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Berlin 2014 Andrea Weisbrod, Madame de Pompadour und die Inszenierung der Macht, Berlin: Aviva 2014, 206 S. weisbrod, pompadour  

Kunsthistorikerin vom Fach, hat Andrea Weisbrod dreizehn Jahre nach ihrer Promotion (Von Macht und Mythos der Pompadour, im Helmer Verlag erschienen) eine ausgesprochen lesenswerte zweite Annäherung an das Thema vorgelegt und man kann ihr nur dafür dankbar sein, daß sie sich dieser Mühe unterzogen hat. Damit kein falscher Eindruck entsteht: die Anstrengung merkt man dem Text nicht an, ganz im Gegenteil. Es ist ein leicht, fast beschwingt geschriebenes Buch, das den Leser bei der Hand nimmt und ihn in das Reich des absolutistischen Frankreich Mitte des 18. Jahrhunderts einführt. Daß dies anschaulich anhand der berührenden Porträtgemälde der Pompadour, die sie selbst bis ins Detail geplant hat, geschieht, stellt den besonderen Reiz dieses Buches dar und daß es gelingt, wie es gelingt, ist das Ereignis, das es uns als Leser erleben läßt.  mehr (vollständige Rezension)

Berlin 2014 Marcus C. Kerber, Ein deutsch-französisches Spannungsverhältnis, Aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich II., Berlin: Edition Europolis, o.J. [2014], 36 S.  

Kerber, dessen Lebenslauf einige Kenntnisse über Frankreich erwarten ließe, ist wahrscheinlich - vielleicht enttäuschte Liebe? -  ein Frankreichhasser. Zumindest aber einer, der die französische Aufklärung, somit deren Repräsentanten Voltaire vehement ablehnt, dem preussischen Kriegsherren und Monarchen Friedrich II aber überschwenglich positiv gegenübersteht. Damit ist schon alles gesagt, lesen muß das nur, wer 14,80 € für 36 S. ausgegeben hat. Zum Abschluß noch eine Auswahl seiner Beschimpfungen, alle auf Voltaire bezogen: "..ergeht sich in Elogen, Schmeicheloffensive, nicht die geringsten Skupel, Schmähschriften gegen die Kirche, literarischer Kollaborateur, ein mit literarischen Talenten ausgestatteter Intrigant, skrupellose Intriganz, Falschheit des Franzosen..." -  welche Anmaßung eines deutschen Professors für Finanzakrobatik!

München 2013 Philipp Blom, Böse Philosophen, Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung, München: dtv 2013, 400 S. blom, böse philosophen


Ein Autor, der schon im Prolog (S.17) mit dem Satz aufwartet: “Voltaires … Gedanken bestehen aus nicht viel mehr als gesundem Menschenverstand, mit viel Witz auf Hochglanz poliert, während seine politischen Kampagnen und seine Positionierung ihn als gerissenen, mit allen Wassern gewaschenen Politprofi zeigen, dem letztendlich nichts wichtiger war als die eigene Reputation und das eigene beträchtliche Vermögen“ wird von unserer Seite - wen wird das erstaunen – kaum Sympathie erwarten dürfen: Hat er von Voltaire nichts gelesen? Alles nur abgeschrieben? Der angebissene Apfel weist den Weg, die Rede von Voltaires „politischen Kampagnen“ und von seiner „Positionierung“, die dem sonst so blumigen Blom kein Adjektiv wert ist. Dieses Adjektiv heißt aber ‚antiklerikal’ und ist der Schlüssel zum Verständnis dieser neuesten Variante, das Erbe Voltaires zu beschmutzen, das in nichts weniger als in dem Bewusstsein besteht, daß persönliche Freiheitsrechte nicht umsonst zu haben sind und ohne vernetzte Gegenwehr untergehen, wobei die Gegner damals wie heute mit einem sehr gut organisierten Lügenkartell an der Errichtung einer herdenartigen Schafsgesellschaft arbeiten. mehr (vollständige Rezension)

Hamburg,2012 H.J. Schädlich, Sire ich eile, Voltaire bei Friedrich II, Eine Novelle, Hamburg: Rowohlt, 143 S. schädlich sire ich eile


