Voltaire, Candide oder der Optimismus. Neu übersetzt von Tobias Roth und illustriert von Klaus Ensikat. Officina Ludi: Großhansdorf, 2018, 123 S.

erschienen: Großhansdorf 2018

Übersetzungen, besonders wenn es sich wie bei Candide um Werke der Weltliteratur handelt, die schon zwei Dutzend mal ins Deutsche übertragen wurden, erfordern einerseits Mut und andererseits Selbstvertrauen. An beidem mangelt es Tobias Roth nicht, hat er doch schon Voltaires Mohammed ins Deutsche, und zwar in gereimte Verse, übersetzt.

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Canfora, Luciano, Europa, der Westen und die Sklaverei des Kapitals, Köln: PapyRossa, 2018, 107 S.

erschienen: Köln 2018

Der italienische Historiker Canfora beschäftigt sich in diesem kleinen Büchlein, das auf Italienisch ‚La sciavitú del capitale’ heißt, mit dem Blick des Westens auf den Rest der Welt, genauer gesagt, unternimmt er einen kleinen Ausflug in die Begriffsgeschichte der Rede von ‚dem Westen’. Wen das Gerede von ‚dem Westen’, der dies oder jenes so oder so sehe, auch schon gestört hat, wird sich aus diesem Text Aufklärung erhoffen und ihn mit Interesse lesen. Allerdings ist es aus unserer Sicht irritierend, daß Canfora ausgerechnet Voltaire an den Beginn eines Kapitels stellt, das sich mit den Anfängen des sogenannten westlichen Blicks beschäftigt, den er mit Rassismus, Kolonialismus und eben auch schiavitú‚ Sklaverei, verknüpft.

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Saltzwedel, Johannes (Hrsg), Die Aufklärung, Das Drama der Vernunft vom 18. Jahrhundert bis heute, München: DVA, 2017, 270 S

Erschienen: München 2017

Vor einigen Jahren hatte ich einmal ein Probeabonnement des Spiegel, in dessen Verlag dieses Buch, ausschließlich von Spiegelautoren in zweiunddreißig, meist kleineren Essays geschrieben wurde; es soll die Epoche der Aufklärung in ihrer ganzen Vielfalt und Vielstimmigkeit darstellen, heißt es im Klappentext. Das Spiegel-Probeabonnement habe ich damals nicht verlängert, weil mich jedesmal, wenn ich eine Ausgabe gelesen hatte, ein ganz und gar rousseauisches Sentiment (wenn es so etwas überhaupt gibt) überkam, ein Gefühl, als hätte mir jemand einen Eimer Kleister ins Gehirn geschüttet. Es dauerte jedesmal einige Stunden, bis sich die Verklebungen gelöst hatten.

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Pankaj Mishra, Das Zeitalter des Zorns, Frankfurt/M: Fischer, 2017, 415 S

Erschienen: Frankfurt 2017

Mit größter Selbstverständlichkeit verwehrten die in Südafrika herrschenden Buren zur Zeit der Apartheid den Bantus jegliche höhere Bildung. Bildung erzeuge bei diesen bloß Unzufriedenheit und müsse notwendigerweise zur Auflehnung führen, meinten sie. Für deren Arbeitsleben reiche ein wenig Rechnen und Lesen allemal aus.
Mishras Buch scheint geschrieben worden zu sein, um genau dieser Position das Wort zu reden: Wer viel verspricht und wenig einhält, erzeugt Unfrieden, also sollte man nichts versprechen.

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Andrea Weisbrod, Madame de Pompadour und die Inszenierung der Macht, Berlin: Aviva 2014, 206 S.

Erschienen: Berlin 2014

Kunsthistorikerin vom Fach, hat Andrea Weisbrod dreizehn Jahre nach ihrer Promotion (Von Macht und Mythos der Pompadour, im Helmer Verlag erschienen) eine ausgesprochen lesenswerte zweite Annäherung an das Thema vorgelegt und man kann ihr nur dafür dankbar sein, daß sie sich dieser Mühe unterzogen hat. Damit kein falscher Eindruck entsteht: die Anstrengung merkt man dem Text nicht an, ganz im Gegenteil.

