Voltaire, Candide oder der Optimismus. Neu übersetzt von Tobias Roth und illustriert von Klaus Ensikat. Officina Ludi: Großhansdorf, 2018, 123 S.

Neuübersetzung von Voltaires Candide in bibliophiler Ausgabe: Der Elan fehlt.

Übersetzungen, besonders wenn es sich wie bei Candide um Werke der Weltliteratur handelt, die schon zwei Dutzend mal ins Deutsche übertragen wurden, erfordern einerseits Mut und andererseits Selbstvertrauen. An beidem mangelt es Tobias Roth nicht, hat er doch schon Voltaires Mohammed ins Deutsche, und zwar in gereimte Verse, übersetzt.

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Saltzwedel, Johannes (Hrsg), Die Aufklärung, Das Drama der Vernunft vom 18. Jahrhundert bis heute, München: DVA, 2017, 270 S

Spiegel Aufklärung

Vor einigen Jahren hatte ich einmal ein Probeabonnement des Spiegel, in dessen Verlag dieses Buch, ausschließlich von Spiegelautoren in zweiunddreißig, meist kleineren Essays geschrieben wurde; es soll die Epoche der Aufklärung in ihrer ganzen Vielfalt und Vielstimmigkeit darstellen, heißt es im Klappentext. Das Spiegel-Probeabonnement habe ich damals nicht verlängert, weil mich jedesmal, wenn ich eine Ausgabe gelesen hatte, ein ganz und gar rousseauisches Gefühl überkam, so, als hätte mir jemand einen Eimer Kleister ins Gehirn geschüttet.

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Pankaj Mishra, Das Zeitalter des Zorns, Frankfurt/M: Fischer, 2017, 415 S

Mishra Aufklärung

Mit größter Selbstverständlichkeit verwehrten die in Südafrika herrschenden Buren zur Zeit der Apartheid den Bantus jegliche höhere Bildung. Bildung erzeuge bei diesen bloß Unzufriedenheit und müsse notwendigerweise zur Auflehnung führen, meinten sie. Für deren Arbeitsleben reiche ein wenig Rechnen und Lesen allemal aus.

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Andrea Weisbrod, Madame de Pompadour und die Inszenierung der Macht, Berlin: Aviva 2014, 206 S.

Weisbrod Pompadour

Kunsthistorikerin vom Fach, hat Andrea Weisbrod dreizehn Jahre nach ihrer Promotion (Von Macht und Mythos der Pompadour, im Helmer Verlag erschienen) eine ausgesprochen lesenswerte zweite Annäherung an das Thema vorgelegt und man kann ihr nur dafür dankbar sein, daß sie sich dieser Mühe unterzogen hat. Damit kein falscher Eindruck entsteht: die Anstrengung merkt man dem Text nicht an, ganz im Gegenteil.

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Marcus C. Kerber, Ein deutsch-französisches Spannungsverhältnis, Aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich II., Berlin: Edition Europolis, o.J. [2014], 36 S.

Erschienen: Berlin 2014

Kerber, dessen Lebenslauf einige Kenntnisse über Frankreich erwarten ließe, ist wahrscheinlich – vielleicht enttäuschte Liebe? –  ein Frankreichhasser. Zumindest aber einer, der die französische Aufklärung, somit deren Repräsentanten Voltaire vehement ablehnt, dem preussischen Kriegsherren und Monarchen Friedrich II aber überschwänglich positiv gegenübersteht. Damit ist schon alles gesagt, lesen muß das nur, wer 14,80 € für 36 S. ausgegeben hat.

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Philipp Blom, Böse Philosophen, Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung, München: dtv 2013, 400 S.

Blom

(Erstausgabe Hanser 2011)
Ein Autor, der schon im Prolog (S.17) mit dem Satz aufwartet: “Voltaires … Gedanken bestehen aus nicht viel mehr als gesundem Menschenverstand, mit viel Witz auf Hochglanz poliert, während seine politischen Kampagnen und seine Positionierung ihn als gerissenen, mit allen Wassern gewaschenen Politprofi zeigen, dem letztendlich nichts wichtiger war als die eigene Reputation und das eigene beträchtliche Vermögen“ wird von unserer Seite – wen wird das erstaunen – kaum Sympathie erwarten dürfen: Hat er von Voltaire nichts gelesen? Alles nur abgeschrieben?

