Voltaire in Lausanne: Mon Repos

Aus Sicherheitsgründen baut sich Voltaire in Lausanne neben Genf einen zweiten Standort auf. Die Stadt war damals nicht selbständig, sie gehörte zum Herrschaftsgebiet des deutschsprachigen Bern, was im Notfall vorteilhaft sein konnte. Außerdem war Lausanne damals eine ausgesprochene Hochburg der Aufklärung. Die eigene Wohnung in dieser Stadt soll die Position Voltaires in seiner neuen Heimat, wo er ein geduldeter Fremder ist, stärken. Was Voltaire aber in Lausanne nach seiner kräftezehrenden Irrfahrt auf der Flucht aus Berlin jetzt vor allem sucht, ist Ruhe und Entspannung, un peu de repos.

1755 mietet Voltaire das Haus Grand Montriond

.
Das Landhaus Montriond lag außerhalb der Stadtmauer am Fusse der Stadt, auf halbem Weg zum Genfer See (Lac Leman), mit herrlichem Blick auf See und Alpen, inmitten von Feldern und Weinbergen.. Voltaire beschreibt das Haus als stattliches Anwesen von 40 m Breite mit 2 Seitenflügeln. Das Haus gehört einem Bankier namens Le Giez, mit dem er sich anfreundet. Voltaire beabsichtigt, hier jeweils den Winter zu verbringen, was am milderen Klima und am Theater liegt, denn es  gibt in Lausanne - anders als im erzcalvinistischen Genf ein Theater und Freunde, die mit ihm seine Stücke einstudieren, die sie dann vor den interessierten Bürgern aufführen.

An der Stelle des früheren Grand Montriond befindet sich heute ein Mietshaus. Die Seitenflügel- Haupthaus Architektur um einen großen Innenhof herum mag sich erhalten haben.

Er schreibt am 16. Dezember 1755 an seine Nichte Mme de Fontaine: "Ich unterziehe mich derzeit einer Behandlung durch Ruhe, aber ich befürchte, dass mir das nichts bringt und ich gezwungen sein werde, sie abzubrechen. Mme Denis wirft sich derzeit ins Getümmel, um unseren Ruhesitz Monrion einzurichten. Heute war praktisch ganz Lausanne bei uns. Ich hoffe die nächsten Tage etwas mehr Zeit für mich zu haben, denn ich bin ja nicht hierhergekommen, um Leute zu treffen." Doch Lausanne will ihn treffen: Ein Zeitgenosse berichtet: "Ich habe endlich den Gott Voltaire getroffen, dessen Heiligkeit wenigstens über die Hälfte der Lausanner gekommen ist....der Stadtvogt Tscharner hat  ihn mit dem ganzen Schloss besucht, Mme. Denis, eine sympathische Frau, geht mit Mme Tscharner schon so vertraut um wie mit einer Busenfreundin". Also nichts mit Ruhe! Voltaire fügt sich und tut das, was er am liebsten tut: er veranstaltet Theaterabende. Doch die Freude bleibt nicht ungetrübt, Voltaire hat Feinde, meist Parteigänger der Kirche, aber auch Gelehrte wie von Haller. Sie werfen ihm unchristliche Passagen seines Versepos Das Erdbeben von Lissabon vor, das er als Reaktion auf die schwere Katastrophe vom 1. November 1755 (zehntausende von Toten) geschrieben hat. Voltaire ändert einige Formulierungen, hält mit seinen Anhängern dagegen - und kann die Angreifer mit ziemlicher Mühe zurückdrängen.

1756 - 1757 Erste Voltaire-Theatersaison in Villa Monrepos



Blick auf den Genfersee
wunderschöner Blick vom früheren Theater auf den See

Villa MonreposIn Paris hat man aus der Hinrichtung des harmlosen Attentäters Damiens ein grausames Theater gemacht, in Lausanne studiert man die Werke der Toleranz, Zaire und Zulime, ein und zeigt sie allabendlich zusammen mit der komischen Kurzoper La Serva Padrone im Theater Monrepos, das immerhin 200 Personen Platz bietet und immer ausverkauft ist.   Der Weg zurücknach Montriond ist sicher beschwerlich, trotzdem wandeln nach der Vorstellung Voltaire und seine Theatertruppe auf schmalen, vereisten Pfaden den Hang hinunter - die festlichen Gelage im Hause Voltaire will sich niemand entgehen lassen.

1758 Maison du Grand Chène

Auch um diese Beschwerlichkeiten abzuhelfen, mietet Voltaire 1758 ein Haus innerhalb der Stadt. Es liegt ziemlich exponiert am steilen Abhang etwas oberhalb der Stadtmauern,  mit einem imposanten Blick auf den See. So muss die ganze Theatergesellschaft zu Voltaire nicht mehr zwei Kilometer den Berg hinunterklettern. Die Stelle des Maison du Grand Chène nimmt heute das Lausanne Palace ein, ein mondänes 5 Sternehotel unter amerikanischer Leitung. 1758, am 21/22. August ist Voltaire noch einmal in Lausanne, um mit der Gräfin von Bentinck zusammenzutreffen, die sich hier als Gast Voltaires einige Zeit in Montriond aufhält. Damit endet Voltaires Zeit in Lausanne - er erwirbt die Grafschaft Tournay und das Schloss Ferney, denen er seine ganze Kraft und Aufmerksamkeit widmet.

 Blick von Grand Chene auf den See
                                                 noch heute ein imposanter Blick: Maison du Grand Chène