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Voltaire Werkverzeichnis Deutsch







Kurzbiographie Voltaires lesen


Comtesse von Bentinck Freundin Voltaires

Voltaire bei Friedrich in Berlin und in Potsdam: Zerstörte Illusionen


8. August 1736 Erster Brief des Kronprinzen Friedrich an Voltaire: Der Brief beginnt so: "Monsieur, quoique je n’aie pas la satisfaction de vous connaître personnellement, vous ne m’en êtes pas moins connu par vos ouvrages." (Monsieur, wenn ich auch nicht die Genugtuung habe, mit Ihnen persönlich bekannt zu sein, so kenne ich Sie doch durch Ihre Werke...) und endet mit dem Wunsch, Voltaire kennlernen zu dürfen. Es sollte noch vier Jahre bis zum ersten Treffen dauern:

Am 11. September 1740 Erste Begegnung Voltaires mit Friedrich in Schloß Moyland, Kleve, von hier aus fährt er zurück nach den Haag

Friedrich 1739 Friedrich II, genannt der Große im Alter von 27 Jahren, so, wie ihn Voltaire gekannt haben dürfte. Ausschnitt nach einem Gemälde von G.Glüme 1739 (Schloss Charlottenburg).

19. November 1740 Voltaire kommt von den Haag, über Herford und einer Zwischenstation in Rheinsberg zum ersten Mal nach Berlin. Nicht nur aus Freundschaft, denn der französische Hof will Friedrich als neuen Machthaber in Berlin ausloten und Voltaire fungiert als Bote einer persönlichen Nachricht des Kardinals Fleury, er soll insbesondere die Absichten Friedrichs angesichts der schwächelnden Großmacht Österreich in Erfahrung bringen. Vergeblich: Friedrich bereitet bereits seinen ersten schlesischen Krieg vor, ohne dass Voltaire etwas davon ahnt. So reist Voltaire Anfang Dezember (Friedrich “sein sechstägiges Erscheinen kostet mich fünfhundertfünfzig Ecus pro Tag. Das nenne ich einen Narren teuer bezahlen”) unverrichteter Dinge über Bückeburg ab, wo er die Gräfin  Bentinck trifft (9. - 11.12) und gelangt dann in einer sehr beschwerlichen Reise über Holland zurück nach Brüssel, wo er erst am 6 Januar 1741 ankommt und dort Emilie du Châtelet trifft. nach Brüssel

3. September 1742 Kurzreise aus Brüssel zu Friedrich nach Aachen

30. August 1743 Voltaire kommt, nach der Enttäuschung, nicht in die Académie Francaise gewählt worden zu sein,  erneut nach Berlin, jetzt mit diplomatischem Auftrag des französischen Königs, er soll die Haltung des jungen Königs zu verschieden weltpolitischen Fragen sondieren. Friedrich versucht Voltaire von der Politik fernzuhalten und die Gespräche auf  Literatur und Philosophie zu lenken, denn für ihn ist Voltaire mehr als ein Höfling Ludwig XV und es bleibt ihm nicht verborgen, dass Voltaire alle Tage dem französischen Außenminister Amelot Bericht erstattet. So besuchen sie die Markgräfin von Bayreuth, Friedrichs Schwester, die  für Voltaire zwei Wochen lang all den Luxus entfaltet, den ihr Hof zu bieten hatte und er genießt Theater, Oper und die zahlreichen Feste in vollen Zügen. Am 12. Oktober reist Voltaire nach Braunschweig (6 Tage Aufenthalt bei Phillipine-Charlotte von Braunschweig, einer weiteren Schwester Friedrichs), um dann über Bückeburg und Den Haag nach Brüssel weiterzufahren, wo er wieder mit Emilie du Châtelet zusammentrifft. nach Brüssel


Kupferstich von P. Schenk (1660-1718) nach einer Zeichnung von S. Blesendorf (1833-1699), Quelle: Wikipedia Commons
Das Berliner Stadtschloß, wie es um 1700 ausgesehen hat. Stadtführer erzählen gerne die Mär von der 'bösen' DDR, die das teilzerstörte Gebäude 1950 abreissen ließ. (mehr dazu hier). Doch erbaute die DDR an dessen Stelle einen allen Bürgern offenstehenden Kulturpalast - der natürlich nach der Wende wieder abgerissen wurde ('Asbest, Asbest!') - um, man glaubt es kaum, das Preussenschloß als Kopie für 1500 Mio € wieder aufzubauen!


Ende Juni 1750
Nach dem unersetzlichen Verlust seiner Lebensgefährtin Emilie du Châtelet tritt Voltaire die beschwerliche Reise über Westfalen (Kleve erreicht er am 2. Juli) und Magdeburg nach Potsdam an, um dort an der Seite Friedrichs ein völlig anderes Leben zu führen. Die Kosten für die Reise, 4000 Dukaten (den Gegenwert von 2000 kg Rindfleisch = 16.000 €)  lässt er sich von Friedrich vorstrecken.

