Paris

Voltaire und Paris

Gemälde von Nicolas Raguenet: Pont neuf 1755, musée du carnavalet

Nicht nur für Voltaire, der hier geboren wurde und im Alter von 84 Jahren in Paris starb, für Frankreich und für die gesamte westliche Welt (die damals Russland einschloss, Voltaire unterhielt mit Katharina der Großen einen langjährigen Briefwechsel!) war Paris im 18.Jahrhundert das kulturelle Zentrum schlechthin.
Hier war der seit Ludwig XIV. luxuriöseste Hof, hier wurden Prunksucht und Verschwendung auf die Spitze getrieben. Ganz Europa (jedenfalls die Adligen und das gebildete Bürgertum) sprach französisch, alles blickte nach Paris, wenn es darum ging, Schlösser zu bauen, sich zu kleiden, Feste zu feiern - oder die neuesten Erkenntnisse der Philosophie und der Wissenschaft zu erfahren.

Paris war aber auch die Stadt der kleinen Leute, der Handwerker, der Kaufleute, der Manufakturarbeiter, die sich vor allem im Faubourg Saint Antoine ansiedelten. Sie besaßen wenig, waren in Compagnonades (Gesellenvereine) organisiert und erreichten manchmal in harten Arbeitskämpfen höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Sie hatten mit der Kirche nichts im Sinn, nannten Voltaire "l`homme aux Calas" und liebten ihn wegen seiner Forderung:

Ecrasez l`Infâme!

Paris

1694

Nach dem Taufregister am 21.11.1694 - am 20.2.1694 nach Voltaires eigener Auskunft,  wird François-Marie Arouet im Faubourg St.Germain geboren, als Sohn des königlichen Rates (eine hoch angesehene Stellung, einem amtlich bestellten Notar vergleichbar) Arouet und von Marguerite Arouet, geborene d`Aumart. Am 22.11 wird er in der Kirche Saint André des Arts getauft. Pate ist der Abbé de Châteauneuf, Mitglied des Temple-Kreises (eines Zusammenschlusses von Freidenkern, die sehr dem guten Leben zugetan waren).
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Der immer irgendwie sommerliche Platz Saint André des Arts, wo Voltaires Taufkirche stand. Dass hier einmal eine Kirche war, ist heute nur noch an den Anschlussflügeln des Wohnhauses im Hintergrund des Cafés Gentillehommière zu erkennen.
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Die Rue Saint André des Arts (Metro St. Michel) im Quartier Latin heute, eine enge Straße mit einladenden Hinterhöfen, Antiquariaten, alten Häusern und Passagen. 

1701

Familie Arouet zieht in eine repräsentative Amtswohnung im Palais de Justice um. Tod der Mutter am 13. Juli
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Palais de Justice (Metro Cité) v. 13. - 16. Jhdt. Sitz des französischen Königshauses, später Zentrum der französischen Justiz.

1704

Voltaire besucht das Jesuitengymnasium Louis-le-Grand (Internat, nur am Wochenende kommen die Kinder nach Hause), es ist die Lehranstalt für Kinder der allerhöchsten Kreise. Mitschüler sind auch die beiden d`Argensons und d`Argental. D'Argental wird zu einem lebenslanger Freund Voltaires, die Bekanntschaft der d'Argensons war ihm oft nützlich.
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Das Gymnasium Louis le Grand (Métro Cluny/Sorbonne)

1705

Voltaire wird im “Temple”, dem Zentrum der Freidenker, eingeführt und außerdem - so erzählt er selbst - der damals schon über 80jährigen Ninon de Lenclos vorgestellt, die einen berühmten libertären Salon unterhält - sie hinterlässt Voltaire bei ihrem Tod im Jahre 1705 2000 Pfund, um Bücher zu kaufen (das Existenzminimum dürfte damals bei einem Einkommen von ca. 300 Pfund pro Jahr gelegen haben, ein Landpfarrer verdiente 700 Pfund pro Jahr, ein Dorfschullehrer aber nur 150).
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Der 'Temple', der ein ganzes Stadtviertel umfasste, war bis ins 13. Jhdt. Sitz des Templerordens und danach des Malteserordens. Im 18.Jdt. versammelte sich hier unter dem Malteser-Prior, dem Prinz von Vendome, der freiheitlich und antiklerikal gesinnte Hochadel. An diese Zeit erinnert heute nichts, auch nicht an den kleinen Mozart, der hier auftrat. Stattdessen viel an die Königsfamilie, die hier vor ihrer Exekution gefangen sass. 

1709 - 1713

1709 Voltaires Schwester Marguerite heiratet und verlässt das Elternhaus 1711 Voltaire kehrt nach dem Schulabschluss ins Elternhaus zurück, wo jetzt nur noch sein religiös gesinnter älterer Bruder Armand und sein Vater leben. Der Vater widersetzt sich dem Wunsch Voltaires, Dichter zu werden und zwingt ihn, Jura zu studieren. 1712 Voltaire beginnt in den literarischen Salons von Paris zunehmend eine Rolle zu spielen, beginnt mit der Arbeit an seiner Tragödie Oedipus. 1713 Vater Arouet verbannt Voltaire nach Caen in der Normandie, dann nach den Haag wo er seine erste große Liebe, Pimpette, kennenlernt.

