SENONES heute
Senones ist heute ein von allen Hauptverkehrswegen abgeschnittener, liebenswert-romantisch im frühen 20. Jahrhundert stehengebliebener Ort. Sein Kloster kennt nur noch wenig von der alten, glorreichen Zeit, wo die Mönche über Tod und Leben entscheiden durften. Die Revolution hat mit dem Kirchenbesitz und der Mönchsherrschaft Schluß gemacht. Heute ist eine Fabrik in dem Gebäude untergebracht und die Bibliothek ist längst verlassen, sogar teilweise baufällig, die Bücher sind lange schon in das nahe Épinal gebracht worden. Erst seit kurzem (2001) scheinen Restaurierungsarbeiten im Gang. In der großen Klosterkirche hat irgendein in der Tradition Dom Calmets stehender Geistlicher als Andenken an den Besuch Voltaires das Faksimile seines handschriftlichen Briefes an Dom Calmet ausgehängt.
Die Erinnerung an die von den deutschen Besatzern ermordeten Einwohner wahrt eine Gedenktafel am Eingang des Klosters.

Gedenktafel

In den Mauern dieses Klosters wurden
Am 5. Oktober 1944
384 Einwohner von Senones,
Vieux-Moulins und Ménil
Auf Befehl der Gestapo festgehalten
Ihren Familien entrissen
Angeklagt des Widerstandes
Einige erlitten grausame Folterungen
Bewundernswert durch ihre stolze Haltung
Und ihren Mut wurden sie alle deportiert
am 6. Oktober
In die deutschen Vernichtungslager
245 von ihnen kamen nicht zurück
Vergessen wir nicht
Ihr langes und schmerzensreiches Martyrium
Und vereinigen wir uns in unserem
Sie ehrendenen Angedenken.
                                            
6. Oktober 1945

Auf dem großen Platz gegenüber der Kirche gibt es ein kleines Café Voltaire, von zwei Frauen in Schwarz geführt, die es irgendwie vom quartier latin nach Senones verschlagen zu haben scheint. Die örtliche Bäckerei ist gut und das kleine städtische Museum besuchenswert, wenn man gerade zu den Öffnungszeiten kommt. Die Bewohner Senones träumen von alten Zeiten, vom Fürstentum Salm-Salm, laden die Nachfahren der früheren Herrscher zu ihren Geschichtskolloquien ein, freuen sich über ein Grußwort der noch

Senones Café Voltaire

immer steinreichen Herren von Salm-Salm in ihrem Heimatkalender. Die Vermischung deutscher und französischer Bevölkerungs- elemente von früher kehrt ebenfalls wieder: wohlhabende Deutsche von der anderen Seite des Rheins erwerben hier ihre Wochenenddomizile, so ist der Ort wenigstens Samstags, Sonntags und in den Ferien bevölkert.