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Kurzbiographie Voltaires lesen


Comtesse von Bentinck Freundin Voltaires


Gotha - Voltaire: im Zeichen der Freude


Voltaire kommt nach seiner Abreise aus Berlin  und einem Aufenthalt in Leipzig am 21.4.1753 nach Gotha und bleibt immerhin vier Wochen auf Schloß Friedenstein, das die Stadt weit überragt. Er genießt die zahlreichen Feste zu seinen Ehren. An Luise Dorothea schreibt er später (28.Mai 1753):

"Madame, meine leidende und umherwandernde Gestalt ist in Wabern bei Kassel beim Landgrafen und meine Seele ist in Gotha, sie liegt zu ihren Füssen, sie wird sich dort befinden so lange ich atme. Ich habe sogar Sorge, ob mich Eure ehrwürdige Hoheit nicht für den Rest meines Lebens unglücklich gemacht hat; ich werde es ihr von ganzem Herzen verzeihen. Es war ja nicht aus böser Absicht ihrerseits, aber, um   die Wahrheit zu sagen, sie hätte es berücksichtigen müssen, als sie mir so viel Schönes tat, als sie mir ein solch ergötzliches Leben ermöglichte, dass sie mich damit ewigem Bedauern überlieferte".

Empfangssalon Schloß Friedenstein
Prunksaal in Schloß Friedenstein

Und an Franziska von Buchwald am selben Tag :

Grande maîtresse de Gotha,
Et des coeurs plus grande maîtresse,
Quand mon étoile me porta
Dans votre cour enchanteresse,
Un trop grand bonheur me flatta;
Le destin jaloux me l’ôta.
J’ai tout perdu; mais ma tendresse
Avec les désirs me resta:
C’est bien assez dans ma vieillesse..
Großhofmeisterin von Gotha,
Und noch größere Meisterin der Herzen,
Als mein Stern mich trug
An ihren zauberhaften Hof
Begünstigte mich ein zu großes Glück
Das mir ein eifersüchtiges Schicksal entwendete
Ich habe alles verloren, jedoch meine Zärtlichkeit,
dazu das Verlangen, bleiben mir erhalten:
Was reichlich genug ist in meinem Alter

und:  

"...Erlauben Sie mir, Madame, meine Grüße an Herrn Großhofmeister, an die ganze Familie zu richten, an alle die Ihnen nahestehen, an Fräulein Waldner1, an Herrn von Rothberg2, an Herrn Klupfel3. Meine Indiskretion hält hier ein. Ich würde sie zu weit treiben, wenn ich hier die Liste all derer einfügen würde, die ihre Güte für mich gewonnen hat".

*1: Friederike Eleonore von Waldner war Erzieherin der Prinzessin Friederike Luise und starb 1757.
*2: Wilhelm von Rotberg (1718 - 1795), Elsässer, Oberhofmeister, Gründer der ersten Gothaischen Porzellanfabrik und Herausgeber des Gothaer Almanachs
*3: Emmanuel-Christoph Klüpfel (1712 - 1776), ehemaliger Pastor aus Genf, Hauslehrer des Erbprinzen Friedrich, Vertrauter der Herzogin, Mitarbeiter und Herausgeber des Gothaer Almanachs.


Es scheint, dass Voltaire hier auf die Mitglieder des "Orden der Einsiedler der Lebensfreude" in Gotha anspielt, deren Namen er nicht preisgeben will. Wenn dem so ist, nahm er möglicherweise an einer der Sitzungen selbst teil.
In den 14 Jahren bis zu ihrem Tod schrieb Voltaire der Herzogin 138 Briefe, diese Briefe und die Tatsache, dass er ihr ohne Sicherheiten größere Geldsummen lieh, zeigen, dass es sich bei dem oben zitierten Satz nicht um eine Höflichkeitsgeste handelte. Voltaire hat die Herzogin und ihre Freundin von Buchwald außerordentlich geschätzt.
Deshalb ist er wohl auch der Bitte der Herzogin nachgekommen, eine Geschichte Deutschlands zu schreiben. Er hat die Arbeit in der umfangreichen Schloßbibliothek zu Gotha begonnen und als  'Annales de l'Empire" bei Schoepflin in Colmar Ende 1753 mit einer Widmung an die Herzogin drucken und veröffentlichen lassen.
Am 25.Mai 1753 hat Voltaire Gotha in Richtung Kassel verlassen

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