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Voltaire Werkverzeichnis Deutsch







Kurzbiographie Voltaires lesen


Comtesse von Bentinck Freundin Voltaires

Emilie=
Emilie du Châtelet
1706 - 1750

Collini
Cosimo Alessandro
Collini 1727 - 1806

d'Argental
Charles Augustin
Comte d'Argental

1700 - 1778

Luise Dorothea v. Gotha-Sachsen Anhalt
Luise Dorothea von
Sachsen Gotha Altenburg 1710 - 1767

Luise Dorothea v. Gotha-Sachsen Anhalt
Marie-Marguerite-
Élisabeth de Rupelmonde 1688 - 1752

Charlotte Sophie von Bentinck
Charlotte Sophie von Bentinck 1715 - 1800

Emilie du Chatelet Ausschnitt (Computerbearbeitung) aus einem Portrait des 18 Jahrhunderts

Emilie
du Châtelet

-Lebenslauf
-Werk
-Links

Emilie - die göttliche Emilie, wie Voltaire sie nannte - war eine absolute Ausnahmeerscheinung, wie sie in jedem Jahrhundert nur einmal vorkommt und es war ein großes Glück, dass sie die andere Ausnahmeerscheinung, Voltaire, kennenlernte und liebte. Sie war eine Frau des Geistes, der Wissenschaften und der Leidenschaften. Was für sie attraktiv war, sei es Mensch, Sache oder geistiges Werk, wollte sie voll und ganz für sich gewinnen und genießen. Und das jenseits von Moral und Etikette. Sie besuchte die Kaffeehäuser in Paris, obwohl es für Frauen verboten war, sie lebte 15 Jahre lang mit Voltaire in Cirey, dem Schloss ihres Ehemannes, sie korrespondierte mit den führenden Wissenschaftlern und Philosophen ihrer Zeit, übersetzte aus dem Englischen, Altgriechischem und Lateinischen. Wen sie liebte, liebte sie ganz, wenn sie am Spieltisch saß, wagte sie alles und gewann, dank ihres phänomenalen Gedächtnisses, große Summen. Ihre kurze Schrift: “Discours sur le bonheur” (Rede vom Glück) zeugt davon, daß sie all dies bewusst tat und geschickt verteidigte - gegen alle Pfaffen ihrer und sogar unserer Zeit.

Lebenslauf

  • 1706 am 17. Dezember  Geburt von Gabrielle-Émilie Le Tonnelier de Breteuil als Tochter des sehr wohlhabenden, damals bereits 58jährigen Louis-Nicolas Le Tonnelier de Breteuil, Baron von Breteuil und Preuilly,  und seiner zweiten Frau Gabrielle-Anne de Froulay, die einer Familie mit militärischer Tradition entstammte und nicht minder wohlhabend war. Sie hatte also Glück und wurde in eine Familie der französischen Hocharistokratie hineingeboren
  • 1718 Emilie beginnt mit einer Übersetzung der Aeneis von Virgil und von Aristoteles Politik und Ästhetik. Sie spricht außerdem Englisch und Italienisch.
  • 1725 Hochzeit mit  dem damals 30 jährigen Marquis  Florent-Claude du Châtelet-Lomont, Herr von Sémur, Colonel eines Infanterieregiments, aus einer alten Lothringer Adelsfamilie, deren Reichtum und Einfluß allerdings ziemlich am verblassen war.
  • 1726 Geburt ihrer Tochter Gabrielle Pauline.
  • 1727 Geburt ihres Sohnes Florent Louis.
  • 1728 Tod ihres Vaters
  • 1733 Begegnung mit Voltaire und Beginn der Liebesbeziehung
  • 1734 Mathematikstunden bei Maupertuis und Liaison mit diesem. Die Lettres philosophiques Voltaires werden verurteilt. Emilie und Voltaire gehen nach Cirey.
  • 1735 Emilie übersetzt Mandeville's Fable of the Bees.
  • 1735 erscheint ihre Übersetzung von Virgils Aeneis, die lange Zeit verbindliche Übertragung ins Französische, sie wurde in den Schulen bis ins 20.Jahrhundert benutzt
  • 1736 Emilie Du Châtelet schreibt 3 Kapitel der  Grammaire raisonnée von Voltaire. Das Werk wurde jedoch nie veröffentlicht. Es behandelt die Beziehung zwischen Logik und Sprache.
  • 1737 Emilie reicht ihren Essay 'Sur la Nature du feu' zu einem Wettbewerb der Academie des Sciences ein; sie gewinnt zwar den Preis nicht, ihre Arbeit wird jedoch in den Band der besten Arbeiten aufgenommen.
    Erste Arbeiten an Examen de la Genèse (1737-42), einem Bibelkommentar. Texte der Bibel werden kritisch beleuchtet. Generell lehnt Emilie Du Châtelet, ähnlich wie Voltaire, geoffenbarte Religionen ab. Sie hängt einem deistischen Weltbild an: “Wie amüsant, daß die ersten 3 Tage (der Genesis) durch Abend und Morgen begrenzt wurden, bevor am 4. Tag die Sonne erschaffen wurde.”
  • 1739 Veröffentlichung der Institutions de Physique. Voltaire bei Friedrich II.
  • 1741 Literarischer Dialog mit dem Sekretär der Akademie der Wissenschaften, Dortous de Mairan über das Wesen der forces vivante.
  • 1744 Ende der Liebesbeziehung mit Voltaire
  • 1746 Discours sur le Bonheur (1746-48). Emilie Du Châtelet verteidigt die menschlichen Leidenschaften und zeigt, daß das menschliche Glück in der Erfüllung der aus diesen erwachsenden Bedürfnisse besteht. Der Verstand ist dazu da, diese Erfüllung möglichst dauerhaft und problemlos zu gewährleisten..
  • 1748 Liebesbeziehung zu Saint Lambert
  • 1749 Vollendet die Übersetzung von Newton's Principia Mathematica.
    Aus der Beziehung mit Lambert Geburt einer Tochter.
    Tod an den Folgen der Geburt am 10. September in Lunéville.