Ende Juli (20./21.) 1750 Ankunft Voltaires in Potsdam. Zunächst nehmen die Gespräche mit Friedrich und die Debatten der  Tafelrunde in Sanssouci Voltaire sehr in Anspruch. Er pendelt zwischen Berlin und Potsdam im Rhythmus von 3, 4 Tagen und genießt die freie, areligiöse Atmosphäre, korrigiert nebenher Friedrichs Gedichte und Schriften.

Grosse Freitreppe vor Schloß Sanssouci in Potsdam
Schloss Sanssouci in Potsdam

Über dem Portal steh nicht Sans Souci, sondern eben 'sans, souci.', wie man hier sieht:

    .Komma Schloß Sanssouci in Potsdam

Der Name stammt vom Schloss 'Kummerfrei' des Grafen Manteuffel, unter dessen wolffianischem Einfluss Friedrich stand, bevor er sich der Aufklärung Voltaires zuwandte. Auch die Schreibweise mit Komma und Punkt ist kein Zufall. Vgl. dazu das sehr unterhaltsame Buch des Historikers Heinz D. Kittsteiner:
Das Komma von sans, souci. 2001
 

12. September 1750
nach seiner Freistellung durch den französischen Königshof (der ihm aber im Gegenzug seine Stellung als Hofhistoriograph entzieht) kann Voltaire offiziell in die Dienste Friedrichs eintreten und wird zum Kammerherrn mit 20.000 Pfund Jahresgehalt ernannt . Angesichts dieser Bevorzugung Voltaires beginnen die Eifersüchteleien und Intrigen in der engeren Umgebung Friedrichs, besonders in der Tafelrunde, das Klima zu vergiften.

Ende August 1750: Wiedersehen Voltaires mit der Gräfin Bentinck. Voltaire unterstützt sie bei ihren Rechtstreitigkeiten gegen den dänischen Staat und organisiert Friedrichs Beistand. Ein Freundschaftsdienst, den dieser nur widerwillig erbringt und die Angelegenheit zu diplomatischen Ränkespielen nutzt.

Bereits Anfang September 1750 spricht Voltaire davon, nach Frankreich zurückzukehren, eine Absicht, die er in der Folgezeit immer wieder äußert und doch zwei Jahre lang nie umsetzt.

Im Oktober: Eine engere Freundschaft hält Voltaire mit der Gräfin Bentinck. Allein der Schriftwechsel  aus der Berliner Zeit zwischen ihm und der Gräfin umfasst 250 Seiten. Außerdem gehört Friedrichs Schwester Wilhelmine zu Voltaires Verbündeten am preussischen Hof.
 
Markgräfin von Bayreuth
Friederike Sophie Wilhelmine von Preussen, Markgräfin von Bayreuth,
mit ihr hält Voltaire dauerhaft Kontakt bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1758. Wilhelmine von Bayreuth hielt sich in den ersten Monaten seines Aufenthalts in Berlin auf.


November 1750
  Die Affäre Hirschel nimmt ihren Lauf. Ein Spekulationsgeschäft, heute würde man es als (auch damals verbotenes) Insidergeschäft bezeichnen. Voltaire bedient sich eines Mittelsmanns, eben jenen Hirschel, um sächsiche Staatsanleihen aufzukaufen. Bald zweifelt Voltaire an dessen Zuverlässigkeit und verlangt das für den Ankauf der Staatsanleihen vorgestreckte Geld zurück. Die Angelegenheit wird Friedrich hinterbracht. Hirschel weigert sich, einzulenken (es scheint, als habe ihn Friedrich unterstützt, um Voltaire zu bestrafen). Im Januar 1751 kommt es zu einem in ganz Europa Aufsehen erregenden Prozess, den Voltaire zwar gewinnt, ihn aber viel Geld kostet und ihm zudem die gefährliche Missgunst Friedrichs und die unverhohlene Schadenfreude seiner Gegner einbringt.

Dezember 1750 Die Konten Voltaires in Paris werden in Zusammenhang mit der Affäre Hirschel gesperrt.

Februar 1751 Das Verhältnis zu Friedrich ist merklich abgekühlt, es folgt ein bedrohlicher Brief Friedrichs an Voltaire. Voltaire erbittet die Erlaubnis (ein halbes Dutzend mal)  ins Marquisat, eine Villa am Stadtrand von Potsdam, umziehen zu dürfen, die ihm dann gnädigerweise fürs Frühjahr in Aussicht gestellt wird. In dieser Zeit verliert Voltaire, erst 56 jährig, sämtliche Zähne.