1714 - 1715

1714 Kaum ist Voltaire zurück in Paris, muss er zu einem Notar in die Lehre, Maitre Alain, in der Rue du Pavé Saint Bernard, Place Maubert. Er lernt dort Nicolas Thieriot kennen, der seinen Lebensweg begleiten wird. Ein Gedicht zur Einweihung des Kirchenchors von Notre-Dame, das er zum Wettbewerb der Academie eingereicht hatte wird abgelehnt. Er verspottet den bigotten Sieger und wird deshalb aufs Schloss Saint-Ange in der Nähe von Fontainebleau geschickt, dessen Besitzer Louis Urbain Lefèvre de Caumartin (1653-1720), Finanzpräsident, ihn freundlich aufnimmt. 1715
Voltaire verkehrt im Salon der Herzogin von Maine in Sceaux. Am 1.September stirbt Ludwig XIV..
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Place Maubert heute, wo Voltaire zur Lehre ging

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1716

Voltaire wird wegen regierungskritischer Verse ("J'ai vu") verdächtigt und im Mai nach Sully sur Loire verbannt, hier verbringt er beim Herzog von Sully schöne Tage und verliebt sich in Suzanne de Corsembleu de Livry, die ihn als spätere Marquise de Gouvernet nicht mehr kennen will, sein Gedicht "Les Vous et les Tu" bezieht sich darauf: Im Oktober wieder in Paris, wohnt er im Hotel garni "Au Panier Vert" in der Rue de la Calandre, unweit von der Wohnung seines Vaters.
Hier ein Gemälde der heute verschwundenen Rue de la Calandre von Marc Peltzer, man sieht im Hintergrund die Sainte Chapelle im Palais de Justice. Er hat die Straße nach alten Vorlagen des Musée de Carnavalet nachempfunden und gemalt. Heute befindet sich an dieser Stelle gegenüber des Palais de Justice ein riesiger Platz und die Polizeipräfektur von Paris(Métro Cité). Die sehr schöne Internetseite von Marc Peltzer findet man unter: http://marc.peltzer.pagesperso-orange.fr"

1717 - 1718

Besuch in Saint-Ange. Am 16.5.1717 wird Voltaire in der Bastille mit königlichem Haftbefehl (lettre de cachet) gefangengesetzt. Grund: Diverse der Polizei durch den Spitzel Beauregard hinterbrachte regierungskritische Äußerungen und das Gedicht "Regnate puero", eine Satire auf das liederliche Leben Philipp d`Orléans, dem Regenten, und auf seine verfehlte Politik. Solche Verhaftungen waren damals an der Tagesordnung, konnten sich jahrelang hinziehen, wenn man keine Beziehungen hatte und kein Geld für die notwendigen Bestechungsgelder. Voltaire wird elf Monate gefangengehalten. Er hat jedoch Gelegenheit, in der Gefangenschaft sein berühmtes Epos, die Henriade zu konzipieren. Sturm auf die Bastille nach einem anonymen Gemälde des 18. Jhdts. Die Bastille war ein Spezialgefängnis für Inhaftierungen ohne Anklage und ohne Prozess. Heute ist es vielfach Mode geworden, die milden Haftbedingungen zu loben, damals war die Bastille das Symbol für Willkür und Despotismus schlechthin. Deshalb wurde sie 1789 als erstes Gebäude gestürmt und anschließend sorgfältig abgetragen. Das Gemälde befindet sich heute im Schloss Versailles.

1719 - 1722

1719 Voltaire erhält die definitive Erlaubnis, wieder in Paris zu leben und lernt Baron Goertz kennen, den Vertrauten Karls XII. Nimmt den Namen 'de Voltaire' an - er soll ihm mehr Glück bringen als Arouet, es gelingt ihm, zu Finanz- und Bankierskreisen Kontakt aufzunehmen, besucht den Salon der Duchesse de Villars in Vaux bei Melun. 1720 Die Tragödie Artémire, obwohl die berühmte Adrienne Lecouvreur die Hauptrolle spielt, wird vom Publikum ausgepfiffen. Voltaire wohnt im Schloss des Herzogs von Richelieu. 1721 Voltaire macht seine Henriade bekannt, bereist die Salons. 1722 Voltaires Vater Arouet stirbt am 1.Januar, das Erbe beträgt 'nur' 4000 Livres Jahresrente, sein Bruder erbt ein Vielfaches. Voltaire wird von Handlangern des Spitzels Beauregard, den er öffentlich einen solchen genannt hat, auf dem Pont de Sceaux verprügelt, erhält Messerstiche, die ihn jedoch nicht töten. Es gelingt ihm später, Beauregard vor Gericht zu ziehen und ins Gefängnis werfen zu lassen. Reise mit der Marquise de Rupelmonde über Cambrai nach Brüssel. um den damals hochberühmten Dichter Jean-Baptiste Rousseau zu besuchen. Im Oktober ist Voltaire wieder in Paris. Im Dezember reist er nach Ussé zum früheren 'secretary of state'* Englands, Lord Bolingbroke, der seit 1717 im französischen Exil in Orléans (Schloß La Source) lebte, der im Jahr darauf in seine Heimat zurückkehrt. * das entspricht einem heutigen Ministerpäsidenten, Bolingbroke hatte das Amt von 1710 bis 1714 inne. Er musste England verlassen, nachdem ein von ihm iniitierter Staatsstreich scheiterte. Quelle: Wikipedia.