Werke:

einzig die “Rede über das Glück “ (Discours sur le bonheur) ist in deutscher Sprache  erhältlich.

  • Institutions de Physique . beschäftigt sich mit physikalischen Fragen wie der Natur des Gewichtes, der Anziehungskraft. Außerdem spielt die Frage der Theodizee eine wichtige Rolle: wie kommt das Böse in die Welt.
  • Newton Principia Mathematica.   Übersetzung vom Lateinischen ins Französische. Stellt den Übergang  Emilie du Châtelets von der Metaphysik Leibniz´ zur Physik, von der Spekulation zur Wissenschaft dar.
  • Mandeville The Fable of the Bees . Übersetzung aus dem Englischen ins Französische. The Fable of the Bees enthält auch  'An Enquiry into the Origin of Moral Virtue', eine Schrift die generell verdammt wurde, jedoch nach Ansicht von Mme du Châtelet einer der besten Abhandlungen über die Moral darstellt, die je geschrieben wurden. Das Buch enthält folgenden Kommentar Emilie du Châtelets über Frauen als Menschen zweiter Klasse:
      “Lassen wir den Leser darüber nachdenken, daß zu keiner Zeit in so vielen Jahrhunderten eine gute Tragödie, ein guter Roman, ein beachtenswertes Märchen, ein gutes Gemälde, ein Physikbuch jemals von einer Frau stammt, warum diese Wesen, die in der ähnlichen Weise wie Männer zu verstehen scheinen, durch unüberwindbare Hindernisse davon abgehalten werden. Lassen wir die Menschen einen Grund dafür finden, aber bis sie ihn finden, haben Frauen Grund gegen ihre Erziehung zu protestieren. Wenn ich König wäre, ich würde einen Mißbrauch abschaffen, der die Hälfte der Menschheit zurücksetzt. Ich würde Frauen an allen Menschenrechten teilhaben lassen, insbesondere an den geistigen. Es scheint als wären sie nur  geboren, um zu täuschen, dieses scheint die einzig intellektuelle Übung zu sein, die ihnen erlaubt ist. Die neue Erziehung würde der gesamten Menschheit zugute kommen. Frauen würden mehr wert sein und Männer könnten sich mit ihnen messen. Ich bin überzeugt, daß sich viele Frauen aufgrund ihres Bildungsmangels ihrer Begabungen gar nicht bewußt sind oder daß sie sie verbergen wegen der Vorurteile gegenüber  ihren intellektuellen Fähigkeiten. Meine eigene Erfahrung bestätigt dieses: Das Glück brachte mich mit gebildeten Menschen zusammen, die mir die Hand zur Freundschaft reichten. Da begann ich zu begreifen, daß ich ein geistiges Wesen sei.”
  • Discours sur le bonheur , Emilie du Châtelet, deutsch: Rede vom Glück, übersetzt von Iris Röbling Berlin 1999 Friedenauer Presse. Ein sehr schön gemachtes Büchlein, das der Berliner Kleinverlag von dem optimistischen und lebensbejahenden Werk Emilie du Châtelets herausgebracht hat. Hervorragende Übersetzung!
  • Examen de la Genèse (1737-42) kritischer Kommentar zur Genesis, der Enstehung der Welt, wie sie uns in der Bibel nahegebracht werden soll.