März 1751 Aussöhnung zwischen Friedrich und Voltaire. Voltaire zieht trotzdem ins Potsdamer Marquisat und bleibt dort bis zur Rückkehr des Marquis d'Argens im August. Der auf Voltaire bezogene Ausspruch Friedrichs: “Ich brauche ihn höchstens noch ein Jahr, man presst die Orange aus und wirft die Schale weg” wird Voltaire von La Mettrie, dem bedeutenden Materialisten und Atheisten am Hofe Friedrichs, hinterbracht und zeigt ihm ungeschminkt die Haltung des preußischen Königs ihm gegenüber.

Das Marquisat...

...war eine kleine Gartenvilla mit großem, parkähnlichen Garten vor den Toren Potsdams, die Friedrich II 1748 erworben und seinem Freund, dem Marquis d'Argens geschenkt hatte, daher auch der Name. Vom Marquis d'Argens ist das Gebäude schon 4 Jahre später an einen gewissen Kabinettsrat Eichel abgegeben worden.
Dazwischen aber, von März bis August 1751, diente das Marquisat Voltaire kurzzeitig als Aufenthaltsort.
mehr zum Marquisat
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La Mettrie
Julien Offray de La Mettrie *23.11.1709, Arzt und Philosoph (l'homme machine). Pionier des Materialismus.
La Mettrie stirbt am 11.11.1751 in Potsdam. Auf der offiziellen Trauerfeier lässt Friedrich den von ihm selbst verfassten Nachruf “Eloge de La Mettrie” verlesen.

1752
ist das Jahr einer heftig geführten Auseinandersetzung Voltaires mit Maupertuis, dem berühmten Naturwissenschaftler und Präsidenten der preußischen Akademie. Aus reiner Machtgier versucht Maupertuis, das Ansehen eines seiner Kritiker, des Mathematikers Johann Samuel König, herabzusetzen. Er beschuldigt ihn der Fälschung.

10. April.1752 Collini tritt als Sekretär in die Dienste Voltaires und wird sein enger Vertrauter
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13. April 1752  Die preußische Akademie der Wissenschaften unter Maupertuis und leider auch Euler, verurteilt J. S. König als Fälscher.

September 1752 Voltaire schlägt sich anonym auf die Seite J.S.Königs (“Réponse d`un académicien à un académicen de Paris”).

7. November 1752  Friedrich verteidigt seinen  Akademiepräsidenten Maupertuis mit einer ebenfalls anonymen Schrift “Lettres d`un académicien de Berlin à un académicien de Paris” und greift dort den  Anonymus der “Réponse” beleidigend an.

15. November 1752 So herausgefordert, verfasst Voltaire seine Satire  “Diatribe du Docteur Akakia”, ein Generalangriff auf Eitelkeit und Selbstherrlichkeit Maupertuis. Friedrich will die “Diatribe”, die große Beachtung findet, sogleich unterdrücken und verlangt von Voltaire, er solle auf  die Veröffentlichung verzichten. Voltaire vernichtet zwar das Manuskript vor Friedrichs Augen, die Schrift erscheint jedoch wenige Tage später (Anfang Dezember) in Dresden.

Maupertuis
Pierre Louis Moreau de Maupertuis *28.9.1698, gestorben 27.7.1759 in Basel, Präsident der Berliner Akademie der Wissenschaften.

Maupertuis kreuzte immer wieder die Wege Voltaires, zuletzt allerdings wenig freundschaftlich: Der Streit über die Frage, wer nun das Gesetz der kleinsten Wirkung  entdeckt hat (Maupertuis oder Leibniz) entzweit sie endgültig.


24. Dezember 1752
10 Uhr lässt Friedrich Voltaires “Akakia” auf dem Berliner Gendarmenmarkt  verbrennen (hier werden die Nazis anknüpfen). Es ist das einzige Buch, das während der Regentschaft Friedrichs verbrannt wird.

1. Januar 1753 Voltaire gibt als Antwort seine Kammerherreninsignien an Friedrich zurück und zieht mit seinem Sekretär Collini in ein gemietetes Haus am Holzmarkt in der Berliner Vorstadt.

Friedrich versucht vergeblich, eine Versöhnung herbeizuführen. Voltaire verlangt die Genehmigung Friedrichs, Potsdam und Berlin verlassen zu dürfen.

Die Strasse Am Holzmarkt heute
Strasse Am Holzmarkt in Berlin heute, ob Voltaire da wohnte? Sicher nicht in dem Hochhaus aus der DDR Zeit, aber bescheiden war es schon.

16. März 1753
Friedrich “Abschiedsbrief”, am 19.3. letztes Zusammentreffen Voltaire - Friedrich

26. März 1753 Voltaire reist aus Berlin nach Leipzig ab, angeblich, um nach einem Kuraufenthalt in Plombières zurückzukehren. Voltaire und Friedrich begegnen sich jedoch nie wieder, nehmen ihre Korrespondenz aber nach dem Ende des siebenjährigen Krieg wieder auf.

Voltaire reist mit seinem Sekretär Collini von Leipzig über Gotha (20.4.) nach Frankfurt am Main (31.5.), dort  lässt ihn Friedrich verhaften und unter Hausarrest stellen.







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