1723

Im Februar: Voltaire ist von Ussé zurück in Paris. Er zieht in das Haus der befreundeten und einflussreichen Familie Bernière, Rue de Beaune. Reist nach Rouen, zum zweiten Wohnort der Bernières, aufs Schloß La Rivière-Bourdet und wohnt schließlich im Schloß des Präsidenten de Maison unweit von Paris. Er infiziert sich an der Pest, die damals viele Opfer fordert. Voltaire entkommt jedoch ganz knapp dem drohenden Tod und kann sich Ende des Jahres der gefährlichen Aufgabe widmen, sein Epos, die Henriade, geheim zu vertreiben. Das Werk wird begeistert aufgenommen. Voltaire ist der französische Vergil.
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Das Haus der Bernières in der Rue de Beaune heute (Métro Musée d`Orsay). Es ist das einzige noch erhaltene Gebäude in Paris, in dem Voltaire selbst wohnte und ist leider derzeit (2003) in einem sehr schlechten Zustand.*
*unseren Vorschlag gegenüber der 'Société Voltaire' (honorige Vereinigung von Professoren) eine Initiative zu starten, um das Haus in Staatsbesitz überzuführen und zu einem Museum für Voltaire zu machen, beantwortete der Zuständige so: eine solche 'Anfrage' hätte gar keine Aussicht auf Erfolg, da der französische Staat ohnehin über zuwenig Geld verfüge. Zu bedauern, wer solche Freunde hat, Platzhalter, um bessere abzuschrecken!

1724 - 1726

1724. Am 6. März Aufführung von Mariamne mit Adrienne Lecouvreur - das Stück fällt durch. Er reist mit Richelieu nach Forges, einem damals sehr beliebten Badeort. Er zeigt seine Komödie L´Indiscret. Die Aufführung ist erfolgreich. Hochzeit Ludwig XV. mit Maria Leszcinska, Tochter des abgedankten polnischen Königs Stanislas - Voltaire ist zugegen. 1725 Mariamne und L'Indiscret gefallen der Königin, was Voltaire den Titel eines Hofpoeten einbringt und das Versprechen einer jährlichen Pension v. 1500 livres, die ihm ein sorgenfreies Leben gesichert hätten - wären sie denn ausbezahlt worden. 1726 wird Voltaire vom Chevalier de Rohan-Chabot (Spross einer einflussreichen Adelsfamilie) wegen seiner nicht adligen Geburt beleidigt (“Mon de Voltaire, Mon Arouet, comment vous appelez-vous ?”). Als Voltaire antwortet, ”Je ne suis pas comme ceux qui déshonorent le nom qu'ils ont reçu; j'immortalise celui que j'ai pris.”* schlägt der Chevalier mit dem Stock auf Voltaire ein und lässt ihm wenige Tage später durch 3 Schläger auflauern und übel zurichten. Jedoch nicht der Chevalier, sondern Voltaire wird verhaftet, 4 Monate in die Bastille gesteckt und muss im Mai zu einer 2 Jahre dauernden Emigration nach England aufbrechen. Positiver Nebenaspekt: Voltaire lernt dort außer der englischen Sprache auch die neuesten Entwicklungen der Philosophie (Locke) und der Naturwissenschaften (Newton) und die freieren gesellschaftlichen Verhältnisse kennen.
*Herr Voltaire, Herr Arouet - oder wie heißen Sie doch gleich? - Ich bin nicht wie jene, die den Namen entehren, den sie erhalten haben, ich werde den, den ich mir gegeben habe, unsterblich machen!
Voltaire war eng mit der erst 20 Jahre alten Schauspielerin Adrienne Lecouvreur befreundet, sie war der Star der Comédie Française und von der Männerwelt Paris´ heiß begehrt. Dem dem Klerus galt die Schauspielerei als unehrenhaftes Gewerbe. Auch Adrienne Lecouvreur wirde nach ihrem Tod eine ordentliche Beerdigung durch die Kirche verweigert. Dazu Voltaires Gedicht: La mort de Mlle Lecouvreur Das Bild zeigt Adrienne Lecoucreur auf der Bühne.
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1729

Rückkehr aus London. Voltaire wohnt in Saint Germain en Laye bei einem Perückenmacher namens Sanson in der Rue de Récollets, später erhält er die Erlaubnis, wieder in Paris zu wohnen: in der Rue Traversières Saint Honoré. Reise mit Richelieu nach Plombières les Bains, einem damals sehr beliebten lothringischen Kurort.
Paris Canal St Martin Paris Rue de Recollets
Die Rue de Recollets ist noch heute fast dörflich, zumindest auf der Kanalseite, wo die nicht so betuchten Pariser Sonntags ausspannen.
Paris Rue MoliereParis Moliere Statue
Die Rue Molière (Métro Palais Royal) hieß früher Rue Traversières Saint Honoré, ist heute eine nette Wohnstraße mit kleinen Restaurants, die von den Besuchern des Palais Royal profitieren.