Rechtzeitig zur 300 Jahrfeier Friedrichs II. hat Schädlich sein kleines Büchlein von 142 Seiten vorgelegt, ein Text, für den 100 Seiten ausgereicht hätten, wenn man die Leerräume am Kapitelende und –anfang weniger ausgedehnt hätte und 60, wenn man nicht hinter fast jedem Satzende eine neue Zeile angefangen hätte. Deshalb zögert man beim Kauf, denn 16 € sind teuer bezahlt für reale 60 Seiten und für ein Büchlein, dessen Inhalt im Internet (z.B. bei www.correspondance-voltaire.de) gratis zur Verfügung steht. Selbstverständlich findet man aber in den sonst gewissenhaft  aufgeführten Quellen keine einzige Internetseite, vielleicht, weil das Zitieren aus dem Internet noch immer als unschicklich gilt, was uns einleuchtet, denn wenn die Äpfel im Gemeindegarten gratis gepflückt werden können, wird der Obst und Gemüseladen an der Ecke darauf bestimmt niemanden aufmerksam machen wollen. Trotzdem wäre ein kleines Dankeschön für einige gratis angelieferte Äpfel sympathisch gewesen. mehr (vollständige Rezension)

Freiburg, 2010 Peter Priskil, Die Karmaten oder: Was arabische Kaufleute und Handwerker schon vor über 1000 Jahren wussten: RELIGION MUSS NICHT SEIN, Ahriman Verlag 2010 (2. erweiterte Auflage), 410 S. Wenige nur kennen die Karmaten, ein Volk, das vor über 1000 Jahren die erste religionsfreie Gesellschaft der Geschichte auf dieser Kulturstufe aufgebaut hat und deshalb – die islamistischen und christlichen Kirchen haben das ihnen mögliche dafür getan -, nahezu in Vergessenheit geraten ist. Seine Geschichte steht im Mittelpunkt dieses Buches, das über ihre außerhalb von Fachkreisen völlig unbekannte Gesellschaft berichtet, die das Ziel der philosophes um Voltaire, die Befreiung von den anmaßenden und gewalttätigen Organisationen der Kirchen, immerhin 100 Jahre lang in die Praxis umgesetzt hat. Schon allein aus diesem Grund ist dieses Werk für jeden, der in der Tradition Voltaires steht, von besonderem Interesse. mehr (vollständige Rezension)
Berlin, 2010 Voltaire Die Affäre Calas, herausgegeben und mit einem Nachwort  versehen von Ingrid Gilcher-Holtey, Berlin: Insel, 2010, 295 S.
Wer den Justizmord Calas und den Erfolg Voltaires verstehen will, muss vor allen anderen Dingen die Stellung der Kirche im absolutistischen Frankreich untersuchen und gerade hier muss man leider feststellen, dass deren Rolle im Toulouser Ketzerprozeß in diesem Buch seltsam fremd und schemenhaft bleibt, eigentlich so gut wie gar nicht analysiert wird. So als ob man die Weinherstellung beschreiben und die dabei wirkenden Hefen nicht erläutern würde.
Immerhin sei positiv vermerkt, dass die Autorin das ungeheure Unrecht korrekt benennt und die Leistung Voltaires würdigt, freilich, wie gesagt,  ohne den Haupttäter, die Kirche, vorzustellen und anzuklagen. So kommt es, wie es kommen muß: diese Würdigung, mit den erstmals übersetzten, aber fast ohne Anmerkungen abgedruckten Briefen, geht, im universitären Alltagsbetrieb eilig zurechtgezimmert, in eine unübersichtliche Bücherwelt kurzatmig hineingeworfen, ebenso unter wie die Schönheit einer Blüte unterm Laub vom Vorjahr bei extremer Trockenheit. mehr (vollständige Rezension)
Ubstadt 2009 Jörg Kreutz, Cosimo Alessandro Collini (1727 - 1806),Ein europäischer Aufklärer am kurpfälzischen Hof, Ubstadt-Weiher: Verlag Regionalkultur 2009, 682 S.
Mit erstaunlicher Detailgenauigkeit geht Jörg Kreutz zu Werke, um der Biographie Collinis auf die Spur zu kommen. Dabei zieht er alles heran, was vor allem die französische Voltaireforschung in den letzten Jahrzehnten in akribischer Kleinarbeit zu Tage gefördert hat. Das Buch ist daher äußerst materialschwer, von 650 Seiten nimmt allein das Quellen und Literaturverzeichnis schon ein Drittel ein, die Anmerkungen besetzen fast ein weiteres Drittel, so daß der eigentlich interessante und flüssig geschriebene Text leider in einem Wald von Querverweisen unterzugehen droht. Das liegt natürlich daran, daß es sich hier um eine ernste Inauguraldissertation handelt, was nicht negativ gemeint sein soll, denn das Werk ist eine wertvolle Fundgrube wichtiger Quellenangaben. Trotzdem hätte es einer Veröffentlichung mit Interesse an Collini - und dieses ist bei Kreutz unzweifelhaft vorhanden - besser getan, den Text mit weniger Anmerkungen und etwas gestrafft für eine breitere Leserschaft herauszubringen. mehr (vollständige Rezension)
Reinbek, 2007 David Bodanis: Émilie und Voltaire, Eine Liebe in Zeiten der Aufklärung. Deutsch von Hubert Mania, 443 S.
David Bodanis ist Autor diverser Werke über bedeutende Entdeckungen der Wissenschaft. Bodanis Verdienst ist es, dem durchschnittlich Informierten  physikalische Zusammenhänge, die üblicherweise - mit dem Namen einer berühmten Person etikettiert - unverstanden im Wissensspeicher der Halbbildung abgelegt werden, verständlich zu machen, indem er sie in ihrem historischen Zusammenhang zeigt und beleuchtet. Während er sich mit der Relativitätstheorie Einsteins beschäftigte, entdeckte er Émilie du Ch
â telet, deren Geschichte ihn so faszinierte, dass er beschloss, ihrem Leben und Schaffen mit 'Passionate Minds' - so lautet der Titel seines Buches in der englischen Originalausgabe - ein eigenes Werk zu widmen. Hier zeichnet er ihre Lebensgeschichte nach und würdigt die große intellektuelle Leistung Emilie du Châtelets, die ihr als erster Frau in Europa breite Anerkennung als Wissenschaftlerin verschaffte. mehr (vollständige Rezension)...
 
