Werke zur Philosophie

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Religiösen Ballast abwerfen und zu den Grundlagen der menschlichen Zivilisation vordringen, dies war das Anliegen des Humanismus und der Renaissance. Aus der Kritik des religiös inspirierten Denkens, aus der kritischen Lektüre der Schriften der Antike, der Philosophie Chinas, schöpfte Voltaire die Fundamente eines neuen, aufgeklärten Denkens. Man hat ihm immer wieder vorgeworfen, dass er kein System errichtete – Voltaire hätte dieser Vorwurf nur erheitert, denn er arbeitete wie ein Archäologe, dessen Suchgrabungen dem Ausheben eines wieder zu entdeckenden, lange verschollenen Ortes immer vorhergehen.

Lettres philosophiques 1734

Erstmals publiziert in englischer Sprache als: Letters concerning the English Nation, London 1733 (C.Davis and A.Lyon) und auf Französisch unter dem Titel: Lettres écrites de Londres sur les Anglais et autres sujets, par M.D.V….À Basle [=London] 1734). In seinen Briefen aus England vergleicht Voltaire die politischen und geistig-philosophischen Lebensbedingungen dort mit denen in Frankreich, wobei letzteres recht schlecht abschneidet, was ihm viel Feindschaft in Frankreich eintrug, wo die katholische Kirche das kulturelle Leben im Würgegriff hielt und Adelscliquen in einer Art von Arbeitsteilung Gesellschaft und Ökonomie zugrunde richteten.…mehr

dt.: Philosophische Briefe/Briefe aus England
-> Liste von Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Philosophische Briefe, übersetzt von Rudolf von Bitter Frankfurt a. M., Berlin, Wien: Ullstein, 1985, 152 S. (BV-200524)
o Briefe des Herrn Voltaire, Die Engländer und anderes betreffend, Herausgegeben und eingerichtet von Horst Lothar Teweleit, mit acht Radierungen von William Hogarth, Berlin: Eulenspiegel 1987, 127 S. (BV-200798)
o Briefe aus England, übersetzt und mit einem Nachwort von Rudolf von Bitter, Zürich: Diogenes,1994 (BV-200587)

Elements de la philosophie de Newton 1738

Nach ausführlichen Studien und eigenen Experimenten, die gemeinsam mit Émilie du Châtelet  und den Naturwissenschaftlern Clairaut sowie Maupertuis in Cirey durchgeführt wurden, übersetzte zunächst Émilie du Châtelet Newtons Werk. Die “Elements de la Philosophie de Newton” stellen eine popularisierte Version aus der Feder Voltaires dar. Die französische Physik war zu Voltaires Zeit noch stark von theologischen Bevormundungen und Irrtümern geprägt – mit dieser Übersetzung hat Voltaire der experimentellen Wissenschaft gegen spekulative Phantastereien in Frankreich zum Durchbruch verholfen. Die erste Ausgabe erschien ohne die vier letzten Kapitel über das Planetensystem. Erst 1741 erschien in Paris die erste vollständige Ausgabe mit London als Druckortangabe.

dt.: Elemente der Philosophie Newtons
-> Liste von Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Die Metaphysik des Neuton [Newton] oder Vergleichung der Meinungen des Herrn von Leibnitz und des Neutons von dem Hn. Von Voltaire in Franz. Sprache abgefaßet und ins Deutsche übersetzet von G. C. M. [=Gottlieb C. v. Moser], Helmstädt: Weygand, 1741, 104 S. (BV-200628 Dieses Werk aufrufen)
o Elemente der Philosophie Newtons, Verteidigung des Newtonianismus, Die Metaphysik des Neuton, herausgegeben von Renate Wahsner und Horst Heino v. Borzeszkowski, Berlin 1996 (de Gruyter ). (BV-200522 Dieses Werk aufrufen)

Dictionnaire Philosophique 1764,1765,1767,1769

Das philosophische Wörterbuch ist Voltaires Kampfansage an die christliche Religion und ihre Kirche, es ist die Schrift, in der man Voltaires lebendige Art zu denken am direktesten erleben kann. 1764 als Philosophisches Taschenwörterbuch erschienen, erweiterte es Voltaire bis 1769 zu einem zweibändigen Werk. Im allgemeinen Sinn ‚philosophisch‘ sind folgende Artikel: Âme, Beau, Bien, Tout est bien, Bornes de l’esprit humain, Certain, Corps, Destin, Fin, Folie, Matière, Préjugés, Sensation, Superstition. Näheres in den Inhaltsangaben zu den entsprechenden Artikeln des Philosophischen Taschenwörterbuchs