1730

Als im März 1730 die berühmte Schauspielerin Adrienne Lecouvreur, mit der Voltaire freundschaftlich verbunden ist, stirbt, wird ihr Körper nicht begraben, sondern auf den Schindanger geworfen. Denn nach Ansicht der Kirche sind Schauspieler unehrenhafte Leute - die 1000 Pfund, die ihr Adrienne Lecouvreur in der Hoffnung auf ein anständiges Begräbnis vermacht hat, waren umsonst. Voltaire schreibt gegen diese Ungeheuerlichkeit das bewegende und antiklerikale Gedicht: l'Ode sur la mort de Mlle Lecouvreur. Am 11.12. findet die Uraufführung der Tragödie Brutus statt. Gleichzeitig erscheint die umfangreiche Geschichte des schwedischen Königs Karl XII (Histoire de Charles XII). Um die Herausgabe des Werkes zu überwachen, reist Voltaire nach Rouen und wohnt dort 3 Monate im Hause seines Verlegers Jore. Unter falschem Namen, denn er befürchtet, wegen dem Gedicht 'Ode sur la mort de Mlle Lecouvreur' verfolgt zu werden.

1731

Voltaire zieht in das Haus der Comtesse de Fontaine-Martel am Palais Royal rue des Bons-Enfants), arbeitet an seiner Tragödie La mort de Cesar, an Eriphyle und an einer neuen Version der Epitre à Uranie. 1629 durch Cardinal Richelieu in Auftrag gegeben, wohnte im Palais Royal (Métro Palais Royal) später Anna von Österreich mit dem kleinen Ludwig XIV., daher der Name: Palais Royal. Im 18. Jahrhundert feierte Phillippe d`Orléans hier große Feste. Hier befanden sich bedeutende literarische Cafés, Treffpunkt der Intellektuellen. Sehr schön dazu Diderots Werk: Der Neffe von Rameau. Heute ist der schöne Garten ein angenehmer Ruhepol inmitten des Pariser Trubels.

1732

Triumphale Aufnahme von Zaire an der Comédie Française am 31.8.1732. Zaire wird das erfolgreichste Stück seiner Zeit.
Die Comédie Française am Palais Royal, Paris
Die Comédie war für Voltaire der entscheidende Bezugspunkt seines dramaturgischen Schaffens.Hier errang er seinen ersten großen Erfolg mit der Tragödie Ödipus (1718). über 30 Stücke schrieb er direkt zur Aufführung für die Comédie Française, unter nderen Zaire (1732),  Sémiramis (1748), L`Orphelin de la Chine (1755) und Irène(1778).
Die Comédie Française wurde 1680 unter Ludwig XIV. als Zusammenschluss der verschiedenen, bisher unabhängig voneinander spielenden Truppen, unter anderem der Truppe Molières (nach seinem Tod 1673 von seiner Lebensgefährtin A. Béjart geleitet) als eigenständige Gesellschaft gegründet und spielte bis 1687 im Hotel Guénégaud (heute: Musée de la Chasse, Métro Rambuteau). Kirchenleute in der Nachbarschaft zwangen die Truppe, den Standort aufzugeben und in die Rue des Fossés-Saint-Germain, in einen ehemaligen Federballsaal umzuziehen (Nr. 14 der heutigen Rue de l'Ancienne-Comédie, Métro Odéon). Erst zwei Jahre später, 1689, konnte hier der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. An diesem Standort wurden auch die meisten der Stücke Voltaires aufgeführt. Im Jahre 1770, der alte Theatersaal war baufällig geworden, musste man schließlich in das Palais des Tuileries (dieses bildete den Abschluss der beiden Längsachsen des heutigen Louvre und ging 1871 in Flammen auf - zum Palais des Tuileries siehe die sehr gute Louvre-Internetseite http://www.louvre.fr) umziehen. Hier wurde Voltaire mit seiner letzten Tragödie Irène ein triumphaler Empfang bereitet, mitten in der Aufführung bekränzten die Zuschauer seine Büste mit Ehrenlaub. Von 1782 bis 1790 spielte man im Odéon, danach bis heute im Théatre du Palais-Royal. 1812 erhob Napoléon die Comédie Française in den Rang einer staatlichen Institution. Das heutige Gebäude der Comédie wurde von 1786 - 1790 von Victor Louis erbaut. Im Foyer findet man die berühmte Voltairebüste von Houdon. Die Geschichte der Comédie Française und der aktuelle Spielplan sind sehr schön auf der Internetseite der Comédie http://www.comedie-francaise.fr nachzulesen (auch auf englisch).