  • Links
    Sekundärliteratur:

     

    • Emilie und die Formeln  des Glücks ist der Titel eines Theaterstücks von Susanne Franz, das Ende Juli 2010 unter ihrer Leitung in Freiburg im Breisgau aufgeführt werden wird. Madame Du Chatelet, wie sie ihre Tätigkeit als Wissenschaftlerin und das Zusammenleben mit Voltaire zu ordnen versucht, ihre Leidenschaft und ihr Temperament kommen auf die Bühne. Näheres über die Aufführung mit dem schönen Titel erfährt man hier: http://www.theaterlaune.de/

    • Bodanis, David, Emilie und Voltaire. Eine Liebe in Zeiten der Aufklärung, Deutsch von Hubert Mania, Reinbek 2007, 443 S. David Bodanis, Autor diverser Werke über bedeutende Entdeckungen der Wissenschaft, zeichnet hier die Lebensgeschichte Emilie du Châtelets nach und würdigt ihre große intellektuelle Leistung als erste Frau in Europa, die sich als Naturwissenschaftlerin Anerkennung verschaffte. Ihre Liebesbeziehung zu Voltaire erzählt Bodanis aus der vermeintlichen Sicht Emilies und wird deshalb der Bedeutung Voltaires nicht gerecht. Trotzdem lesenswert, enthält zahlreiche weiterführende Literaturangaben, vor allem aus dem englischen Sprachraum. mehr in der ausführlichen Rezension zu diesem Werk...
       

    • Emilie, Emilie, L`ambition féminine au XVIIIème siècle E.Badinter Flamarion, 1983. Badinter vergleicht das Leben Emilie du Châtelets mit dem der Mme de Epinay, der Freundin Goethes, wobei es vor allem um die Frage geht, wie es kam, daß beide die weibliche Rollendefinition (liebevoll, duldsam, fürsorglich, sich unterordnend) überwinden konnten. Ein sehr interessantes und zum Nachdenken anregendes Buch. Nicht ins Deutsche übersetzt.
       
    • Die göttliche Geliebte Voltaires   Das Leben der Émilie du Châtelet, Samuel Edwards, Stuttgart 1971 DVA Übersetzung aus dem Amerikanischen von Anne Uhde ( The Divine Mistress, Samuel Edwards 1970)
      Ist ein  spannend und mit Respekt vor den beiden größten Köpfen ihrer Zeit geschriebens Buch. Seltsam, daß es in der im Schloss von Cirey erhältlichen kleinen Broschüre “Voltaire à Cirey” nicht erwähnt wird. Leider enthält die deutsche Version keine Literaturangaben und kein Werkverzeichnis.

    Internet:

    • http://www.visitvoltaire.com Eine liebevoll gemachte Seite über Emilie du Châtelet, Voltaire und Cirey.  Nur mit der Einschätzung, Voltaire sei “Gast” in Cirey gewesen, kann man nicht recht einverstanden sein. Er war nicht gerade Gast von Emilie, er war 15 Jahre lang ihr Lebensgefährte, Geliebter, Mann - und all dies, obwohl sie verheiratet war und Kinder hatte.  Sehr unschön ist außerdem, daß die beeindruckende Schrift Emilie du Châtelets: Discours sur le bonheur (“Rede vom Glück”) nicht einmal erwähnt wird.

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