Die erste Begegnung

1736
Am 8.August: Erster Brief Friedrichs an Voltaire, anschließend rege Korrespondenz, in denen sich die beiden gegenseitig mit Komplimenten überhäufen.

1740
Kurz nach seiner Krönung zum König im Herbst 1740 tritt Friedrich eine Reise durch die preussischen Rheinprovinzen an mit dem Ziel, Voltaire in Brüssel zu treffen. Eine fiebrige Erkrankung hindert ihn am Weiterreisen, er bittet Voltaire, nach Schloss Moyland zu kommen und vermeidet damit auch ein Zusammentreffen mit Emilie du Chatelet  in Brüssel.

Am 11. September trifft Voltaire, von Den Haag kommend, wo er den “Antimachiavell” Friedrichs korrigierte (dessen Druck er eigentlich verhindern sollte), in Schloss Moyland ein. Er liest Friedrich aus seiner religionskritischen Tragödie “Le Fanatisme ou Mahomet le prophètevor, an der er noch auf der Fahrt nach Moyland gearbeitet hatte.
Friedrich berichtet: “Ich habe Voltaire gesehen, auf dessen Bekanntschaft ich so neugierig war. Aber ich sah ihn, als ich Fieber hatte (..). Er besitzt die Beredsamkeit Ciceros, die Liebenswürdigkeit des Plinius, die Weisheit Agrippas. Sein Geist arbeitet unaufhörlich. Er hat uns Mahomet vorgetragen, eine bewunderungswürdige Tragödie; wir waren vor Entzücken außer uns, ich  kann nur bewundern und schweigen.”

Während seines Aufenthaltes auf Schloss Moyland  wird Voltaire in eine der ersten aussenpolitischen Entscheidungen Friedrichs durch Waffengewalt verwickelt: die Bürger von Herstall bei Lüttich, seit Friedrich Wilhelm im Widerstand gegen die preussische Vorherrschaft, werden vom Bischoff von Lüttich unterstützt und weigern sich, die vom neuen König geforderte Summe von 20.000 Taler zu zahlen und ihm den Treueeid zu leisten. Voltaire nimmt Partei für Friedrich und schreibt eine Stellungnahme (in der Gazette d`Amsterdam erschienen), in der er die Rechte Preussens gegenüber der katholischen Partei nachweist. Herstall wird belagert und  zur Unterwerfung gezwungen, der Bischof muß nachgeben (sehr schön nachzulesen in: Thomas Carlyle, Friedrich der Große)

14. September: Voltaire verläßt Moyland und kehrt nach Den Haag zurück, mit der Absicht, eine umfangreich korrigierte Version von Friedrichs Anti-Machiavell zu veröffentlichen.nach Den Haag

Bis zum ersten Treffen der beiden hatte Voltaire in seiner Berichterstattung  ausdrücklich die menschlichen Eigenschaften Friedrichs und seine literarischen Qualitäten hervorgehoben: “Je l’appelle notre souverain, parce qu’il aime, qu’il cultive, qu’il encourage les arts que nous aimons …. Sa passion dominante est de rendre les hommes heureux, et de faire fleurir chez lui les belles lettres.” (Brief an Cideville 28.6.1740)  Die unter dem frischen Eindruck der Zusammenkunft geschriebenen Briefe Voltaires deuten in der Gegenüberstellung des kunstfreudigen Mäzens  (charme de la société) und des Beherrschers eines von den gewaltigsten militärischen Machtmitteln getragenen Staates (armée de cent mille hommes) bereits die Möglichkeit einer Entfremdung an. 

1750
Auf seiner Reise nach Potsdam erreicht Voltaire Kleve am 2. Juli, wo er sich ca. 14 Tage -  bis die Passiergenehmigung eingetroffen ist - aufhält. Er versucht sich von der anstrengenden Reise mitgenommen, zu erholen und für die Weiterfahrt auf den schlecht befestigten Wegen zu stärken..

1766
Voltaire fasst kurze Zeit den Plan, im Rheinland unter der Obhut des preussischen Königs eine Art "Philosophenkolonie" zu gründen, aber die in Frage kommenden Zeitgenossen reizt eine Übersiedlung von Paris an den Niederrhein nicht. Friedrich II. kommentiert Voltaires Idee so: “ “Ich sehe, dass Ihnen die Gründung der kleinen Kolonie, von der sie mir erzählt haben, am Herzen liegt (…) Dieses Haus Moyland bei Kleve, von dem Sie mir erzählen, wurde von den Franzosen verwüstet und soweit ich mich erinnere, wurde es irgendwem übereignet, der sich daran gemacht hat, es wieder seinem alten Zwecke zuzuführen.”