1733 - 1735

1733 Voltaire zieht nach dem Tode der Comtesse de Fontaine-Martel in ein Haus gegenüber dem Portal von Saint Gervais in der Rue Jacques de Brosse (früher Rue du Longpont). Die Liebe zu Emilie du Châtelet entflammt. 1734 Hochzeit des Duc de Richelieu auf Schloß Monjeu, Voltaire und Emilie treten als Paar auf. Die Veröffentlichung der Lettres philosophiques hat einen Haftbefehl (8.Mai) zur Folge, das Werk wird am 10. Juni verbrannt. Voltaire flieht nach Cirey. 1735 Kardinal Fleury als oberster Zensor hebt den Haftbefehl auf, Voltaire kommt am 30. März nach Paris zurück. Schon sechs Wochen später erhält er eine eindringliche Warnung: Er soll wegen seiner satirischen Versdichtung über die Jungfrau von Orleans (La Pucelle) verhaftet werden. Er entzieht sich der Verhaftung und reist am 12.Mai an den Hof von Lunéville. nach oben

1739 - 1741

1739 Am 24. August Ankunft Voltaires mit Emilie Du Châtelet aus Brüssel, er wohnt in einem Hotel in der Rue Cloche-Perce. Voltaire kauft das Palais Lambert (2, rue Saint-Louis-en-l'Île) auf der Île Saint-Louis als Pariser Wohnsitz auf den Namen Emilies. Das Haus wird vermietet und schon ein Jahr später wieder verkauft. Proben für Mahomet. Die Polizei beschlagnahmt bei einer Hausdurchsuchung drei gedruckte Schriften. Sein Verleger wird zu einer Geldstrafe und zu einer dreimonatigen Schließung seines Geschäfts verurteilt.  Voltaire verlässt Paris am 24.11. und reist über Cirey zurück nach Brüssel. Am 4 Dezember lässt das  Pariser Parlament sein Werk "Das Jahrhundert Ludwig XIV." verbrennen.

 

 

 

 

 

1740 Voltaire in Brüssel, Den Haag. Am 11. September erstes Treffen mit Friedrich II in Kleve, Rheinsberg.

1741 Anfang November zurück in Paris im früheren Haus der Comtesse de Fontaine-Martel nahe dem Palais Royal. Mitte November Abreise nach Cirey.

1742

Im Februar sind Voltaire und Emilie in Paris zurück. Obwohl - oder weil - die Aufführung des Mahomet am 9. August ein großer Erfolg war, erlässt der am Hofe Ludwig XV. allmächtige Kardinal Fleury wegen des antiklerikalen Inhalts ein Aufführungsverbot. Am 22. August reisen beide über Reims nach Brüssel und Ende November wieder zurück nach Paris. Voltaire erwirbt ein kleines Haus im Faubourg St.Honoré. Voltaire beglückwünscht Friedrich II. zum Friedensschluss mit Österreich in einem Brief vom 5.Mai 1742. Der Brief wird - von Friedrich II. - publiziert, um Voltaire in Paris unmöglich zu machen - mit Erfolg: die Pariser Öffentlichkeit ist gegen Voltaire aufgebracht. Seine Wohnung muss vor der aufgehetzten Menschenmenge geschützt werden.

 

 

 

In der Rue St. Honoré, im 18. Jhdt eine wichtige Handwerkerstraße, wo die Luxusgegenstände des Hofes gefertigt wurden, verkauft man heute vor allem Kleidung und Schmuck für die Luxus liebenden Damen der Diplomaten. Rechts die britische Botschaft, früher das Hotel Charot, in dessen Nachbarschaft Voltaire wohnte. 

1743

Voltaire betreibt seine Aufnahme in die Academie Française mit dem eher zahmen Stück Mérope. Die Aufführung am 20.Februar ist ein riesiger Erfolg, trotzdem verweigert man ihm erneut die Aufnahme in die Akademie. Voltaire hat die Kirche gegen sich. Die Niederlage schwächt seine Stellung. Mitte April Reise nach Nancy, im Mai zurück in Paris. Voltaires Tragödie Julius Cäsar, mit der er Shakespeare in Frankreich bekannt machen will, wird von der Zensur am Vorabend der Premiere abgelehnt. Ab Juli reist Voltaire über Den Haag nach Berlin zu Friedrich II. in geheimer Mission. Erst im Dezember trifft er wieder gemeinsam mit Emilie de Châtelet in Paris ein.

 

Theatersaal der Comédie nach einem Kupferstich von Charles Coypel 1726

1744 - 1745

1744 Arbeit an der komischen Oper La Princesse de Navarre zusammen mit Rameau, dem bedeutenden Komponisten und Begründer der Harmonielehre. Voltaire versucht, seine Stellung bei Hofe zu verbessern, pendelt ständig zwischen seiner Wohnung im Hotel Villeroy in Versailles und Paris. Er hofft, sich am Königshof etablieren zu können, denn seine Freunde haben sich ins Zentrum der Macht vorgearbeitet. d'Argenson wird Außenminister.

