Michel Servet

spanischer Arzt, geboren am  29.September 1511 in Villanueva de Sijena. In seinem 1531 in Hagenau bei Straßburg erschienenen Werk »De Trinitatis erroribus libri septem« wendet er sich gegen die Dreieinigkeitslehre der Kirche. In Frankreich deshalb am 17.6.53 erstmals zum Tode verurteilt, flieht Servet nach Genf, um dort Schutz zu suchen. Doch Calvin kennt keine Gnade.
Am 27.10. 1553 ergeht das Todesurteil: »in dem Wunsch, die Kirche Gottes von solcher Ansteckung zu reinigen und von ihr dieses verfaulte Glied abzuschneiden... im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes... gebunden zu werden und an den Ort Champel geführt zu werden, und ebendort an einen Pfahl gebunden und lebendig verbrannt zu werden, zusammen mit deinem von deiner Hand geschriebenen und dem gedruckten Buch, solange bis dein Körper in Asche verwandelt ist.«  Michel Servet wird am selben Tag in Genf buchstäblich zu Tode geröstet.



Eine ausführlichere Biographie Servets  findet man im  Biographischen-Bibliographischen Kirchenlexikon, das nebenbei bemerkt Voltaire als katholischen französischen Aufklärer einführt! Es ist noch einiges von der Bösartigkeit des 16. Jahrhunderts in Genf zu spüren, wenn man in diesem kenntnisreichen Artikel vom Autor Helmut Feld über Michel Servet liest:

“Zweifellos gehört er zu den großen Märtyrern, die für ihre persönliche Gewissensüberzeugung in den Tod gingen. Geschichtlich und moralisch gesehen richtet sich das Todesurteil von Genf (und natürlich auch das von Vienne!) nicht gegen ihn, sondern gegen weltliche und kirchliche Amtsträger, Richter und Theologen, die an seiner Auslöschung entweder in grausamen und eindeutigen oder in heuchlerischen und zweideutigen Formulierungen beteiligt waren. Seine aus dem Gefängnis in zierlicher, deutlicher Schrift geschriebenen Briefe, deren Originale im Staatsarchiv von Genf erhalten sind, kann man auch heute nicht ohne Bewegung lesen (»Die Flöhe fressen mich bei lebendigem Leibe«; »Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit!«). Durch Errichtung von Denkmälern an seiner Hinrichtungsstätte in Genf (1903), in Annemasse (1908) und in Vienne (1912) hat man eine posthume Wiedergutmachung versucht. Wichtiger wäre eine eingehende historisch-psychologische Untersuchung der Persönlichkeit S.s, die noch aussteht. Zweifellos ist er als Kranker, körperlich und psychisch schwer Verletzter durchs Leben gegangen”

Lieber Herr Feld, was gibt es Wichtigeres, als die Errichtung von Denkmälern, die an die Schandtaten Ihrer Kirche erinnern? Lieber Herr Feld, wie konnte Ihr gelehrter Kopf zum Urteil kommen, das Todesurteil richte sich nicht gegen Servet, sondern eigentlich gegen die Täter? In welcher moralischen Hinsicht, in welcher geschichtlichen? Sie haben wohl sagen wollen, das Todesurteil sei für die Täter in geschichtlicher und moralischer Hinsicht eine Schande und gar nicht für Servet, nur, das hätten Sie sich auch sparen können, denn bei gutartiger Gesinnung würde man etwas anderes wohl kaum in Erwägung ziehen, oder wollten Sie damit der sympathischen Meinung Ausdruck verleihen, dass das Todesurteil eigentlich die Vertreter der aufgeführten Gruppen hätte treffen sollen?

Zur Geschichte der Errichtung des Gedenksteins gibt es einen interessanten Artikel in wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Servetus-Gedenkstein. Die Gedenkstätte in Genf mit der fragwürdigen Inschrift (Photo aus der sehenswerten Hugenottenausstellung im französischen Dom, Berlin) liegt dort, wo
die Avenue de la Roseraie in die Avenue de Beau-Séjour mündet - es ist die Stelle, an der man Servet zu Tode geröstet hat.




Abschliessend noch eine Anmerkung zu den 3 verbliebenen Exemplaren von Servets Werk: Wieviele Exemplare werden einst von dieser Internetseite der Nachwelt erhalten bleiben? Dieses angebliche Medium der Freiheit wäre also historisch gesehen ein Medium des Vergessens, also der Unfreiheit und Verblödung.