dt.: Philosophisches Taschenwörterbuch
-> Liste von Übersetzungen (hier aufklappen) Auf Deutsch erschienen (Auswahl):
o Voltaires politische Ideen aus seinen Werken gezogen. Ein Lesebuch für die Bedürfnisse unserer Zeit und Auszüge aus Rousseau von von Christian August Fischer, Leipzig Halle: Reinicke 1793, 132 S. (BV-200300)
o Philosophische Aufsätze, übersetzt von Axel Winckler, Leipzig: Bibliographisches Institut,1890, 112 S. (BV-200309)
o Handbuch der Vernunft, Zusammengestellt von Laurenz Wiedner, Nachwort von Prof. J.R. von Salis, Zürich : Pegasus Verlag Gregor Müller, 1945, 166 S. (BV-200589)
o Abbé, Beichtkind Cartesianer, Philosophisches Wörterbuch, herausgegeben von Rudolf Noack, übersetzt von Erich Salewski, Leipzig 1964 (Philipp Reclam junior). (BV-200523)
o Aus dem Philosophischen Wörterbuch, herausgegeben und eingeleitet von Karlheinz Stierle, Anhang: Nachricht vom Tod des Chevalier de la Barre, Frankfurt/Main: Insel 1967 (BV-200799)
o 16 Artikel aus dem phil. Taschenwörterbuch, zweisprachig, Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Ulrich Friedrich Müller, München: dtv 1973,111 S. (BV-200800)
o 20 Artikel aus dem phil. Taschenwörterbuch, zweisprachig, Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Ulrich Friedrich Müller, München: dtv 1985 (BV-201016)
o Philosophisches Taschenwörterbuch, Nach der Erstausgabe von 1764 übersetzt von Angelika Oppenheimer, Nachwort von L.Moland, Hrsgg. V. Rainer Bauer, Ditzingen: Philipp Reclam jun., 2020, 444 S. (BV-201208)

Idées republicaines 1765

Enthalten Voltaires Auseinandersetzung mit Rousseaus “Contract Social”, wobei er sich an Ungereimtheiten und Fehlern Rousseaus festbeisst, sich den entscheidenden Kern dieses Werkes aber nicht zu eigen macht: ist Rousseau Demokrat, bleibt Voltaire Patrizier. Voltaire ist dabei aber praktischer orientiert als Rousseau, er richtet sich an die Genfer Bürger: zuallerst gehört die Kirche auf ihren Platz, den einer Glaubensgemeinschaft unter mehreren, verwiesen – sie soll die Finger von Staat und Politik lassen. Ein bürgerliches Rechtssystem muss die bürgerlichen Freiheiten, vor allem aber das Recht, seine Gedanken frei zu äußern, garantieren. Gerichtsurteile müssen nach geltenden Gesetzen gesprochen werden, niemand darf ohne Grund verhaftet werden.…Zitat

dt.: Republikanische Ideen

in: Voltaire, Republikanische Ideen, herausgegeben von Günther Mensching, Frankfurt am Main: Syndikat, 1979, S. 7 – 32

Le philosophe ignorant, 1766

Auf 60 Seiten skizziert Voltaire, wie man von Descartes und seiner Annahme eingeborener Ideen zu Locke und einer Auffassung des menschlichen Geistes kommt, bei der Ideen, Begriffe und Erkenntnisse auf Erfahrung beruhen und sich durch Erfahrung entwickeln. Wer der Meinung vertritt, Voltaire sei kein Philosoph, sollte sich diesen Text zu Gemüte führen. Nur weil Voltaire nichts von Seele und Heiligem Geist hält und eine klare, nachvollziehbare Gedankenführung bevorzugt, tituliert ihn ihn die Philosphengilde bis heute gerne als oberflächlich, essayistisch…

dt.: Der unwissende Philosoph

in: Kritische und satirische Schriften, übertragen von Karl August Horst, Joachim Thimm und Liselotte Ronte und einem Nachwort von Fritz Schalk, München: Winkler, 1970, S.196-256

L`A.B.C. ou dialogues entre A.B.C. 1768

Ein noch heute hochinteressantes Gespräch über die Themen: Von der Seele, Ob ein Mensch böse geboren wird, Vom Naturgesetz und der Neugier, Von der Theokratie, Von den Regierungsarten, Ob das heutige Europa besser ist als das ehemalige, Von Leibeigenen, Von den Geistessklaven, Über die Religion, Vom Kriegsrecht, Vom Recht der Treulosigkeit, Von der besten Gesetzgebung

dt.: Das ABC oder Dialoge zwischen A, B und C

in: Voltaire, Republikanische Ideen, herausgegeben von Günther Mensching, Frankfurt am Main: Syndikat, 1979, S.167 – 178