1745 Am 18.2.45 stirbt Voltaires bigotter Bruder und entzieht ihm testamentarisch seinen Anteil am väterlichen Erbe. Erfolgreiche Aufführung der Princesse de Navarre als Höhepunkt bei den Hochzeitszeremonien des Thronfolgers in Versailles. Die Taktik hat Erfolg: Voltaire wird Hof-Historiograph mit einem Jahresgehalt von 2000 Livres. Voltaire fördert auch die Ambitionen von Mlle de Pompadour und betreibt für sich selbst die Aufnahme in die Académie Française. Am 17.8.45 Brief an Papst Benedikt XIV., mit der Bitte, die Widmung des Mahomet anzunehmen. Der nicht ungebildete Papst nimmt an und Voltaire hat einen weiteren Pluspunkt für seine Wahl in die Académie. Die Liebesbeziehung mit seiner Nichte Marie Louise Denis beginnt.

 

Gedenkmünze zur Hochzeit des Dauphin (ältester Sohn und Thronfolger Ludwig XV - er stirbt 1765 an Tuberkulose) mit Maria von Sachsen, bei der Voltaires Stück, die Prinzessin von Navarra aufgeführt wird.

1746 - 1750

1746 Am 25.3.46 wird Voltaire in die Academie Française gewählt und am 22.10.46 zum "Gentillehomme de la Chambre du Roi". Dies ist der Höhepunkt von Voltaires Glück bei Hofe. Am 25.5. hält Voltaire seine Rede zur Aufnahme in die Akademie. Dies ist eine Periode des höfischen Lebens mit Emilie.

1747 Am Spieltisch der Königin in Fontainebleau verliert Mme. de Châtelet im Oktober 84.000 Livres. Voltaire weist sie in englischer Sprache darauf hin, dass nicht ehrlich gespielt würde ("Sehen Sie denn nicht, dass Sie mit Schurken spielen?"). Die Bemerkung wird verstanden und nur durch sofortige Flucht nach Sceaux kann sich Voltaire einer drohenden Verhaftung entziehen. Er hält sich dort einige Zeit bei der Duchesse de Maine versteckt. Die Diplomatie Mme. de Châtelets und die Intervention guter Freunde helfen, die Wogen zu glätten.

1748 Aufführung des Enfant prodigue bei Hof, Verstimmung des Königs über die Widmung des Stücks an M. de Pompadour; mäßiger Erfolg der Tragödie Sémiramis. Aus Sichheitsgründen reisen Voltaire und Mme. de Châtelet nach Lunéville. Ab 13. Mai: Voltaire wohnt mit Emilie wieder in der Rue Traversière St Honoré (siehe 1729) und arbeitet an der Komödie Nanine.

1749 Am 10.September stirbt Emilie in Lunéville an den Folgen einer Geburt, wahrscheinlich am Kindbettfieber. Voltaire verlässt Cirey und kehrt nach Paris zurück. Es beginnen die Aufführungen im Speichertheater in der Rue Traversière: Rome Sauvée, AlzireMahomet werden vor einem handverlesenen Publikum aufgeführt. Die Aufführungen haben dank Voltaires beeindruckenden schauspielerischen Auftritten großen Erfolg. Voltaire entdeckt den später berühmten Schauspieler LeKain, unterstützt ihn grosszügig. Zu Weihnachten zieht Mme. Denis zu ihm in die Rue Traversière.

1750 Voltaire verlässt Paris, folgt der Einladung Friedrich II. nach Berlin. Obwohl er vorher in Versailles eine Erlaubnis einholt, wird ihm der Hof die Bevorzugung Berlins nie vergessen. Erst 28 Jahre später, in seinem Todesjahr, erhält Voltaire die Erlaubnis, nach Paris zurückzukehren.

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1778

10. Februar am Abend des 10. Februar kommt der 84jährige Voltaire aus Ferney nach 6tägiger strapaziöser Reise in Paris, Rue de Beaune, im Hause des Marquis de Villette an. Es ist dasselbe Haus, in dem er vor langer Zeit, 1723, schon einmal gewohnt hatte. Ein riesiger Besucherstrom hebt an: Alles was Rang und Namen hat, will Voltaire sehen. Marie-Antoinette und Franklin erweisen ihm die Ehre Ihres Besuchs, jedoch nicht der König, der offizielle Hof duldet lediglich Voltaires Anwesenheit.

         

Von der Rue de Beaune aus das Hoftor des Gebäudes. Blick vom belebten Quai Voltaire auf das Haus, in dem Voltaire starb.

Voltaire leitet die Proben für die Tragödie Irène.

14. März Die Premiere von Irène in der Comédie Francaise findet unter Anwesenheit des gesamten Hofes statt. Voltaire kann die Aufführung nicht erleben, er ist krank und außerdem verärgert über die an seinem Text angebrachten Korrekturen. Jede Bewegung des wieder genesenen Voltaire in Paris wird wahrgenommen und von einer begeisterten Menge begleitet.

30. März Rede vor der Académie, am Abend ist Voltaire im Theatersaal der Comédie in den Tuilerien bei der Aufführung der Irène. Ovationen empfangen ihn. Voltaire wird mit einem Lorbeerkranz gekrönt, später stellt man eine Voltairebüste auf die Bühne.

6. April Voltaire besucht die Academie zu Fuß, hier zeigt sich die Liebe des gewöhnlichen Volkes zu Voltaire: die Leute haben nicht vergessen, wie er ihresgleichen gegen Verfolgung und Unrecht verteidigte.