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Marcus C. Kerber, Ein deutsch-französisches Spannungsverhältnis, Aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich II., Berlin: Edition Europolis, o.J. [2014], 36 S.

Erschienen: Berlin 2014

Kerber, dessen Lebenslauf einige Kenntnisse über Frankreich erwarten ließe, ist wahrscheinlich – vielleicht enttäuschte Liebe? –  ein Frankreichhasser. Zumindest aber einer, der die französische Aufklärung, somit deren Repräsentanten Voltaire vehement ablehnt, dem preussischen Kriegsherren und Monarchen Friedrich II aber überschwänglich positiv gegenübersteht. Damit ist schon alles gesagt, lesen muß das nur, wer 14,80 € für 36 S. ausgegeben hat.

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Philipp Blom, Böse Philosophen, Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung, München: dtv 2013, 400 S.

Erschienen: München 2013

Ein Autor, der schon im Prolog (S.17) mit dem Satz aufwartet: “Voltaires … Gedanken bestehen aus nicht viel mehr als gesundem Menschenverstand, mit viel Witz auf Hochglanz poliert, während seine politischen Kampagnen und seine Positionierung ihn als gerissenen, mit allen Wassern gewaschenen Politprofi zeigen, dem letztendlich nichts wichtiger war als die eigene Reputation und das eigene beträchtliche Vermögen“ wird von unserer Seite – wen wird das erstaunen – kaum Sympathie erwarten dürfen: Hat er von Voltaire nichts gelesen? Alles nur abgeschrieben?

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H.J. Schädlich, Sire ich eile, Voltaire bei Friedrich II, Eine Novelle, Hamburg: Rowohlt, 143 S.

Erschienen: Hamburg 2012

Rechtzeitig zur 300 Jahrfeier Friedrichs II. hat Schädlich sein kleines Büchlein von 142 Seiten vorgelegt, ein Text, für den 100 Seiten ausgereicht hätten, wenn man die Leerräume am Kapitelende und –anfang weniger ausgedehnt hätte und 60, wenn man nicht hinter fast jedem Satzende eine neue Zeile angefangen hätte. Deshalb zögert man beim Kauf, denn 16 € sind teuer bezahlt für reale 60 Seiten und für ein Büchlein, dessen Inhalt im Internet (z.B. bei www.correspondance-voltaire.de) gratis zur Verfügung steht.

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Peter Priskil, Die Karmaten oder: Was arabische Kaufleute und Handwerker schon vor über 1000 Jahren wussten: RELIGION MUSS NICHT SEIN, Ahriman Verlag 2010 (2. erweiterte Auflage), 410 S.

Erschienen: Freiburg 2010

Wenige nur kennen die Karmaten, ein Volk, das vor über 1000 Jahren die erste religionsfreie Gesellschaft der Geschichte auf dieser Kulturstufe aufgebaut hat und deshalb – die islamistischen und christlichen Kirchen haben das ihnen mögliche dafür getan -, nahezu in Vergessenheit geraten ist. Seine Geschichte steht im Mittelpunkt dieses Buches, das über ihre außerhalb von Fachkreisen völlig unbekannte Gesellschaft berichtet, die das Ziel der philosophes um Voltaire, die Befreiung von den anmaßenden und gewalttätigen Organisationen der Kirchen, immerhin 100 Jahre lang in die Praxis umgesetzt hat. Schon allein aus diesem Grund ist dieses Werk für jeden, der in der Tradition Voltaires steht, von besonderem Interesse.

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Voltaire Die Affäre Calas, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ingrid Gilcher-Holtey, Berlin: Insel, 2010, 295 S.

Erschienen: Berlin 2010

Wer den Justizmord Calas und den Erfolg Voltaires verstehen will, muss vor allen anderen Dingen die Stellung der Kirche im absolutistischen Frankreich untersuchen und gerade hier muss man leider feststellen, dass deren Rolle im Toulouser Ketzerprozeß in diesem Buch seltsam fremd und schemenhaft bleibt, eigentlich so gut wie gar nicht analysiert wird. So als ob man die Weinherstellung beschreiben und die dabei wirkenden Hefen nicht erläutern würde.

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