Lyrik

Veröffentlichungen auf Deutsch

Die Gedichte Voltaires sind sehr selten ins Deutsche übersetzt worden. Es gibt nur eine einzige Sammlung mit Übersetzungen der Gedichte, sie stammt von Hermann Burte und verzichtet gänzlich auf Quellenangaben. Im Übrigen sei an dieser Stelle die Voltaire-Biographie von Theodore Besterman empfohlen, die zahlreiche Auszüge aus den Gedichten in deutscher und französischer Sprache enthält. Übersetzungen einzelner Gedichte finden sich außerdem in Werkausgaben oder sind nicht mehr verfügbar.

A. Sammlungen

Gedichte Voltaires, Deutsch von Hermann Burte [d.i. Hermann Strübe],

München Berlin 1935 (Oldenbourg) 69 S. (enthält unter anderem Übersetzungen der Gedichte: Adieux à la Vie; Au M. le Cardinal Querini; Des Vous et des Tu; A madame la duchesse de Choiseul, sur la fondation de Versoy; Stances irrégulières. A Son Altesse Royale la princesse de Suède, Ulrique de Prusse, soeur de Frédéric le Grand)

B. Einzelne Gedichte

Gedicht auf den bei Fontenoi erfochtenen Sieg, aus dem Französischen übersetzt, o.O., 1745

Abhandlungen in Versen über den Menschen, In Prosa übersetzt von A. R., Leipzig 1771

Tempel des guten Geschmacks und der Freundschaft, Gotha: Mervius 1750, 8 Blatt, S. 64 – 122

und in: Kritische und satirische Schriften, übertragen von Karl August Horst, Joachim Thimm und Liselotte Ronte und einem Nachwort von Fritz Schalk, München 1970 (Winkler), S. 5 – 29

Voltaire, Ode über den Tod Adrienne Lecouvreurs

haben wir hier erstmals vollständig übersetzt und ist auszugsweise enthalten in:
Theodore Besterman, Voltaire, München: Winkler 1969, S130f

Voltaire, Le Mondain (Über den Luxus)

ist enthalten in:
Voltaire’s Werke in zeitgemäßer Auswahl. 12 Theile in drei Bänden, Deutsch von A. Elissen, Leipzig 1844 – 1845 (Wigand )
Band 3: Das Weltkind [Mondain] S. 295-305, sowie: Vertheidigung des Weltkindes [Défense du Mondain] S.308-313

und in: Ein Lesebuch, herausgegeben von Martin Fontius, Berlin und Weimar: Aufbau 1989, Band 1: Das Weltkind [Mondain] S.7 – 12

Voltaire, Le Pour et le Contre (Das Für und das Wider)

in: Ein Lesebuch, herausgegeben von Martin Fontius, Berlin und Weimar:Aufbau, 1989 Band 1: S.3 – 7

Voltaire, Le désastre de Lisbonne (Das Erdbeben von Lissabon)

auszugsweise in: Voltaire’s Werke in zeitgemäßer Auswahl. 12 Theile in drei Bänden, Deutsch von A. Elissen, Leipzig 1844 – 1845 (Wigand ). Band 1.1: Das Erdbeben von Lisabonne [Desastre de Lisbonne] S.204-227
Aufgrund vieler Nachfragen stellen wir nachfolgend das Gedicht in der Übersetzung von A.Ellisen zur Verfügung:

und in: Dieter Hildebrandt,: Voltaire, Candide, Dichtung und Wirklichkeit, Frankfurt a. M. 1963 (Ullstein), S. 32 – 108
Das Erdbeben zu Lissabon (Auszug) [Desastre de Lisbonne] S.140 – 143

Voltaire, An Madame du Châtelet,

ist eine sehr schöne Übertragung in Reimen des Gedichts ‚À Mme du Châtelet aus dem Jahre 1741, in: Wladimir von Hartlieb, Französische Lyrik, Dichtung der Zeit, Salzburg: Stifterbibliothek 1954


Veröffentlichungen auf Französisch

Voltaire begann schon früh in Reimen und in verschiedenen Versmaßen zu schreiben und brachte es darin zu beachtlicher Meisterschaft. Er verfasste unzählige Gedichte, die er einzeln veröffentlichte oder in seine Korrespondenz einschloss. Jenseits seiner lyrischen Kunstwerke war er jederzeit in der Lage, frei in Reimen zu sprechen und zu schreiben. Nachfolgend einige wenige der bedeutendsten (Lehr-) Gedichte.
Eine Sammlung der Gedichte Voltaires in deutscher Sprache ist außer dem Büchlein von Hermann Burte (Voltaire, Gedichte, München Berlin, Oldenbourg 1935 (Corona Verlag) 69 S.) nicht erschienen,  vereinzelt finden sie sich in den genannten Werksammlungen.

