Voltaire, ein Leben für die Aufklärung.

Voltaire 1735
Ausschnitt aus dem 1735 angefertigten Voltaire-Portrait von Maurice-Quentin de la Tour (1704-1788), dem späteren Hofmaler Louis XV. (Chateau de Ferney).

Wer kennt die wichtigsten Gedanken Voltaires, wer sein Leben und seine bedeutendsten Werke?  Wem ist Voltaire als entschiedener Kirchengegner und Kritiker des Christentums bekannt? Wer weiß in Deutschland, was es mit dem Justizmord an  Jean Calas  oder am  Chevalier de la Barre  auf sich hat, wo er sich ganz allein gegen die mächtige katholische Kirche stellte? Wer weiß, dass er fünfzehn Jahre mit der großen Liebe seines Lebens, der verheirateten Emilie du Châtelet zusammenlebte und beide in aller Öffentlichkeit zusammen auftraten?
Die Voltaire-Stiftung hat sich als Herausgeberin dieser Internetseiten vorgenommen, solche Fragen zu beantwoten, das Wissen über Voltaire im deutschsprachigen Raum zu fördern und die Kräfte der Aufklärung, die in seiner Tradition stehen, wenn möglich zu stärken.

Aktuelles

  • Biographie über den Aufklärungsphilosophen Christian Wolff von H.J. Kertscher: „Er brachte Licht und Ordnung in die Welt“ (2018) – eine lohnenswerte Lektüre: Unsere Rezension zu Kertschers  Wolff-Biographie
  • Wie die Religion versucht, durch aufgehetzte Kinder in den Schulen Terrain zu gewinnen – Übersetzung aus Charlie Hebdo vom 17.10.2018: Gerard Biard, Göttliche Kapriolen

Correspondance-Voltaire-Texte zu verschiedenen Themen lesen:

Charlie Hebdo

In der ersten regulären Ausgabe nach dem Attentat beschäftigen sich die Überlebenden der Charlie Hebdo Redaktion im Leitartikel mit der Frage, ob und wie es jetzt weitergehen kann. Wir haben diesen hervorragenden, in allerbester voltairescher Tradition geschriebenen Text übersetzt und hier (pdf) eingestellt: Charlie Hebdo Editorial vom 25.2.2015

Ermordet am 7.1.2015:
Charb, CabuWolinski, Tignous, HonoréElsa CayatMustapha Ourad, Bernard Maris
und 4 jüdische Kunden eines koscheren Supermarkts in Paris, Porte de Vincennes: Yohav Hattab (22J), Philippe Braham (45J), Yohan Cohen (23J) und François-Michel Saada (63J) sowie die beiden Polizeibeamten Franck Brinsolaro und Ahmet Merabet.

-> Mit Voltaire sein, heißt antiislamistisch sein, denn Voltaire war gegen alle monotheistischen Offenbarungsreligionen, die christliche, die islamische und die jüdische. Besonders aber kritisierte er deren Institutionen und den Fanatismus, den sie alle hervorbringen, wenn sie können. Und er sagte: Besser, man hat in einem Land dreißig verschiedene Religionen als eine allein. Ecrasez l’Infâme!

Wer war Voltaire ?

Nach seinem Namen nennt man das 18. Jahrhundert auch das „Jahrhundert Voltaires“. Am 21.11.1694 geboren, war er mit 32 Jahren bereits ein bekannter Schriftsteller. Sein Drama „Ödipus“ und seine Versdichtung, die „Henriade“, machten ihn berühmt. Aus seinem Exil – er wurde zwei Jahre nach England verbannt – berichtete er in seinen „Philosophischen Briefen“ über die dortigen freieren Verhältnisse, zum ersten Mal vernahm man in Frankreich die Stimme der Aufklärung. Zurückgekehrt, wurde Voltaire zum Wegbereiter von Diderot und D`Alembert, d’Holbach und von Hélvetius, den Enzyklopädisten. In der Hoffnung, dort Verbündete zu finden, reiste er 1750 an den Hof Friedrichs II. nach Berlin, 3 Jahre später floh er über Gotha, Mannheim, Colmar nach Genf. Sein Roman Candide spiegelt seine Ernüchterung über aufgeklärte Monarchen à la Friedrich.

Im letzten Drittel seines Lebens führte Voltaire einen zähen Kampf gegen die katholische Kirche. Er erreichte die Rehabilitation des am 18.11.1761 zum Tode durch Rädern verurteilten Jean Calas und mobilisierte halb Europa gegen das Todesurteil gegen den Chevalier de la Barre, dessen Verbrechen darin bestand, eine katholische Prozession nicht gegrüßt zu haben. Voltaire ist es zu verdanken, dass sich die Kirche weitere Terrorprozesse nicht mehr erlauben konnte.

Ein bis heute sehr lesenswertes Werk aus dieser Zeit ist sein 1764 erschienenes philosophisches Taschenwörterbuch, gewissermaßen die Mao-Bibel der Aufklärung.
Voltaire war der Wegbereiter der großen französischen Revolution, die seine Forderungen: Entmachtung der Kirche, Rechtsstaatlichkeit und Verwendung der Abgaben/Steuern zum allgemeinen gesellschaftlichen Nutzen, in die Tat umsetzte. Er starb am 30. Mai 1778  im Alter von 84 Jahren in Paris.