Voltaires spitze Feder war gefürchtet, er konnte durch brilliante Wortspiele
und treffende Bilder einen Gegner der allgemeinen Lächerlichkeit preisgeben und
vernichten. Besonders aus der Emigration in Ferney kämpft Voltaire mit
beeindruckender Energie gegen religiöse Verfolgung und eine Rechtsprechung, die
jeder Gerechtigkeit Hohn sprach. Hier entstanden seine Schriften zu Staat und
Gesellschaft, die ihn zwar als Anhänger einer konstitutionellen Monarchie
ausweisen, jedoch auf der Basis einer für alle Staatsbürger gleichen
Gesetzeslage. Die nachfolgend genannten Schriften wurden zuletzt in deutscher
Sprache vor 30 Jahren in den Textsammlungen von Mensching, von Fontius und
von Horst (siehe Werkausgaben) veröffentlicht.
L'Antimachiavel ou Examen du Prince de Machiavel avec des notes historiques & politiques, à la Haye chez Jean Van Duren-1741 [=1740], XXXII, 364 p.. Untertitel: Par Frédéric II, roi de Prusse, éd. par Voltaire, Diese erste Ausgabe enthält das Widmungsgedicht des Übersetzers d'Amelot de la Houssaye an den Grafen von Toskana und einen Antwortbrief Machiavels, aber nicht das Vorwort von Voltaire.. Von Friedrich vor seiner Thronbesteigung als eine Art Bekenntnis zur Staatsführung ('Katechismus der Tugend') im Sinne der Maxime der Aufklärung 'Größtmögliches Glück für die größmögliche Zahl' verfasst, war ihm sein Antimachiavel nach dem 31. Juni 1740 nicht mehr opportun. Voltaire hat sich sehr viel von dem Werk versprochen, hatte viel darangearbeitet, sollt dann aber im Auftrag Friedrichs den Verleger van Düren in Den Haag überzeugen, von einer Veröffentlichung abzusehen, es kam aber ganz anders.mehr zur Editionsgeschichte
Diatribe
du Docteur Akakia
Leyden: Luzac, 1753, 32 pp.. Dies ist die berühmte Satire gegen den Mathematiker
Maupertuis, Präsident der preußischen Akademie der Wissenschaften unter
Friedrich II. Maupertuis war seit seinen unschönen Intrigen gegen den
Mathematiker König bei Voltaire schlecht angeschrieben und nachdem er leider auf
einige seltsame Ideen gekommen war, z.B. dass man ein großes Loch bohren solle,
um zum Erdmittelpunkt und darüber hinaus zu gelangen und dies auch noch
öffentlich ernsthaft kund tat, wurde er zur Zielscheibe des voltaireschen Spottes.
Die Schrift ist zugleich seine vernichtende Antwort auf die 'Lettres d'un
academicien', die Friedrich II anonym als Verteidigung seines
Akademiepräsidenten Maupertuis' hatte erscheinen lassen.
La pucelle d`Orléans Bern: Louvain 1755, 161 pp. Die Jungfrau von Orléans ist Voltaires Satire gegen den herrschenden Wunderglauben und Heiligenkult seiner Zeit. Als größte Leistung der Jungfrau sieht er es an, ein volles Jahr unter Soldaten eine solche geblieben zu sein. 1734-35 geschrieben, danach ständig neu bearbeitet und ergänzt, wurde La Pucelle 1755 zum ersten Mal gedruckt veröffentlicht. Grasset, Buchhändler aus Lausanne, hatte Voltaire ein Manuskript abgekauft und mit dem Druck begonnen. Kurz danach verhaftet, belastete Grasset den ehemaligen Mönch Maubert, der ebenfalls verhört wurde. Die Genfer Behörden verwiesen Grasset der Stadt und bedrohten Maubert im Falle der Drucklegung mit Gefängnis. Trotzdem erschien das Buch im Oktober des gleichen Jahres, angeblich in Frankfurt, tatsächlich bei Louvain in Bern.
Traité sur la tolérance à l`occasion de la mort de Jean Calas, Genève, 1763, 211 pp .Voltaires bedeutende Schrift gegen religiöse Intoleranz und gegen die Verbrechen der katholischen Kirche ...mehrPièces originales concernant la mort des Sieurs Calas et le jugement rendu à Toulouse, Genève, 1762, 22 pp. die Schrift enthielt ursprünlich auf 22 Seiten den Brief der Witwe Calas und die Denkschrift ihres Sohnes Donat Calas und wurde später erweitert um Voltaires Anlageschriften an den Kanzler, an den König, und um eine Erklärung von Pierre Calas, dem zweiten Bruder von Marc Antoine....deutsch
Commentaire sur le livre des délits et des peines,
Genève, 1766, 120 pp.
Voltaire rechnet hier mit den Rechtsprechungs- und Strafverfolgungspraktiken
seiner Zeit ab. Er greift Kirche, Religion, Adel und die Richter wegen ihrer
barbarischen Urteile und Todesstrafen gegen vollkommen Unschuldige an. Er
geißelt Ketzerverfolgungen und Hexenverbrennungen: “fügt man diesen
gerichtlichen Massenmorden (ca 100.000 Hexenverbrennungen) noch die unendlich
höhere Zahl der hingeschlachteten Ketzer hinzu, so erscheint dieser Teil der
Welt nur als ein gewaltiges Blutgerüst, bedeckt von Henkern und Opfern, umgeben
von Richtern, Schergen und Zuschauern”. Voltaire fordert die Abschaffung von
Folter, Todesstrafe und Strafverfolgung aus religiösen Gründen. Seine Schrift
ist von einem tiefen Unrechtsempfinden durchdrungen, eine klare Vorbotin der
französischen Revolution.
L`A.B.C.
ou dialogues entre A.B.C., Genève, 1768, 160 pp.
Ein noch heute hochinteressantes Gespräch über die Themen: Von der Seele, Ob ein
Mensch böse geboren wird, Vom Naturgesetz und der Neugier, Von der Theokratie,
Von den Regierungsarten, Ob das heutige Europa besser ist als das ehemalige, Von
Leibeigenen, Von den Geistessklaven, Über die Religion, Vom Kriegsrecht, Vom
Recht der Treulosigkeit, Von der besten Gesetzgebung....Zitat
L`Homme
au Quarante Ecus 1768
Jeder Landwirt soll theoretisch einen Reingewinn von 40 Thalern erwirtschaften.
Voltaire, zeigt, wieviel ihm davon angesichts eines höchst ungerechten
Steuersystems übrigbleibt und wieviel dagegen Aktienbesitzer, kirchliche
Würdenträger und Nichtstuer zum Steueraufkommen beitragen: nämlich gar nichts.
Noch heute hochaktuell.
Fragment sur le procès criminel de Monbailli roué et brulé vif à
Saint-Omer en 1770, , Genève, 1773
Dies ist der gar nicht unparteiische Bericht über den Prozess gegen den vollkommen
unschuldigen Monbailli, der aus bloßer Willkür zum Tod des Räderns verurteilt
wurde. Seine Frau sollte als Mittäterin auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden,
konnte jedoch durch das beherzte Eingreifen Voltaires gerettet werden. Voltaire
zeigt an diesem Beispiel, auf welch niedrigem Niveau eine Rechtsprechung steht,
die sich jenseits der Fakten am bloßen Hörensagen orientiert.
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