Würzburg, 2006 Etienne Bonnot de Condillac:
Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis. Übersetzt, herausgegeben und mit einer Einführung versehen von Angelika Oppenheimer
306 S.

Condillac (1715-1780) ist nicht irgendein Philosoph, er war der meistgelesene und äußerst vielseitige Autor in der Nachfolge des Sensualismus/Empirismus, der als Erster die Bedeutung der Sprache für den Erkenntnisprozess und die Notwendigkeit erkannte, Phylogenese und Ontogenese erkenntnistheoretisch zu verbinden. Niemand beginnt bei Null, jeder findet, kaum geboren, einen riesigen Erfahrungsschatz vor, in der Sprache aufbewahrt und gleichwohl muss das Individuum seinen Ausschnitt dieses Schatzes auf dem Wege der Verarbeitung sinnlicher Eindrücke jeweils neu für sich ‚entdecken’ mehr (vollständige Rezension)...
 
Frankfurt/M, 1996 Pierre Lepape:Voltaire, le conquérant, Seuil: Paris, 1994, deutsch: Voltaire oder die Geburt des Intellektuellen im Zeitalter der Aufklärung, aus dem Französischen von Gabriele Krüger-Wirrer, Campus: Frankfurt/M, 1996, 376 S.

Die Arbeit Lepapes, eines Journalisten der renommierten Zeitung Le Monde, will keine Biographie sein - der deutsche Titel zeigt die wirkliche Absicht schon eher - , ist aber dennoch biographisch im besten Sinne des Wortes: das Werk folgt den Spuren, die Voltaire, auch um zu täuschen, gelegt hat, gewissenhaft und zuverlässig, in der Absicht, die richtige Fährte nicht aus dem Blick zu verlieren - und, je weiter sein Text voranschreitet, gelingt ihm sein anspruchsvolles Vorhaben immer besser.
Während man zu Beginn noch abgestossen ist von dem Korsett eines strukturalistischen Ansatzes, das mit Voltaire soviel gemein hat wie die chemische Zusammensetzung der Farben eines Gemäldes mit dem Dargestellten, präsentiert sich dem Leser am Ende des Buches ein von seinem Gegenstand restlos begeisterter Autor, Voltaire hat nicht nur Frankreich, sondern auch ihn selbst erobert, so, wie es im Titel der französsichen Ausgabe heißt: Voltaire, le Conquérant.
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