7. April Voltaire wird in den Freimaurerorden der Loges des Neuf Soeurs, Rue Pot-de-Fer, aufgenommen.

11. Mai Voltaire zeigt sich zum letzten Mal in der Öffentlichkeit. Der sterbende Voltaire wird von seiner Nichte in ein Gartenhaus im Hof ausquartiert. Voltaire legt die Beichte ab, um zu verhindern, dass seine Leiche auf den Schindanger geworfen wird.

30. Mai Voltaire stirbt. Die Leiche wird aus Paris gebracht, um ihr ein ähnliches Schicksal wie das der Mlle Lecouvreur zu ersparen. In der Champagne, in der Abtei von Sellières, findet die Beerdigung statt, ein einfacher Sarg wird nahe dem Chor der Abteikirche beigesetzt.

11. Juli 1791 Exhumierung der Gebeine und feierliche Überführung nach Paris - ins Pantheon. (Die letzten Wochen im Leben Voltaires schildert ausführlich www.gkpn.de/voltaire.htm).

 

Im Pantheon (Métro Maubert/Mutualité) befindet sich heute die Grabstätte Voltaires

   

Die Grabinschrift lautet: "Aux Manes de Voltaires L`assemblée nationale a décreté le 30 May 1791 qu`il avoit mérité les honneurs du aux grands hommes" (Dem Andenken Voltaires. Die Nationalversammlung vom 30. Mai 1791 hat festgestellt: Er hat die Ehrenbezeugungen, die den Großen unter den Menschen vorbehalten sind, verdient.

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Photo PHGCOM — Travail personnel. Sous licence CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. v

Was kann man in Paris von und über Voltaire entdecken? Einige Strassen tragen seinen Namen: der Boulevard Voltaire mit der Rue Voltaire und der Cité Voltaire (1), die Impasse Voltaire (2) und der Quai Voltaire (3),den man besuchen sollte, weil dort an der Ecke Rue de Beaune das Haus steht, in dem Voltaire 1778 gestorben ist. Außerdem kann sein seit 1791 im Panthéon aufgestellter Sarkophag besichtigt werden (5) und auch das Café Procope ist seit 1686 an seinem angestammten Platz geblieben (4), es liegt in der Rue de l'Ancienne Comédie, also genau gegenüber dem früheren Standort der Comédie, wo bis 1770 die meisten der Theaterstücke Voltaires aufgeführt wurden. Das Procope war der Treffpunkt der Philosophes. Weil sie sich nicht so ganz einfach erschliessen und weil man daran die Haltung der Stadt Paris zu Voltaire ganz gut ablesen kann, wollen wir an dieser Stelle die Geschichte(n) einiger Voltairestatuen in Paris nachzeichnen:

1. Die Statue des nackten Voltaire von Jean Baptiste Pigalle, heute im Louvre (6)

An den Anfang stellen wir eine Voltairestatue, die noch zu Voltaires Lebzeiten vom berühmten Bildhauer Jean Bapiste Pigalle (ja, nach ihm ist auch das Pariser Stadtviertel benannt) geschaffen, aber niemals in Paris aufgestellt wurde. 1770, im Salon der Familie Necker kam die Idee auf, eine Subskription für eine Voltairestatue zu veranstalten. ein Statue zu Lebzeiten! Das hatte es bisher nur für Könige, nie für einen Künstler gegeben.  Deshalb sollte auch auf dem Sockel der Statue stehen: "A Voltaire Vivant, par les gens des lettres ses contemporains". In den Correspondances von Grimm kann man den Bericht über dieses Treffen nachlesen. Das Geld, immerhin 12.000 Louis, kam zusammen, Friedrich II hat alleine 2000 Louis gespendet und Pigalle machte sich an die Arbeit. Dazu musste er natürlich zu Voltaire fahren, nach Ferney, denn Voltaire war in Paris unerwünscht. Vom 17. bis 25. Juni hat Pigalle in Ferney Maß genommen und zumindest Voltaires Gesicht zu einer Maske modelliert, die er anschließend für seine Statue verwenden konnte. Die Statue hat, als sie 6 Jahre später fertig war, sofort einen Skandal ausgelöst, denn Pigalle zeigte Voltaire nackt und Nacktheit war zwar den damaligen Zeitgenossen von den griechischen Statuen gut bekannt, aber nicht so eine Nacktheit! Daher hat die Statue das Atelier Pigalles nicht verlassen, wanderte nach Pigalles Tod an die Académie francaise, wo man sie in der Bibliothek versteckt hat. 1980 bekam sie dann der Louvre, wo sie heute zu besichtigen ist. Auch das Modell der Statue (rechtes Bild), vielleicht noch beeindruckender als das fertige Kunstwerk, - Pigalle hat es vor dem Beginn seiner Arbeit aus Ton modelliert - ist noch erhalten, im Museum der schönen Künste von Orléans!

