Philosophisches Taschenwörterbuch:
Vertu – Tugend (Inhaltsangabe)

 




Tugend ist Wohltätigkeit gegenüber dem Nächsten. Die in theologischen Katalogen aufgeführten Tugenden braucht man nicht, deren Kardinaltugenden ebenso wenig.
Für uns ist nur „wirklich gut, was zum Wohl der Gesellschaft beiträgt“. Kann dann ein Einssiedler tugendhaft sein? Nein, nicht so lange er in der Einsamkeit für sich lebt.

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Superstition – Aberglaube (Inhaltsangabe)

 




Aberglaube ist alles, was über die Anbetung eines höchsten Wesens und eine von Innen kommende Bereitschaft, die ‚ewigen Gebote’ zu befolgen, hinausgeht. Insbesondere verwerflich ist:
o die Vergebung von Verbrechen durch Priester im Namen Gottes,
o die Erhebung von Menschen zu Göttern,
o Kulte für untätige, schmutzige Bettler zu stiften.

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Salomon (Inhaltsangabe)

 




Der Artikel ist eine Kritik jener Bücher der Bibel, die Salomon zugeschrieben werden. Es geht einmal, wie immer bei Voltaire, um die Glaubhaftigkeit der Erzählung als historisches Dokument. Kann es sein, dass Salomon so sagenhaft reich war (dass er tausend Frauen, hunderttausende Pferde und Kutschen und mehr Geld hatte, als es damals auf der ganzen Welt gab)? Kann Salomon überhaupt der Verfasser eines Textes gewesen sein, der so in sexuellen Phantasien schwelgt? Man hat auch behauptet, das Hohelied sei eine Allegorie auf die Hochzeit von Jesus mit der Kirche. Aber was bedeutet dann der Lobgesang auf die Schönheit der Tochter und welche Rolle spielen die (noch nicht vorhandenen) Brüste der kleinen Schwester, auf die man bauen solle?

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Religion (Inhaltsangabe)

 




Der Artikel Religion gehört zu den zentralen Artikeln des Philosophischen Taschenwörterbuchs – und war neben dem ‚Christentum’ für Voltaire sicher auch der gefährlichste. In 7 Abschnitte (Fragen) aufgeteilt, kritisiert er sehr vorsichtig und allgemein das Christentum:
1. Ob der Glaube an ein Jenseits und die Auferstehung der Seele, also deren Unsterblichkeit, und die Bestrafung der Sünden für eine Religion maßgebend ist.
2. Ob der Glaube an mehrer Götter dem Glauben an einen einzigen vorherging, oder ob es umgekehrt war.
3. Ob das göttliche Wesen aus zwei (oder mehreren) Naturen besteht, ob der Teufel, die Dämonen, notwendig dazu gehören, oder nicht.
4. Wunder, Prophezeiungen und der Teufel, die zur Gründungsphase der Religion gehören, sind später verschwunden, statt Gott allein zu gehorchen, dient man ihm jetzt, indem man den weltlichen Gesetzen gehorcht.
5. Welche Religion ist die beste?
6. Ist es richtig, den Religionen der Antike alles schlechte zuzuschreiben und ist die aktuelle Religion von diesen wirklich so sehr verschieden?
7. Ist die Unduldsamkeit, mit der andere von einer fremden Religion überzeugt werden sollen, nicht das beste Mittel, um sie sich zu Feinden zu machen?

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Résurrection – Auferstehung (Inhaltsangabe)

 




Die Frage, ob es eine Auferstehung nach dem Tode gibt und wie sie funktioniert, hat immer schon für sehr viel Streit und Verwirrung gesorgt: Ob der Körper aufersteht; ob es die Seele ist; wo dann die Seele im Körper sitzt; wie man ihn bestatten muss, damit sie heraus kann; wer auferstehen wird und an welchem Tag. Schließlich „hat man hat immer darüber gestritten, was wir waren, was wir sind und was wir sein werden“.

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Songes – Träume (Inhaltsangabe)

 




Obwohl alle Sinne ‚abgemeldet‘ sind, gibt es, wenn wir schlafen, eine innere Aktivität. Der Hund ist im Traum auf der Jagd, der Dichter erfindet Verse. Der Wille und der Verstand sind dabei ausgeschaltet – ist da die ‚reine Seele‘ am wirken? Sie müsste schon ganz schön verwirrt sein… Man hat sich über den Traum viele Gedanken gemacht und seit langer Zeit versucht man, die Träume zu deuten (das zeigen schon etliche Geschichten in der Bibel).

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Pierre – Petrus (Inhaltsangabe)

 




Wie kam es, dass Petrus‘ Nachfolger im Abendland viel mächtiger sind als im Morgenland? Den Bischöfen gelang es hier, sich sehr schnell weltliche Reichtümer anzueignen, Fürsten gleich. Und wie schaffte es die Kirche in der Nachfolge Petrus‘, weltweit so bedeutend und einflussreich zu werden? Indem sie Verbrechen an Verbrechen reihte. „Es ist, so sagt man, ein Beweis ihrer Göttlichkeit, dass sie trotz so vieler Verbrechen fortbestanden habe“.

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Patrie – Vaterland (Inhaltsangabe)

 




Je kleiner sein Vaterland ist, um so mehrliebt man es. Manche Würdenträger in größeren Ländern verstecken hinter ihrer Vaterlandsliebe nur ihren Ehrgeiz. Aus den anfänglich einfach zusammenlebenden Gemeinschaften haben sich staatlich organisierte Gebilde entwickelt, Staaten, Republiken und Königreiche. Seit viertausend Jahren überlegt man, welche Staatsform besser ist. „Fragt die Reichen, sie haben die Aristokratie lieber, befragt das Volk, es will die Demokratie – nur die Könige ziehen die Monarchie vor“.

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Moïse – Mose (Inhaltsangabe)

 




In den ersten beiden Abschnitten zeigt Voltaire, dass, anders als jüdische und christliche Theologen behaupten – Moses nicht der Autor der Bücher Moses gewesen sein kann, eine Erkenntnis, die aber schweigen müsse, wenn die Kirche, Nachfolgerin der Synagoge, spricht. Dann wendet er sich der Frage nach der Herkunft des Volkes Israel zu und aus der Textanalyse mit „wissenschaftlichen Methoden der Kritik“, kommt Voltaire zu dem Schluss, dass es sich um eine ägyptische Gruppierung handeln muss, die aus ihrem Heimatland verjagt wurde und nach Palästina fliehen musste (niemand geht freiwillig in eine Steinwüste und nennt es dann das gelobte Land).

Philosophisches Taschenwörterbuch:
Métamorphose, Métempsychose – Verwandlung, Seelenwanderung (Inhaltsangabe)

 




In der Natur gibt es viele Beispiele der Verwandlung, aus einem Wurm wird z.B. ein Schmetterling. So könnte es doch auch eine Seelenwanderung geben, Wasser könnte in Wein verwandelt werden, oder in Öl, der Stab des Aron wurde eine Schlange – und die Götter verwandelten sich in Menschen…