Philosophisches Taschenwörterbuch:
Abraham (Inhaltsangabe)

Nicht umsonst beginnt das Philosophische Wörterbuch mit Abraham, dem Gründervater der drei monotheistischen, mit einer Offenbarungserzählung aufwartenden Religionen.
Die christliche fußt auf der jüdischen. Die Genesis des Alten Testaments erzählt von Abraham, ihrem Stammvater, der per Adoption, auch der der Christen ist, eine Erzählung, die sie alle beide (und später sollte es ihnen der Islam gleichtun) als ‚heilig’ ausgeben.

Voltaire:
„Was jene [Geschichtsschreibung] der Juden, unsere Herren und unsere Feinde, betrifft, an die wir glauben und die wir verachten, so haben wie für sie die Empfindungen, die wir für sie haben müssen, da die Geschichte dieses Volkes offensichtlich durch den heiligen Geist selbst geschrieben wurde“.

Wer uns solches befiehlt, ist niemand anders, als die Infame selbst, die katholische Kirche.


Voltaire führt den Leser durch die Absurditäten der biblischen Genesis-Erzählungen zu Abraham, zeigt, dass er demnach über hundertsechzig Jahre gewesen sein muss, als er mit Sara, seiner neunzigjährigen Ehefrau, ein Kind zeugte. In diese neunzigjährige Frau „immer noch jung und schön“, verliebte sich dann der König von Kadesh, dem Abraham seine Ehefrau ohne Zögern gegen den Tausch von etlichen Reichtümern überließ.


Der Artikel schließt  – wie so oft – mit einer ironischen Schlussbemerkung Voltaires:

„Die Kommentatoren haben eine beachtliche Anzahl Bände verfasst, um das Verhalten Abrahams zu rechtfertigen und um die Chronologie zu bereinigen. Wir müssen also den Leser an diese Kommentare verweisen. Sie sind von erlesenen und feinfühligen Geistern verfasst, von exzellenten Metaphysikern, vorurteilslosen Leuten und überhaupt keinen Pedanten“.