2. Statue des sitzenden Voltaire von Jean-Antoine Houdon, heute in der Comédie francaise (7)

Am erstaunlichsten ist die Geschichte der Statue des sitzenden Voltaire auf dem Place Voltaire, einer Replik des Originals aus der Hand des berühmten Bildhauers Houdon. Houdon hat noch im letzten Lebensjahr Voltaires vom lebenden Modell  eine Büste modelliert, die er für die Statue verwenden konnte. Mehrere Vorstudien und kleine Tonmodelle waren nötig, bevor er sein Meisterwerk vollendete. Und Werbung gehörte auch dazu: ein Bronzemodell stellte er im Pariser Salon von 1779 aus (es ist heute im Besitz des Rijksmuseum, Amsterdam). Voltaires Nichte, Madame Denis, gab Houdon nach dem Ableben ihres Onkels 1779 den Auftrag, die Statue in Lebensgröße zu verwirklichen - sie sollte in der Académie francaise aufgestellt werden, eine Absicht, die Madame Denis später zugunsten der Comédie Francaise geändert hat, wo man sie heute noch besichtigen kann. Katherina die Große - auch ihr hatte Houdon eine kleine Statue als Modell zukommen lassen - gab ebenfalls ein Exemplar des sitzenden Voltaire in Marmor in Auftrag (es ist 1784 in St. Petersburg angekommen. Sie steht heute im Museum der Eremitage). 1870 hat die Stadt, erstmals im öffentlichen Raum, direkt vor der Mairie des 11e Arrondissement (Métro Voltaire`), eine Replik des sitzenden Voltaire aufstellen lassen - also im Jahr der Commune, sie ersetzte eine Statue von Eugène Napoléon. Der Platz bekam daher auch den Namen Place Voltaire (statt Place Prince Eugène). 15 Jahre später, 1885,  wurde die Voltairestatue durch die  von Ledru Rollin ersetzt. Wer war aber Ledru Rollin? Er gilt als Vater des Allgemeinen Wahlrechts in Frankreich, so konnte man den antiklerikalen Voltaire geräuschlos beseitigen, indem man ihn durch einen fortschrittlichen Politiker ersetzte. Am 9. April 1957. nachdem er 87 Jahre den Namen Voltaires getragen hatte,  taufte man den Platz in Place Léon Blum um und 1991 hat man dann dem neuen Namen entsprechend, eine Statue von Léon Blum errichtet (die von Ledru Rollin war während der Besetzung 1942 eingeschmolzen worden). Nur die Metrostation trägt noch ihren früheren Namen: Voltaire, vielleicht, weil hier der große Boulevard Voltaire endet. Was aus der Voltairestatue geworden ist, haben wir bisher nicht feststellen können.

4. Voltairestatue von Joseph Michel Caillé/Léon Divier, Square Honoré Champion (8)

Im selben Jahr 1885, in dem das Denkmal des sitzenden Voltaire beseitigt wurde, ließ die Stadt eine Voltaire Statue von Joseph Michel Caillé, am quais Malaquais vor der Académie Francaise (Institut francaise) aufstellen. Sie wurde 1941 eingeschmolzen, der Sockel 1955 zerstört. Eine neue Voltairestatue von Léon Drivier hat man 1962, jetzt aus Stein gehauen auf den Platz Honoré Champion hinter das Institut verbannt - allerdings ist diese Statue auch nicht besonders gelungen. An die Stelle wo früher die Voltairestatue stand, ist 1980 eine Statue der Republik gekommen.

5. Statue des aufrecht stehenden Voltaire von Houdon, im Phantéon (5)

Eine Statue des aufrecht stehenden Voltaire befindet sich seit 1791 im Panthéon, in der Krypta Voltaires, direkt vor dem Sarkophag. Der Ehrenzug, der Voltaires sterbliche Überreste von seiner Exhumierung in Scellières bis ins Panthéon in Paris begleitete, erreichte die letzte Ruhestätte am 11 Juli um 10 Uhr abends. Der Konvoi wurde von Beaumarchais empfangen, neben dem Eingangsportal war die Statue des aufrecht stehenden Voltaires von Houdons aufgestellt. Der Sarg bekam seinen Platz zwischen dem Philosophen Descartes und dem Tatmenschen Mirabeau. Alle Voltairestatuen sind aus dem öffentlichen Raum verschwunden, Vielleicht liebt Paris seinen großen Sohn besonders in revolutionären Zeiten, so wie es ihn nach dem Attentat auf Charlie Hebdo im Januar 2015 wiederentdeckte, wo innerhalb einer Woche 120.000 Exemplare seines Traité sur la tolérance gekauft wurden. Was sich Voltaire-Freunde in aller Welt wünschen würden, ein Museum in seinem Sterbehaus Ecke Rue de Beaune/Quai Voltaire, hat sich bis heute nicht verwirklichen lassen. Somit bleibt es vorerst dabei, dass sich die bedeutendsten Voltaire-Orte außerhalb von Paris befinden: das große Voltaire Museum in Genf, die Bibliothek Voltaires in der Nationalbibliothek in St. Petersburg und die Voltaire Foundation, die sich um die Herausgabe der kritischen Werkausgabe Voltaires kümmert, hat ihren Sitz in London.