Ägypten: Verleger zu 5 Jahren Haft verurteilt!

Ein öffentliches Protestschreiben:

VOLTAIRE – STIFTUNG   POSTFACH 1110   04924 BAD LIEBENWERDA 
22.Januar 2020

Ägyptische Botschaft
Herrn Botschafter Khaled Galal Abdelhamid
Stauffenbergstr. 6-7
10785 Berlin

Sehr geehrter Herr Botschafter,

aus einer Veröffentlichung des Deutschen Börsenvereins vom 16.1.2020 haben wir erfahren, daß in dem von Ihnen vertretenen Land , Ägypten, der Verleger Khaled Lofty, Eigentümer des Tanmia-Verlags, bereits am 24.12.2019 in letzter Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, nur weil er das Buch „The Angel: The Egyptian Spy Who Saved Israel“ von Uri Bar-Joseph erneut veröffentlicht hat. Damit soll er militärische Geheimnisse verraten haben. Dieses Urteil ist um so befremdlicher, als das Buch von dem in Libanon ansässigen Verlag Arab Scientific Publishers ins Arabische übersetzt und auch in Ägypten erhältlich war. Es wurde auch in einen erfolgreichen Netflix-Film unter dem Titel „The Angel“ adaptiert und ist nach wie vor international erhältlich.

Khaled Lofty ist Preisträger des Prix Voltaire, der alljährlich von der IPA, der International Publisher Association, vergeben wird. Wie Sie sicherlich wissen, steht der Name Voltaire für die Überwindung der mittelalterlichen Feudalgesellschaft und für die Forderung der Aufklärung nach freier Meinungsäußerung. Nur wenn sie gewährleistet ist, kann in einer Gesellschaft festgestellt werden, ob eine Behauptung wahr oder falsch ist, bzw. welches der Mehrheitswille der Bevölkerung in einer Sache ist.

Wir möchten Sie, Herr Botschafter, daher im Namen der Voltaire-Stiftung höflich bitten, sich für die Begnadigung und Freilassung von Herrn Lofty einzusetzen, der nichts anderes getan hat, als ein Buch zu veröffentlichen! Dies ist zum einen im generellen Interesse der Menschenrechte und außerdem auch im speziellen Interesse Ägyptens selbst, denn durch dieses Urteil wird seinem Ansehen international erheblicher Schaden zugefügt.

Wir wären zunächst einmal dankbar, wenn Herr Lofty vom ägyptischen Staatspräsidenten begnadigt würde – im Sinne Voltaires hoffen wir allerdings darüber hinaus auch auf fällige Reformen für die Garantie der Meinungsfreiheit als elementares Menschenrecht in Ägypten!

Wir fordern Sie daher auf, sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten bei Ihrer Regierung dafür einzusetzen, daß über die Begnadigung und Freilassung von Khaled Lofty hinaus auch alle Gesetze, die das bloße Äußern unliebsamer Meinungen unter Strafe stellen, abgeschafft werden.

Es befremdet und enttäuscht uns zutiefst, dass in Ägypten, dessen Beitrag zur Geschichte der menschlichen Zivilisation unermesslich ist, heute derart inhumane Urteile möglich sind.

Hochachtungsvoll,
Voltaire-Stiftung

Rainer Neuhaus