ESSAI sur les moeurs et l'ésprit des nations et sur les principaux faits de l`histoire depuis Charlemagne jusqu`au Louis XIII.
1756
...in deutscher
Sprache
Eines der wichtigsten Werke Voltaires,
umfangreich, vielleicht deshalb so selten auf Deutsch veröffentlicht. Hier ist zum ersten Mal der Versuch unternommen worden, die Geschichte als Zusammenwirken
irdischer Kräfte und Entwicklungen zu zeigen und als ein Gesamtbild begreifbar zu machen.
Voltaire hat an diesem Geschichtswerk, aufbauend auf aktuellsten
wissenschaftlichen Erkenntnissen zur geologische Erdentstehung, zu ersten
menschlichen Zivilisationen bis hin zur jüngeren Geschichte aller Völker
unendlich viel Material ausgewertet und zwei Jahrzehnte daran gearbeitet (...zur
Inhaltsangabe). Beeindruckend und wie aus einer fernen, besseren Zeit wendet Voltaire hier die
Prinzipien seiner Geschichtsschreibung an:
1. Sie besteht nicht darin, wie bis heute alle Schulmeister glauben, unnütze
Zahlenfriedhöfe und die langweiligen Herrschergenealogien auswendig zu lernen: "Ihr
Zweck ist nicht, zu wissen, in welchem Jahr ein Fürst, der nicht wert ist,
genannt zu werden, dem wilden Herrscher einer unzivilisierten Nation folgte". Es
geht vielmehr darum, die Kräfte kennen zu lernen, die solche Herrscher an die
Oberfläche spülen.
2. Man muss sich nicht vor Urteilen scheuen. Voltaire beurteilt eine Epoche, ein
Jahrhundert, aber auch einzelne Menschen danach, was sie getan haben, um Kunst
und Wissenschaft voranzubringen - dies ist seine Messlatte, nach der sich Groß
und Niedrig bestimmen lässt.
Kriterien, die heute, angesichts der restlosen Vernichtung der zentralen
Einrichtungen irakischer Kultur: der Nationalbibliothek und des Nationalmuseums
durch Plünderung und Brandschatzung, während zur gleichen Zeit die irakischen
Ministerien für Öl und innere Angelegenheiten durch US-Soldaten geschützt
wurden, nichts an Bedeutung verloren haben.
3. Geschichtsschreibung soll aufhören, Heiligenlegenden zu spinnen und
lobrednerische Hofgeschichte zu sein.
Voltaires Mahnung an die Adresse der Fürsten aller Zeiten lautet, "dass die Geschichte eine Zeugin ist, keine Schmeichlerin, und dass das einzige Mittel, die Menschen zu bewegen, Gutes von uns zu sagen, darin besteht, Gutes zu tun.”
Der 'Essai sur les moeurs' zirkulierte seit 1743 in Manuskriptabschriften und wurde bis 1753 in einigen Zeitschriften auszugsweise veröffentlicht. 1753 erschien dann eine erste, nicht von Voltaire autorisierte Ausgabe des Essai unter dem Titel 'Abrége de l'histoire universelle' bei Neaulme, dem Hofbuchhändler Friedrich II. Voltaire vermutete in der Publikation, der eine nicht korrigierte und unvollständige Fassung zugrunde lag, eine Intrige Friedrichs mit dem Ziel, ihm die Rückkehr nach Paris unmöglich zu machen. Erst 1754 gab Voltaire selbst bei Cramer in Genf eine erweiterte und korrigierte Fassung heraus, die er 1756 in seine Oeuvres Complètes unter dem Titel 'Essai sur l'histoire générale' aufnahm.
Inhalt:
Einleitung (Zunächst 1765 als eigenes Werk unter 'Philosophie de l`Histoire'
Katharina II von Russland gewidmet, später als Einleitung in die
Gesamtgeschichte als erster von 4 Bänden integriert)
I. Veränderungen der Erde, II. Die verschiedenen Menschenrassen, III Vom
Alter der Nationen
IV. Kenntnis von der Seele, V. Von der Religion der ersten Menschen VI.
Von den Gebräuchen und dem Gemeinsinn nahezu aller alten Völker, VII. Die
Wilden, VIII. Von Amerika, IX. Von der Theokratie, X. Von den Chaläern, XI. Von
den Babyloniern die Perser wurden, XII Von Syrien, XIII Von den Phöniziern und
den Sanchoniathon, XIV. Von den Skythen und den Gomeriten, XV Von Arabien, XVI
Bram, Abram, Abraham, XVII. Von Indien, XVIII. Von China, XIX. Von Ägypten, XX.
Von der ägyptischen Sprache und ihrer Symbole, XXI. Die Denkmäler der Ägypter,
XXII. Die Riten der Ägypter, die Beschneidung, XXIII. Die ägyptischen Mysterien
XXIV. Von den Griechen, ihre Überschwemmungen, ihre Schrift, ihre Gebräuche,
XXV. Von den griechischen Gesetzgebern, von Minos, Orpheus, von der
Unsterblichkeit der Seele, XXVI. Von den griechischen Sekten, XXVII. Von
Zaleukus und einigen anderen Gesetzgebern, XXVIII. Von Bacchus, XXIX. Von den
Metamorphosen in Griechenland, wie sie Ovid gesammelt hat, XXX. Von der
Idolatrie ( Heiligenverehrung), XXXI. Vom Orakel, XXXII. Von den Sybellinen bei
den Griechen und ihrem Einfluß auf andere Nationen, XXXIII. Von den Wundern,
XXXIV. Von den Tempeln, XXXV. Von der Magie, XXXVI. Von den Menschenopfern,
XXXVII. Von der Mysterien der eleusinischen Ceres, XXXVIII. Von den Juden zur
Zeit wo sie geschichtlich wurden, XXXIX. Von den Juden in Ägypten XL.Von Moses,
bloß als Oberhaupt eines Stammes betrachtet, XLI. Die Juden nach Moses bis zu
Saul, XLII. Von den Juden nach Saul, XLIII. Die jüdischen Propheten, XLIV. Die
jüdischen Gebete, XLV. Vom jüdischen Historiker Josephus, XLVI. Eine Lüge von
Flavius Josephus, Alexander und die Juden betreffend, XLVII. Volkstümliche
Vorurteile, XLVIII. Von Engeln, Geistern, Teufeln bei den alten Völkern und bei
den Juden, XLIX. Ob die Juden andere Völker gelehrt haben, oder ob sie von
diesen gelernt haben, L. Die Römer, LI Fragen über die Eroberungen der Römer und
ihre Dekadenz, LII. Von den ersten Völkern die Geschichtsschreibung betrieben
und von den Dichtungen der ersten Historiker, LII. Von Gesetzgebern die im Namen
der Götter sprachen,
und die Bände II-IV im Überblick:
Band II
China, Indien, Persien, Arabien, Rom, dann europäische Geschichte von Karl dem
Großen bis zum Konzil von Konstanz
Band III
Europäische Geschichte bis ins 15. Jahrhundert, Luther, Calvin, Hus, die
Mönchsorden, die Inquisition, die Kolonisation Amerikas, von den Mongolen,
Asien, Afrika Marokko um 1500, Frankreich bis Heinrich IV.
Band IV
Mitteleuropäische Geschichte bis in 17. Jahrhundert, Russland, Polen, Persien,
China, Japan. Resumé und Ausblick ins Zeitalter Ludwig XIV.
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