Leibniz
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GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ

Mathematiker und Philosoph; geb. 1.7.1646 in Leipzig;  gest. 14.11.1716 in Hannover; 

Nach Aristoteles, Descartes und Pascal ist Gottfried Wilhelm Leibnitz der letzte bedeutende Philosoph, der zu den führenden Mathematikern und Naturwissenschaftlern seiner Zeit gezählt werden kann.  Seine Naturphilosophie ist jedoch in enger Beziehung zur Metaphysik entworfen und ließe sich nur zum kleineren Teil aus den naturwissenschaftlichen Beiträgen im engeren Sinn erschließen.  Als Philosoph, der immer wieder Gegensätze in harmonischer Synthese zu vereinigen suchte, hat Leibniz Gedanken sowohl der aristotelisch-scholastischen Tradition als auch der kausalanalytischen und mechanistischen Denkweise des 17. Jahrhunderts aufgenommen.  Gerade diese Verbindung ist es, die der Leibnizschen Naturphilosophie ihr eigentümliches Gepräge gibt; Leibniz steht sowohl im Strom der sich entwickelnden modernen Naturwissenschaft als auch in gewisser Hinsicht in Opposition zu ihr. 

Leibniz´ Philosophie folgt dem Grundsatz, dass das begründende Prinzip nicht von der Art des Begründeten sein kann, wenn ein Regress ins Unendliche vermieden werden soll.  Bei Leibniz wird Gott erstmals nicht als die erste Ursache einer Ursachenkette verstanden, sondern als der außerhalb der Reihe liegende zureichende Grund für das Bestehen der Kette als Ganzer.  In ähnlicher Weise übernimmt Leibniz die Ergebnisse des traditionellen naturphilosophischen Mechanismus, begründet ihn jedoch nichtmechanistisch.  Zentralbegriff der leibnizschen Welterklärung ist die Monade, eine einfache, nicht ausgedehnte und daher unteilbare Substanz, die äußeren mechanischen Einflüssen unzugänglich ist, in deren spontan gebildeten Wahrnehmungen (Perzeption) sich jedoch das ganze Universum spiegelt.  Während Gott, die oberste Monade, deutliche Wahrnehmungen hat und damit die gesamte Entwicklung des Universums überschaut, sind die Wahrnehmungen der geschaffenen Monaden großenteils unbewusst.  Während die „Seelenmonaden“ noch über Bewusstsein und Gedächtnis verfügen, können die „nackten Monaden“ dagegen als die „wahren Atome“, die unausgedehnten Bausteine der ausgedehnten Materie, betrachtet werden.  In ihnen spiegelt sich das Universum nur noch unbewusst, d.h. diese Monaden sind eingebettet in den universalen deterministischen Zusammenhang der physikalischen Welt. 

Sind also Monaden die „wahren Atome des Universums“, so gleicht doch keine der anderen, jede hat ihren eigenen Individualbegriff (principium identitatis indiscernibilium = Prinzip von der Identität des Ununterscheidbaren).  Dass scheinbar gleich Dinge nur durch verschiedene Raum- oder Zeitkoordinaten unterschieden sein können, liegt lediglich an der unklaren Vorstellung des Menschen.  Doch müssen nach Leibniz für diese unterschiedlichen Koordinaten logische Gründe in den Monaden selbst liegen, denn die Differenzierung der Phänomene kann sich nicht sekundär aus gleichförmigen Elementen entwickeln.  Die Welt besitzt damit notwendigerweise einen maximalen Reichtum von Momenten, und in diesem Sinne der größtmöglichen Mannigfaltigkeit ist die Welt die beste aller möglichen, ihre prästabilierte Harmonie ist keine willkürliche Einrichtung der Gott-Monade, sondern notwendiger Ausdruck der Kompatibilität aller Monaden in der kontinuierlichen Ordnung von Raum und Zeit.