dire la verité, quand on la dit avec moderation et je sais que mon maitre l’aime. Je ne suis ni un flatteur, ni un ecrivain de satires“. Weitere Ausgaben sind nicht erschienen, da Voltaire das Material später teils in sein ‚Siecle de Louis XIV‘, teils in seinen ‚Précis du siecle de Louis XV‘ eingefügt hat.

ESSAI sur les moeurs et l’ésprit des nations et sur les principaux faits de l`histoire depuis Charlemagne jusqu`au Louis XIII. Genf 1756 .

Eines der wichtigsten Werke Voltaires, sehr umfangreich – vielleicht deshalb so selten auf Deutsch veröffentlicht. Hier ist zum ersten Mal der Versuch unternommen worden, die Geschichte als Weltgeschichte in ihren unterschiedlichen Entwicklungen und Bereichen zu zeigen und  trotzdem als Gesamtbild begreifbar zu machen. …mehr

Histoire de l`Empire de Russie sous Pierre le Grand.

1. Bd  Genf 1759, 2. Bd. 1763  (Cramer), 416 Seiten. Einer Anregung des russischen Adligen Weselowski folgend, unternimmt es Voltaire, die Leistungen Peters des Großen, der Russland aus dem Mittelalter führte, zu schildern.