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H.J. Schädlich, Sire ich eile, Voltaire bei Friedrich II, Eine Novelle, Hamburg: Rowohlt, 143 S.

Schädlich Voltaire Friedrich

Rechtzeitig zur 300 Jahrfeier Friedrichs II. hat Schädlich sein kleines Büchlein von 142 Seiten vorgelegt, ein Text, für den 100 Seiten ausgereicht hätten, wenn man die Leerräume am Kapitelende und –anfang weniger ausgedehnt hätte und 60, wenn man nicht hinter fast jedem Satzende eine neue Zeile angefangen hätte. Deshalb zögert man beim Kauf, denn 16 € sind teuer bezahlt für reale 60 Seiten und für ein Büchlein, dessen Inhalt im Internet (z.B. bei www.correspondance-voltaire.de) gratis zur Verfügung steht.

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Peter Priskil, Die Karmaten oder: Was arabische Kaufleute und Handwerker schon vor über 1000 Jahren wussten: RELIGION MUSS NICHT SEIN, Ahriman Verlag 2010 (2. erweiterte Auflage), 410 S.

Priskil Karmaten

In: Unerwünschte Bücher zur Kirche- und Religionsgeschichte Nr.10, Freiburg: Ahriman Verlag 2010 (2.Auflage), 410 S.
Wenige nur kennen die Karmaten, ein Volk, das vor über 1000 Jahren die erste religionsfreie Gesellschaft der Geschichte auf dieser Kulturstufe aufgebaut hat und deshalb – die islamistischen und christlichen Kirchen haben das ihnen mögliche dafür getan -, nahezu in Vergessenheit geraten ist. Seine Geschichte steht im Mittelpunkt dieses Buches, das über ihre außerhalb von Fachkreisen völlig unbekannte Gesellschaft berichtet, die das Ziel der philosophes um Voltaire, die Befreiung von den anmaßenden und gewalttätigen Organisationen der Kirchen, immerhin 100 Jahre lang in die Praxis umgesetzt hat. Schon allein aus diesem Grund ist dieses Werk für jeden, der in der Tradition Voltaires steht, von besonderem Interesse.

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Voltaire Die Affäre Calas, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ingrid Gilcher-Holtey, Berlin: Insel, 2010, 295 S.

Wer den Justizmord Calas und den Erfolg Voltaires verstehen will, muss vor allen anderen Dingen die Stellung der Kirche im absolutistischen Frankreich untersuchen und gerade hier muss man leider feststellen, dass deren Rolle im Toulouser Ketzerprozeß in diesem Buch seltsam fremd und schemenhaft bleibt, eigentlich so gut wie gar nicht analysiert wird. So als ob man die Weinherstellung beschreiben und die dabei wirkenden Hefen nicht erläutern würde.

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David Bodanis: Émilie und Voltaire, Eine Liebe in Zeiten der Aufklärung. Deutsch von Hubert Mania, Reinbeck 2007, 443 S.

Bodanis Châtelet

David Bodanis ist Autor diverser Werke über bedeutende Entdeckungen der Wissenschaft. Bodanis Verdienst ist es, dem durchschnittlich Informierten  physikalische Zusammenhänge, die üblicherweise – mit dem Namen einer berühmten Person etikettiert – unverstanden im Wissensspeicher der Halbbildung abgelegt werden, verständlich zu machen, indem er sie in ihrem historischen Zusammenhang zeigt und beleuchtet. Während er sich mit der Relativitätstheorie Einsteins beschäftigte, entdeckte er Émilie du Châtelet, deren Geschichte ihn so faszinierte, dass er beschloss, ihrem Leben und Schaffen mit ‚Passionate Minds‚ – so lautet der Titel seines Buches in der englischen Originalausgabe – ein eigenes Werk zu widmen.

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