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La Mort de Mademoiselle Lecouvreur



Das Gedicht Voltaires ist ein Aufschrei angesichts der Tatsache, daß die Kirche der berühmten Schauspielerin Adrienne Lecouvreur (1692-1730) in Frankreich ein ordentliches Begräbnis verwehrte
Der Tod von Mademoiselle Lecouvreur (eigene, freie Übersetzung)

Was sehe ich? Oh weh! diese Lippen so reizend,
Oh weh! Diese Augen so beredt und feurig,
Erleiden des Hinscheidens fahle Schrecken!
Musen, Grazien, Götter der Liebe, deren Abbild sie war,
Oh meine und ihre Götter, rettet euer Geschöpf!
Was sehe ich? Es ist vollbracht, ich umarme Dich und Du stirbst!
Du stirbst - man kennt schon die schreckliche Nachricht;
Mein tödlicher Schmerz bewegt alle Herzen.
Und ich höre verzweifelt rufen die weinenden Künste:
“Melpomene*1 ist nicht mehr.”
Was werdet ihr sagen, Zukünftige,
hört ihr vom schändlichen Unrecht
welches den trauernden Künsten zufügen grausame Menschen?
Sie versagen die Bestattung
Ihr, der Athen hätte errichtet Altäre.
Wäre sie noch von dieser Welt, sie schmachteten nach ihr
Ich sah, wie zu ihren Füßen alle sich drängten.
Doch kaum ist sie nicht mehr, gilt sie als Verbrecherin!
Sie, die die Welt bezauberte, von euch dafür bestraft!
Nein, diese Böschung ist nicht länger gewöhnlich
Was deine Asche trägt, dies traurige Grab,
Geehrt durch unsere Gesänge, geheiligt durch deine Manen*2,
Soll uns eine neue Kirche sein!
Hier sei mein Saint-Denis*3; ja, hier, wo ich huldige
Deiner Begabung, deinem Geist, deinen Reizen;
Ich liebte sie im Leben, verehre sie noch immer
Trotz der Schrecken des Todes,
Trotz des Irrtums und der Undankbaren,
Denn nur ihnen sei dies Grab entehrender Schandfleck.
Ah! sehe ich noch immer meine schwache Nation
Unsicher in ihrem Begehren, verratend, was sie bewundert,
Unsere Sitten stets im Gegensatz zu unsren Gesetzen;
Und der Franzosen Leichtigkeit erstickte unterm Empire
Der Aberglaube?
Wie! Wagen also nur in England,
Die Sterblichen zu denken?
Oh Rivalin Athens, Oh London! Glückliches Land!
Wie ihr wusstet die Tyrannen zu verjagen
So die schändlichen Vorurteile, die euch brachten den Krieg.
Hier kann alles man sagen, jedem winkt Lohn;
Keiner Kunst Verachtung, dem Erfolg sein Ruhm.
Der Bezwinger von Tallard*4, der Sohn des Sieges,
Der feine Dryden*5 und der weise Addison,
Die reizende Ophils*6 und der unsterbliche Newton,
Erhalten ihren Platz im Tempel der Erinnerung:
Und Lecouvreur in London hätte ihr Grab
Unter den Künstlern, den Königen und den Helden.
Geistesgaben machen einen Menschen in London bedeutend.
Überfluß und Freiheit haben bei euch
Nach 2000 Jahren wieder zum Leben erweckt
Den Geist von Griechenland und Rom.
Der Lorbeer Apollons*7 in unseren unfruchtbaren Feldern
Die vernachlässigte Pflanze, sie ist schon verwelkt?
Götter! mein Land, warum ist es nicht mehr das Vaterland
Sowohl des Ruhms, als auch der Gaben des Geistes?



