CANDIDE oder der Optimismus

Candide ou l`optimisme. Traduit de l'allemand de Mr. le Docteur Ralph. Sans lieu, (Genf: Cramer) erschien anonym 1759.

Voltaire schrieb Candide in seiner Genfer Zeit als Satire gegen Leibniz, der behauptete, die Welt sei immer gerade so wie sie ist nach Gottes Wille zweckmäßig eingerichtet und deshalb die beste aller möglichen Welten. Voltaire hält dagegen, dass keine Rede davon sein kann, dass die Welt oder gar die menschliche Gesellschaft zweckmäßig eingerichtet, die beste aller möglichen Welten sei: die Welt ist schlecht, der Mensch des Menschen Feind, die Gesellschaftsordnung ungerecht, die Herrscher bösartig, die Religion in den Händen raffgieriger und mordbrennender Kirchenleute.  Einzig bei unzivilisierten Naturvölkern findet man Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, selbst das Völkerrecht hat sich scheinbar dorthin geflüchtet. All dies muß die Hauptperson, Candide, auf ihrer weiten Reise am eigenen Leib erfahren, ohne jedoch dabei ihren anachronistischen Optimismus zu verlieren, ein Kunstgriff, der dem Leser die Brutalität der Zustände drastisch vor Augen führt. Überhaupt führt Voltaire in 'Candide' zum ersten Mal den Begriff  des Optimisten in die Literatur ein - mit seiner ganzen ironischen Kraft. Wie würde er die Prediger von heute verlachen, die landauf, landab verkünden, man müsse nur optimistisch sein und schon sehe die Welt ganz anders aus. Der Voltaire des “Candide” ist entschieden antiklerikal, ergreift Partei für die Betrogenen und Entrechteten, ohne diese deshalb zu besseren Menschen zu machen, als sie sind. Die Gesellschaft ist erst dann ideal, wenn es gelingt, sie so zu organisieren, dass alle Beteiligten gleichermaßen aus den vorhandenen Reichtümern einen Vorteil ziehen. Ein Programm, das - auch heute noch - geradewegs zur Revolution führen muss.
In Candide kommen vor: der Preis, den ein Europäer zahlen muss, wenn er Zucker aus den Kolonien isst, die Jesuitenrepublik Paraguay, der Tod der Schauspielerin Adriane Lecouvreur und wie sich  bei ihrem Begräbnis die Kirche ewige Schande verdient hat, und das sympathische Programm Eldorados: Schönheit und Luxus für Alle!
“Candide” wurde in den USA von Lillian Hellman 1954 als Bühnenstück gegen die Kommunistenverfolgung ausgearbeitet und 1954 von Leonard Bernstein zu einer Art Musical vertont. Dazu das sehr informative Candide-Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Gyula Racz aus dem Jahr 2001
, das wir aus dem piz-Archiv (http://piz.nmz.de/aeb/kmrprojekt) gespiegelt und aktualisiert haben. ...umfassend zu Candide (Bibliographie, Rezeptionsgeschichte...): das Ausstellungsprojekt der Universität Trier., Z2010, um 250 Jahrestag der Veröffentichung Candides haben wir einen Artikel '250 Jahre Candide' verfasst, der von den Tageszeitungen 'Neues Deutschland' und 'Junge Welt' abgelehnt wurde - erstere hatte nicht einmal nötig gefunden, zu antworten, letztere verlangte Änderungen - wo hätte er sonst noch unzensiert in dieser Form erscheinen können?
In deutscher Sprache gibt es Candide in zahlreichen Ausgaben, eine der schönsten, jedoch mit  zweifelhaften politischen Bezügen, ist:

 

Candide oder der Optimismus
Mit 18 Bildern von Michael Mathias Prechtl

Gebundene Ausgabe der Büchergilde Gutenberg

 

 

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