Le pour et le contreEpitres à Uranie‘ 1722,

erstmals gedruckt um 1733, von Voltaire zuerst selbst veröffentlicht in der Werkausgabe von 1772. Mit diesem Gedicht zeigt Voltaire seiner damaligen Geliebten, der Madame de Rupelmonde, die Absurdität des Christentums und versucht sie von der Überlegenheit einer  religionsunabhängigen, humanistischen Morallehre zu überzeugen……deutsche Übertragung

l’Ode sur la mort de Mlle Lecouvreur 1730  

Voltaires bewegende Anklage an die Pariser gute Gesellschaft und an die Kirche, die es zu verantworten hatten, dass die zu Lebzeiten gefeierte Schauspielerin Adriane Lecouvreur, mit der Voltaire eng befreundet war, nicht einmal ein ordentliches Begräbnis erhielt und ihr Leichnam nahe der Seine auf einem Acker verscharrt wurde. 
…deutsche Übertragung

Le Temple du Goût 1733,

bei Jore in Rouen erschienen. Es handelt sich um eine Literatur- und Kunstkritik vieler Werke der Zeit. Voltaire erzählt, wie er einmal die Gelegenheit bekam, in das Heiligtum der Gottheit des guten Geschmacks zu gelangen, wer unter denen war, die an der Tür kratzten, aber nicht hinein durften und wen er dort im Allerheiligsten antraf. Die kleine Schrift, halb in Prosa, halb in Versen, ist sehr launig geschrieben und hat Voltaire zahlreiche Feinde eingetragen.

Discours en vers sur l’homme,  1734,

erstmals erschienen in Oeuvres, Amsterdam 1745Versdichtung in 7 Teilen, die die großen Fragen der Gleichheit der Menschen, des Glücks und der besten Gesellschaftsform behandeln. Allen, die Voltaire übergroße Sympathie für die Monarchie unterstellen, sollten sich den Beginn der 3. Abhandlung zu Gemüte führen: „Wenn der Mensch  geschaffen ist, frei zu sein, muss er sich selbst regieren, wenn der Mensch Tyrannen hat, muss er sie stürzen“. Diese beiden Verse werden auf dem Karren stehen, der 1791 Voltaires sterbliche Überreste von Sellières nach Paris ins Panthéon bringen wird.

Le Mondain ou l’apologie du luxe,  1736,

erstmals erschienen in Oeuvres, Amsterdam 1745. Voltaire verteidigt in diesem Gedicht die Vorzüge der Moderne, des Luxus, von Seife und Körperhygiene, die die Sexualität angenehmer machen und zieht sich den Hass der Kirche zu, weil er den Luxus dem Naturzustand Adam und Evas vorzieht. Er flieht vor der Staatspolizei nach Holland …Textauszug

Poeme sur le desastre de Lissabonne, 1755, 

ist Voltaires Reaktion auf das Erdbeben von Lissabon vom 1. November 1755, das die Stadt zerstörte und Tausende das Leben kostete. Voltaire nimmt das Erdbeben zum Anlass, Leibnitz‘ Lehre von der besten aller Welten sowie den Optimismus mit seinem „Alles ist gut“ (Pope) als Lebenseinstellung ad absurdum zu führen. Er greift außerdem die Anhänger der göttlichen Vorsehung an – sollen sie angesichts der Leiden und des Todes so vieler Unschuldiger doch erklären, wie ein göttlicher Wille beschaffen sein müsste, der solches nicht verhindert. Natürlich wurde das Gedicht verboten und 1759 öffentlich verbrannt. Auf Voltaires Gedicht antwortete J.J.Rousseau mit seinem unsäglichen „Discours sur l’origine de l’inégalité parmi des hommes“.