*1 Melpomene ist in der griechischen Götterwelt die Muse der Lyrik und des Gesangs, Tochter von Zeus und Mnemosyne, Göttin der  Erinnerung
*2 Manen sind in der römischen Religion die guten Geister der Toten, sie repräsentieren die Seele der Verstorbenen
*3 In Saint Dénis bei Paris befindet sich die Nekropole der Könige Frankreichs, die Grabstätte fast aller Könige
*4 der Bezwinger war der englische Graf Marlborough, der mit seiner Armee die französisch-bayrischen Truppen Tallards bei der Schlacht von Hochstett im Jahre 1704 vernichtend geschlagen hatte.
*5 John Dryden, Englischer Dramatiker (1631-1700)
*6 Ophils Voltaire meint Anne Oldfield oder Oldfields,berühmte englische Schauspielerin, die am 23 Oktober  1730 starb und in Westminster-Abbaye begraben wurde
*7 Apoll, griechischer Gott der Dichtung und der Musik

zur weiteren Information über die antike Götterwelt sollte man die Seite www.sungaya.de “das schwarze Netz” heranziehen
La Mort de Mademoiselle Lecouvreur

Que vois-je? quel objet! Quoi! ces lèvres charmantes,
Quoi! ces yeux d’où partaient ces flammes éloquentes,
Éprouvent du trépas les livides horreurs!
Muses, Grâces, Amours, dont elle fut l’image,
O mes dieux et les siens, secourez votre ouvrage!
Que vois-je? c’en est fait, je t’embrasse, et tu meurs!
Tu meurs; on sait déjà cette affreuse nouvelle;
Tous les coeurs sont émus de ma douleur mortelle.
J’entends de tous côtés les beaux-arts éperdus
S’écrier en pleurant: « Melpomène n’est plus! »
Que direz-vous, race future,
Lorsque vous apprendrez la flétrissante injure
Qu’à ces arts désolés font des hommes cruels?
Ils privent de la sépulture
Celle qui dans la Grèce aurait eu des autels.
Quand elle était au monde, ils soupiraient pour elle;
Je les ai vus soumis, autour d’elle empressés:
Sitôt qu’elle n’est plus, elle est donc criminelle!
Elle a charmé le monde, et vous l’en punissez!
Non, ces bords désormais ne seront plus profanes;
Ils contiennent ta cendre; et ce triste tombeau,
Honoré par nos chants, consacré par tes mânes,
Est pour nous un temple nouveau!
Voilà mon Saint-Denis; oui, c’est là que j’adore
Tes talents, ton esprit, tes grâces, tes appas:
Je les aimai vivants, je les encense encore
Malgré les horreurs du trépas,
Malgré l’erreur et les ingrats,
Que seuls de ce tombeau l’opprobre déshonore.
Ah! verrai-je toujours ma faible nation,
Incertaine en ses voeux, flétrir ce qu’elle admire:
Nos moeurs avec nos lois toujours se contredire;
Et le Français volage endormi sous l’empire
De la superstition?
Quoi! n’est-ce donc qu’en Angleterre
Que les mortels osent penser?
O rivale d’Athène, ô Londre! heureuse terre!
Ainsi que les tyrans vous avez su chasser
Les préjugés honteux qui vous livraient la guerre.
C’est là qu’on sait tout dire, et tout récompenser;
Nul art n’est méprisé, tout succès a sa gloire.
Le vainqueur de Tallard, le fils de la victoire,
Le sublime Dryden, et le sage Addison,
Et la charmante Ophils, et l’immortel Newton,
Ont part au temple de mémoire:
Et Lecouvreur à Londre aurait eu des tombeaux
Parmi les beaux-esprits, les rois, et les héros.
Quiconque a des talents à Londre est un grand homme. L’abondance et la liberté
Ont, après deux mille ans, chez vous ressuscité
L’esprit de la Grèce et de Rome.
Des lauriers d’Apollon dans nos stériles champs
La feuille négligée est-elle donc flétrie?
Dieux! pourquoi mon pays n’est-il plus la patrie
Et de la gloire et des talents?