Prangins

Prangins

Die Gemeinde Prangins liegt ziemlich genau zwischen Lausanne und Genf, etwa eine halbe Autostunde von beiden Städten entfernt. Mit seiner harmonischen Lage direkt am See (Lac Leman) ist das Schloss Prangins einer der schönsten Orte in Europa. Vielleicht wäre es Voltaires ständiger Aufenthaltsort geworden, wenn er nicht mitten im Winter (14.12.1754) dort angekommen wäre.
Mit seiner bezaubernden Umgebung wäre das Schloß der ideale Aufenthaltsort für den nach Ruhe suchenden Voltaire gewesen.

Zur Geschichte des Schlosses:

1723 erwarb der Bankier Louis Guiguer (1675 -1747) das  direkt am Genfer See gelegene, aber verfallene Schloß Prangins mit allen Ländereien. 

Portrait des Baron Guigier, des Gründers von Schloß Prangins (Ausschnitt aus einer Tafel im Schloßgarten)

Aus der Ruine wurde im Lauf der Zeit ein stattliches Anwesen, das bis 1814 im Besitz der Familie blieb. Im Jahr 1873 ging das Schloß an die Herrnhuter Brüdergemeine, eine Religionsgemeinschaft, der wir in Gotha schon einmal begegnet sind, wo ihr die mit Voltaire befreundete Dorothea von Gotha Altenburg zum Ärger der etablierten Kirche erlaubte, sich in Neudietendorf anzusiedeln.

Heute beherbergt das Schloss das sehenswerte Schweizer Nationalmuseum mit dem Schwerpunkt Geschichte der Aufklärung.

Prangins, kalte Schönheit

Prangins: Blick auf den See

1754 im Dezember
Voltaire kommt mit seiner Nichte Marguerite Denis und seinem Sekretär Collini mitten im Winter nach Prangins, ein alleinstehendes Schloß, unbewohnt, kalt. Erst nach und nach engagiert Madame Denis 9 Angestellte und bringt mit ihnen dem Hauswesen Leben bei. Unter diesen Angestellten befindet sich auch der damals erst 15 jährige Jean-Louis Wagnière, der später an die Stelle Collinis tritt und zu Voltaires  treuestem Sekretär und lebenslangem Begleiter wird. In der feuchten Kälte leidet Voltaire an rheumatischen Anfällen, trotzdem überarbeitet er sein Werk Louis XIV und bereitet die Herausgabe seiner Universalgeschichte (Essai sur les moeurs) vor.

Die Hauptbeschäftigung dürfte für ihn aber die Sondierung der Genfer Umgebung nach geeigneten Immobilien gewesen sein, denn Madame Denis will Prangins so schnell wie möglich verlassen. Bedauerlicherweise gibt Voltaire den Klagen seiner Nichte nach.

1755
Voltaire kauft Anfang 1755 über einen Strohmann 'Les Delices' ganz in der Nähe von Genf. Bedauerlich, weil Prangins der ideale Aufenthaltsort für den nach Ruhe suchenden Voltaire gewesen wäre.

Ein Besuch in Prangins (2010)

Prangins ist heute ein wunderschönes Museum (das schweizerische Nationalmuseum der Romandie) in einer traumhaften Umgebung.
Jedes lohnte für sich einen Besuch, beides zusammen ist ein unvergessliches Erlebnis. Von Lausanne aus bis Prangins ist es nur eine halbe Stunde auf der Bundesstrasse, etwas länger, aber schöner, entlang des Genfer Sees (Lac Leman).
Das Schloß wurde im Stil des 18. Jahrhunderts hergerichtet, die Räume sorgfältig restauriert, die Außenanlagen nach vorhandenen Vorlagen rekonstruiert. Es gibt einen Gemüsegarten wie im 18. Jahrhundert, mit vielen Kräutern und seltenen Pflanzen, im Park führen informative Tafeln durch die Geschichte des Hauses und der Umgebung. 
Und nicht zu vergessen: ein kleines Museumsrestaurant bietet dem Museumsbesucher mit frischem Kuchen und einfachen, aber erlesenen Speisen willkommene Gaumenfreuden. Weitere Informationen auf der sehr informativen Seite des Landesmuseums in Prangins:http://www.nationalmuseum.ch/d/prangins/index.php